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Neue Nationalzeitung · 1911-08-11 · Heft 16 (11.8.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 16 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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nsüe «OML-ZEiOING XIII. JAHRGANG. WIEN, 11. AUGUST 1911. Nr. 16. Wie man nicht kolonisieren soll (Zum zwanzigjährigen Jubiläum der JCA.) Von Maxim An in. ........-------------„Vernunft wird Unsinn, Wohltat — Plage . . Wer nicht erst die harten Schläge vollendeter Tatsachen auf seinem Rücken verspüren muß, um den tieferen Zusammenhang und den ferneren Lauf der Dinge wahrzunehmen, der konnte auch bei völligem Fehlen der Prophetengabe schon vor Jahren zur Erkenntnis gelangen, daß die bewohnte, zivilisierte Welt für uns Juden, je weiter desto mehr gesperrt wird. . . . Man scheint aber noch heute bei uns über die ungeheuere historische Tragweit dieser Tatsache für die jüdische Gesamtheit nicht im klaren zu sein. Für das Judentum als Gesamtkörper war die Wanderung innerhalb der zivilisierten Welt nicht bloß ein wichtiges sozialwirtschaftliches Sicherheitsventil in Fällen der relativen Uebervölkerung der jüdischen Ansiedlungen, sondern auch — und nicht in geringem Maße — das bedeutsamste We rkzeug der nationalen Selbsterhaltung. Dieses Ventil und dieses Werkzeug beginnen immer mehr zu versagen. Was nun? . . . Die Lösung der heutigen: und gleichzeitighistorischen Krise der jüdischen Wanderung wird von der objektiven Sachlage? mit der Notwendigkeit einer einzigen Möglichkeit vorgezeichnet. An Stelle <ier bisherigen Konzentrationsformen innerhalb einessoz i a.l en — und eo ipso auch fremdnationalen: — Milieus in Gesteht der in* der Peripherie und in. den Poren des. ökonomischen Lebens der Wirtsvölker emgestreutens Ghetti -=r-. an ihre. Stelle nu$; die Konzentration in einem von, modern-soziale^ u&d nationalen* Faktoren,. noch unberührten geographischen Milieu, das heißt die Kolonisation treten. Der gesunde Lebensinstinkt hat die jüdischen Volksmassen in diesem ernstesten Zeitpunkte unserer Geschichte auf diesen Weg wirtschaftlicher und kultureller Sanierung geführt. Steht ja bei näherer Betrachtung das jüdische Volksleben in den letzten Dezennien in einem bedeutenden Grade unter der regenerierenden Parole: „Zurück zur Scholle!" Und wenn ein Volk, das Jahrhunderte zu einem städtischen Händler- und Handwerkervolke par excellence degradiert haben, überall und fortgesetzt in der letzten Zeit die höchsten Anstrengungen und Versuche macht, der Muttererde wieder treu zu werden, so kann das nicht bloß als ein symptomatisches Zeichen der Zeit, sondern es muß auch als maßgebendste Richtschnur für eine zielbewußte jüdischnational© Politik angesehen werden. — Das ist denn auch der tiefere historische Grund dafür, daß die Kolonisation immer mehr auch zu einem der bedeutsamsten Prob 1 eme unserer modernen Sozialpolitik wird. IL Nur bei einem Volke, dessen gesellschaftliches Leben nicht in dem festgefügten Bette der staatlichen Zwangsorganisationen. dahinfließt^ konnte die Philantropie zum herrschenden Prinzip jeder sozialen Wirksamkeit werden, wie es bei uns. Juden der Faü: ist Bei allen; negativen Attributen und« Folgeerscheinungen deszum System erhobenen Charite- Prinzipes kann man der jüdischen Philantropie doch manche positiven- Verdienste um dier jjudische Ge-

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