Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 14 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Neue National-Zeitung* Nr. 14 Voranschläge der Bildungs- und Wohltätigkeitsanstalten der Gemeinde äußerst karg aufgestellt werden, damit die Summe der „Reste" möglichst hoch sei. Laut gesetzlicher Vorschrift sind diese Ueberschüsse für die außerordentlichen Bedürfnisse der Gemeinde bestimmt; tatsächlich aber werden sie am häufigsten für staatliche Zwecke verwendet, die mit den Bedürfnissen der Gemeinde nichts gemein haben. So wurde z. B. auf Grund der am 19. April 1891 allerhöchst bestätigten Satzungen des Ministerkomitees, aus den freien Resten der Korobkasteuer, in Kiew das Kontingent der örtlichen Stadtpolizei verstärkt. Zu demselben Zwecke wurden auch die Reste der Korobkasteuer in Odessa im Jahre 1892 verwendet. Dagegen wurde in Balta (einer Stadt im Gouvernement Podolien) der jüdischen Gemeinde ein Beitrag aus den Ueberschüssen der Korobkasteuer zum Baue eines Waisenhauses abgesagt, und gleichzeitig wurden vom örtlichen Stadtrat aus denselben Summen 40.000 Rubel (10.000 Francs) zur Pflasterung des Domplatzes und der benachbarten Straßen angewiesen. Es sei hier noch bemerkt, daß die höhere Administration, die in der Person des Ministers des Innern die Ueberschüsse verwaltet, überhaupt ohne jede Kontrolle verfügt, so daß der jüdischen Gemeinde sogar unbekannt ist, wo und in welchem Betrage die von ihr jahraus-jahrein angesammelten Ueberschüsse aufbewahrt werden. „Seit der Errichtung der Korobkasteuer, sagt G. B. Sliosberg im oben zitierten, dem Minister des Innern unterbreiteten Memorandum, wurden von diesen Ueberschüssen eine sehr große Summe angehäuft, oder mußte doch angehäuft werden. Vergebens würden wir aber irgendwo Angaben über den Betrag und das Schicksal dieser Reserven suchen. Weder die Ordnung der Verausgabung noch die Art der Verwaltung dieses äußerst beträchtlichen Kapitals sind vom Gesetze geregelt. In die Finanzberichte des Ressorts (des Ministeriums des Innern) werden diese Summen nicht einbezogen; wo sie aufbewahrt werden und wie groß ihr jährlicher Zuwachs ist, bleibt unbekannt und könnte schwerlich nach Erkundigungen in der Zentralverwaltung festgestellt werden." In diesen Worten ist dem allgemeinen Befremden der jüdischen Gemeinden Ausdruck gegeben über dieses rücksichtslose Wirtschaften mit ihren Kapitalien, die mehrere Millionen betreffen und die alljährlich durch die hinzutretenden Ueberschüsse vergrößert werden. Das Endresultat aller erwähnten Abzüge von den Summen der Korobkasteuer ist, daß die von der Gemeinde als Steuer auf das Fleisch entrichteten Summen, nachdem sie den Weg durch die Pächter und die Administration genommen haben, der Gemeinde kaum zum halben Betrage zukommen. Die Steuerrückstände und die Gemeindeschulden — die echten und fiktiven — der Unternehmergewinn des Pächters und die Ueberschüsse versclilingen fast die Hälfte der Korobkasteuer — und nur der übrigbleibende Teil wird zur BedürMsbefriedigung derselben armen jüdischen Volksmassen verwendet, die auf ihren Schultern die ganze Last dieser Steuer tragen. Direkte Folge des gesamten Systems der Gemeindesteuern und ihrer Reparation ist die stets wachsende Machtlosigkeit der Gemeinde, da sie immer weniger imstande ist, die ihr auferlegten Abgaben zu erfüllen. Die Gemeindeinstitutionen — die jüdischen Volksschulen, Krankenhäusern, Badehäuser, Volksküchen, Waisen- und Invalidenhäuser fristen ein äußerst kümmerliches Dasein. Der Schulunterricht ist ganz unbefriedigend, die Krankenhäuser müssen oft aus Mangel an Mitteln geschlossen werden, und wenn die eine oder andere Gemeindeanstalt in einer Stadt mehr oder weniger normal funktioniert, so hat sie das nur der Opferwilligkeit freiwilliger Spender zu verdanken. Allerdings sind die freiwilligen Spenden eine äußerst unsichere und unbeständige Einnahmequelle und so sind die Gemeindeinstitutionen, der innern Lebeins- und Entwicklungskräfte beraubt, absolut nicht imstande, den wachsenden Bedürfnissen des jüdischen Lebens gerecht zu werden. biste der Ausgetretenen. Vom 28. Juni bis 10. Juli 1911. (Nr. 275—303.) Altmann Oskar, Spenglergehilfe, geb. 20. Mai 1887 in Wien. Götzl Leo, Elektrotechniker, geb. in Graz, XVII., Weidmanngasse 38. Kohn Elisabeth, geb. 21. Juli 1883 in Wien, XIX., Chimanistr. 31. Kohn Anna, Private, geb. 10. August 1879 in Bosnjaöi, XIX. Budinskygasse 30. Köhler Franz, Hof- und Gerichts-Advokat, geb. 1868 in Prag, I., Eotenturmstraße 29. Köhler Ida geb. Lackenbacher, geb. 1880 in Wien, I., Rotenturmstraße 29. Köhler Franz, geb. 1. September 1S04 in Wien, I, Kotenturmstraße 29. Kollmann Julie, geb. 1, September 1886 in Wien, IL, Molkereistraße 10. Königsberg Klara, med Dr., geb. 1. Februar 1879 in Wien, XVII, Hernalser Hauptstraße 38. Rechenberg Josef, Ingenieur, geb. 6. Oktober 1859 in Sereth, V., Rüdigergasse 25. Reichmann Marceil, Techniker, geb. 7. September 1892 in Wien, I, Schauflergasse 2. Sachs Elise des Renaudes geb. Werndorfer, geb. 28. April 1872 in Wien, II, Engerthstraße 223. Schmied Margarethe, Private, geb. 24 Juni 1884 in Klosterhradisch, XXI, Frömmelgasse 37. Schönwald Paul Alfred, geb. 30. Juni 1888 in Wien, I., Liebiggasse 4. Schön wald Lisbeth, geb 10 Juni 1889 in Wien, I, Liebiggasse 4. Stolzenberg Friedrich, Handelsakademiker, geb. 11. November 1891, IL, Kl. Schiffgasse 7. Szego Clara geb. Do ata, geb. 12 Februar 1884 in Wien, VHI, Wickenburggasse 23. Fleischer Erna geb. Samuely, verh, Private, geb. 22. Jänner 1885 in Hannover. Weissenberg Alice, ledig. Kontoristin, geb, 7. August 1886 in Jägerndorf, VIH., Laudongasse 37. Bauer Ida geb. Mandl, verh., geb. 26. April 1872 in Proßnitz, XIH., Hadikgasse 120. Fleischer Arthur, verh,. Opernsänger, geb. 14. Dezember 1881, VH., Wimbergergasse 12. Fleischer Thomas Philipp, geb. 28. Mai 1909, VII., Wimbergergasse 12. Deutsch Fritz, ledig, Goldarbeiterlehrling, geb. 24. April 1898, I., Spiegelgasse 13. Steiner Borcsa, ledig, geb. 20. Juni 1880 in Budapest, IV., Johann Straußgasse 40. Czaczkes Bernhard Boris, ledig, Vertreter, geb. 4. Juli 1889 in Odessa, H., Gr. Stadtgutgasse 7. Löwy Sei ma, ledig, Private, geb. 10. April 1890 in Luditz, IX., Alserstraße 2. Neumann Otto, ledig, Med., geb. 28. März 1887, IX, Maximilianplatz 4. Manasewitsch Josef, Dr., verwitwet, Arzt, geb. 16. September 1836, IX, Mariannengasse 20. Mautner Eugenie, ledig, Private, geb. 24. September 1887 in Prag, IX., Franz Josefs-Bahnstraße 5.