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Neue Nationalzeitung · 1911-09-08 · Heft 18 (8.9.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 18 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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nsus NflüONQL-ZBCUNG XIII. JAHRGANG. WIEN, 8. SEPTEMBER 1911. Nr. 18. Herbst-Gedanken.*) Von Dr. Moses Ahronsohn. „Es elelzt". Kein schönes Jargon-Wort; aber „es herbstelt" ist auch keine schöne Wortbildung. Beides bedeutet das gleiche. Die schier unerträgliche Hitze weicht langsam herbstlichem Wetter, auf das das Barometer deutet: „es elelzt". Unsere Vorfahren hatten gerade so ihre Eigentümlichkeiten, wie wir Menschen der neuesten Zeit. Sie gingen nicht in die Seebäder, bestiegen nicht die Rax und verstiegen sich nicht auf ihr, die Dolomiten waren ihnen noch ein unbekanntes Gebiet, die Ghettoluft wurde von ihnen nicht mit der Landluft vertauscht. Aber merkwürdig ist, wie sie im Ghetto die Natur in ihren Veränderungen belauschten. War der Tischah b'Ab vorüber, rüsteten sich die Schwälblein zum Fluge ins heiße Land des Südens, begann es zu wehen über Stoppeln und gemähte Wiesen, kurz, nahte der Ellul, der Monat, in dem des Schofars Ton an den nahen „Tag des Gerichtes" mahnte, dann wußten sie: der Herbst hält nun seinen Einzug und lapidarisch und konzis prägten sie das Wort vom „Elelzeln", Herbstein. — Man traf seine Vorbereitungen für die langen, sehr langen Feste. Mit würdigem Ernste wurden die Baale- Tephillah und die Baale-Tokea auserwählt. Diese wichtigen Funktionen wurden nur wahrhaft würdigen Männern anvertraut, man besorgte sich die „Schulplätze", die Machsorim und Selichoth wurden hervorgesucht, der Erwerbung von Ethrogim wurde die nötige Sorgfalt zugewendet, der Platz für die Sukkah bestimmt. Es ist eine andere Welt, von der wir hier *) Wenn wir auch diesmal nicht mit allen Ausführungen unseres sehr geehrten Mitarbeiters einverstanden sind, so sind dieselben gewiß sehr originell und anregend. Aus diesem Grunde bringen wir sie zur Veröffentlichung. Die Redaktion. sprechen, und den Jüngeren und Jüngsten unter uns ist sie eine ganz unbekannte Welt geworden, als spräche man zu ihnen von den fernen Gestaden Polynesiens. Zwar, wenn wir den Annoncenteil mancher unserer jüdischen Zeitungen überfliegen, dann werden wir auch an den nahenden Rosch-Haschana und den furchtbaren Jomkippur gemahnt. Die Reklametrommel wird für die Kompositionen der Chasanim gerührt. Da rühmt der Eine seinen unvergleichlichen Unessane-Tokef, der Andere eine funkelnagelneue Keduscha, der Dritte die weihevollsten Malchugoth, Sichronioth, Schofaroth. Stellenlose Prediger bieten ihre oratorische Kunst den hochlöblichen Gemeinden für die „hohen Feiertage" an, junge unentdeckte Bossuets und Jellineks wünschen an den Feiertagen eine andächtige Zuhörerschar zu erbauen. Wie dies die mit den Verhältnissen der Gemeinden ganz unvertrauten „Kanzelredner" tun werden, ist zwar eine unlösbare: Rätselfrage. Aber, das neuere und neueste Judentum ist voll solcher Fragen. Und schließlich hängt sein Bestand von verkannten Sängern und den schönsten Reden nicht ab. Herbst-Gedanken, d. h. nicht ganz erfreuliche Stimmungen, sind es, die uns bewegen, wenn wir manche Erscheinungen betrachten, die im Judentum unserer Zeit sich zeigen, und ebenso erfreulich wirken, wie der Herbststurm, der durch das gelbe Laub der Bäume fährt, an ihm rüttelt und es zu Boden schleudert. Mit dem Flug der Schwalben, die gegen Süden ziehen, beginnt nun auch die Wanderung in die Stadt, die Schulen werden ihre Pforten öffnen nach der schönen Ferienzeit, der Unterricht wird

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