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Neue Nationalzeitung · 1911-08-11 · Heft 16 (11.8.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 16 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 16 Vertreter jüdischer Städte, anläßlieh der Abstimmung über die Einfuhr von argentinischem Fleisch benommen haben. Dr. Kolischer (Brody) hat sich absentiert, Dr. Steinhaus (Zolkiew) und Stern (Buczacz) haben mit den Agrariern gegen die Einfuhr gestimmt. Das muß hier festgestellt werden, denn das ist eine Schädigung ihrer jüdischen Wähler in der Frage der Lebensexistenz. Von Dr. Steinhaus, der sein ganzes Leben dem Judentum fremd gegenüberstand, kann man nichts anderes erwarten, als daß er im Interesse seiner politischen Brotgeber das jüdische Proletariat preisgeben wird. Allein Herr Stern von Buczacz lebt inmitten der Allerärmsfcen und sieht ihre Not und Plage. Herr Stern erklärt, daß er etwas tun will. Dann muß er zuerst aufhören, ein Lakai des Polenklubs zu sein. Es genügt ja, wenn er politisch mitlaufen muß, wozu den armen Juden noch das nackte Leben erschweren? .dei\. Dorfbewohner 'durch ein Bad in der Theiß Zuflucht vor der sengenden Hitae suchte. Einige Schritte vom Ufer entfernt, badete auch der 13jährige Gymnasiast Mathias Ven, als ihn plötzlich eine Welle erfaßte und fortriß. Der arme Junge rief einigemale verzweifelt um Hilfe, aber der katholische Volksschullehrer und Kantor Lorenz Simon, der beste Schwimmer des Dorfes, hielt die Leute, die dem Knaben zu Hilfe eilen wollten, lachend mit den Worten zurück: „Das ist ja der Sami Weiß. Laßt doch den Judenjungen ein klein wenig Wasser saufen!" So geschah es, daß der Knabe im Beisein des ganzen Dorfes, das sich an seinen Todesqualen weidete, ertrank. Als die Leiche dann ans Ufer gespült wurde, erkannte man in dem Ertrunkenen den 13jährigen Sohn des katholischen Landwirtes Michael Ven. — Es wäre interessant, zu erfahren, in welcher Weise der katholische Jugendbildner und Kirchenfunktionär seinen Schülern das Gebot der „christlichen11 Nächstenliebe erläutert. GEM2iNb5= UNd VSREkNSNflUVRktfrtSN Anläßlich des Allerhöchsten Grehurtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Freitag, den 18. August 1911 in den Gremeindehethäusern der Wiener israelitischen Kultusgemeinde feierliehe Grottesdienste statt, und zwar: im Stadttempel, L, Seitenstettengasse 4, um 9 Uhr vormittags : im Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse 3, um Z/41Q Uhr vormittags; im Fünfhauser Tempel, XV., Turnergasse 22, um 9 Uhr vormittags; im Ottakringer Tempel, XVI., Hubergasse 8, um V28 uhr früh; im Währinger Tempel, XVIIL, Schopenhauerstraße 39, um 728 Uhr früh; im Floridsdorfer Tempel, XXL, Sehindlergasse 4, um 7 Uhr abends. ALIBN UElXtEiLSN Geheimrat Paul Schulz. Dr. Paul Schulz, der soeben zum Vize-Präsidenten des Obersten Eechnungshofes und Geheimrat ernannt wurde, repräsentiert für sich ein interessantes Stück des Wiener Marannentums. Als Jude hat er es — ein einzig dastehender Fall — bis zum Sektionschef gebracht. Dr. Schulz strebte aber weiter; er wollte durchaus Exzellenz werden. Und da in Oesterreich ein Jude nicht Geheimrat wird — nach dem Gesetze könnte er es, aber nach ungeschriebenen Traditionen darf er es nicht werden — so hat sieh Dr. Schulz getauft. Nun hat er die Geheimratswürde endlich auch erreicht. Wohl bekomms! Ein christliches Opfer antisemitischer Nächstenliebe. In der Gemeinde Moholy ertrank vor den Augen einer großen Volksmenge der 13jährige Gymnasiast Mathias Ven im Theißflusse. Sein Unglück war, daß man ihn — für einen Judenjungen hielt. Der Vorfall spielte sich an einem besonders heißen Tage der vorigen Woche ab, als der größte Teil bisfe der Ausgetretenen. Vom 25. Juli bis 1. August 1911. (Nr. 324—351.) Dr. Münk Leo, Advokat, geb. 2. Dezember 1861, Wien, I, Franz Josefs-Quai 15. Edelstein Mauritius, geb. 20. Oktober 1882, Wien (Hernais), Magyarfalu. Freund Jeanette (Johanna), geb. 2. Juli 1880 in Witschkoberg, VI. , Webgasse 34. Freund Leopold, Baupolier, geb. 14. Jänner 1878 in Unter- Kralowitz, III, Erdbergstraße 174. Fuchs Leo, Kaufmann, geb. 28. Juni 1884, Wien, IX., Nußdorferstraße 34. Gerngross Elisabeth, geb. 20. Mai 1888, Wien, Hadersdorf. Goldstein Hedwig, Private, geb. 3. März 1879 in Preßburg, IX., Porzellangasse 52. Himmelreich Mathilde, Hilfsarbeiterin, geb. 29 Sep'ember 1883 in Perchtoldsdorf, XX., Karajangasse 27. Richter Gerschon, Photograpb, geb. 20. November 1874 in Wielkyoczy, XX., Treustraße 66. Ruff Bernhard, geb. 6. Jänner 1892 in Odessa, VII., Schottenfeldgasse 41/43. Thal Hinde Taube, Private, geb. 18. September 1881 in Braiia, II., Vereinsgasse 4. Weenen, Katharina von, Gesangußd Sprachlehrerin, geb. 28. März 1859 in Amsterdam, IX., Alserstraße 10. Weissberger Franz, Buchhalter, geb. 4. Juni 1886, Wien, IX., Porzellangasse 24 a. Meier Hersch, Lehrer, geb. 4. Jänner 1891 in Jassy, IL, Adambergergasse 6. Vecsler Feija, Lehrerin, geb. 22. Juli 1889 in Rumänien, II., OdeongasBe 6. Stromberg Leonid, Student, geb. 11. November 1888, Wien, VII. , Buregasse, Hotel Höller. Eichberg Felix, Galvaniseur, geb. 3. November 1874, Wien, VII., Bernardgasse 39. Ing. Pollak Benedikt, geb. 1. Juli 1883, Wien, I., Kärntnerstraße 13. Schwarz Julius Josef, Ubrmachergehilfe, Wien ,111., Löwengasse 43. Jellinek Therese, Private, Wien, III., Keinergasse 4. Jellinelc Karl, Ubrmachergehilfe, geb. 10. Juni 1874, Wien, IX,, Elisabetbpromenade 35. Amdursky Samuel, geb. 3. Dezember 1882 in Bialystock, IL, El. Stadtgutgasse 14. Friedmann Alexander, geb. 31. März 1885 in Kiew, IL, Mohrengasse 39. Grottl-Grotte Irma, geb. 29. März 1889, Wien, II, Rothen Sterngasse 22. Goetz Otto, Kapellmeister, geb. 17. September 1885, I., Tuchlauben 14. Gessler-Mandel Berta Frieda, Private, geb. 16. April 1890 in Jägerndorf. Maxel Karl, geb. 20. April 1881 in Brack a. d. Leitha.

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