Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 20 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NGUE MDONÄL-ZQCONG XIII. JAHRGANG. WIEN, 6. OKTOBER 1911. Nr. 20. Die Juden in Tripolis. Von Professor N. Slousch (Paris). Am 16. August 1906 unternahm ich einen drsiwöchigen Ausflug in das tripolitanische Djebel. Diese Reise, die durch Sandwüste führt, ist im Sommer besonders gefährlich; doch konnte ich die einzige Gelegenheit nicht entschlüpfen lassen, die sich mir zum Besuch der Gebiete des alten Libyen bot, die reich sind an jüdischen Erinnerungen, und wo sich mehrere jüdische Niederlassungen, noch von keines europäischen Glaubensgenossen Auge geschaut, in unverändertem vorgeschichtlichen Zustand befinden. Nach zweitägigem Kamelritt gelangte ich in das gebirgige Gebiet der Höhlenbewohner von Gharian. Ein seltsamer Anblick, diese fruchtbaren Hügel und Täler, in denen, abgesehen von einigen Ruinen und Moscheen, sich keine Spur menschlicher Wohnungen über den Erdboden erhebt, wo die Toten über der Erde liegen, die Lebenden in Höhlen sich aufhalten, die das Auge kaum zu entdecken vermag! Gharian, von Troglodyten bewohnt, hat eine große Zahl muselmanischer Dörfer, wenn man diesen Namen den nackten Anhöhungen von roter Erde geben kann, bei denen nichts auf die Anwesenheit menschlicher Wesen deutet. Von Zeit zu Zeit entdeckt das geübte Auge zwischen Oliven- und Feigenbäumen, - zur Seite einer Moschee oder jüdische Höhlenbewohner in Tripolis. neben Ruinen am Abhang eines Hügels Löcher, die durch ihre Gestalt meist an Kellertüren erinnern. Eine kleine hölzerne Pforte öffnet sich vor dem Reisenden, und er ist in einer Art dunkler Galerie, die abwärts führt und die man erst durch Gewöhnung ungefährdet durchschreiten lernt. In einem Abstand von etwa 15—20 Meter stößt man auf einen Hof, der durch von oben einfallende Lichtstrahlen schwach erhellt ist. Dieser Raum geht dem Zentralhof vorauf und dient zuweilen den jüdischen Schmieden als Werkstatt. Man steigt immer weiter hinab und gelangt auf einen viereckigen unterirdischen Hof, der vergleichsweise hell ist, weil durch ein Stück Himmel, das man durch einen Ausschnitt von 10—12 Meter Durchmesser sehen kann, Licht hereinfällt. Dieser Hof, ein förmlicher Abgrund, ist der Zentralsitz, zugleich Küche und Fabrik. Die einzelnen Gemächer sind in Umfassungsmauern gegrabene Aushöhlungen, die ihr Licht vom Hof aus erhalten. Man erstickt dort gerade nicht, aber der Reisende fühlt sich unbehaglich, während die Eingeborenen der Meinung sind, daß das unterirdische Leben naturgemäß und sogar bequem sei. Die Synagoge des Dorfes Beni- Abbas ist gleichfalls unterirdisch angelegt, doch ist der Zugang offen und leicht, das Dach überragt