Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 13 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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RELRftUSGSBSRl DTSJt.LftNDAU!. XIII. JAHRGANG. WIEN, 30. JUNI 1911. Nr. 13. Aufruf! Die Salven der Soldaten von Drohobycz haben mehr als 50 Menschen niedergestreckt. 27 von ihnen haben bereits ihr Leben eingebüßt, die anderen ringen mit dem Tode. Sie werden nach dem Gutachten der Chirurgen nur zum geringsten Teil ihre verkrüppelten Körper zu retten vermögen. Die Kugeln haben, dem Gewehrlauf entwichen, nicht nach Parteizugehörigkeit und nicht nach Nationalität gefragt. Nichtsdestoweniger sind es zumeist Juden, deren Lebens sie vernichtet haben. Juden beiderlei Geschlechts, Juden verschiedenen Alters, Juden der ärmsten Stände. Zahlreiche Familien haben ihre Häupter und Ernährer verloren. Auch junge Kinder, die ihre greisen Eltern zu versorgen hatten, finden sich unter den Niedergeschossenen. Sie sind nun alle dem größten Elende preisgegeben: Die Waisen, denen die Väter, die Väter, denen die Kinder durch dieses schreckliche unverschuldete Unglück so heimtückisch geraubt wurden. Es ist unsere Pflicht als Volks- und Glaubensgenossen, als engere Landsleute der jüdischen Opfer von Drohobycz, für deren Hinterbliebenen zu sorgen. Nicht ein gewöhnliches Elementarunglück, nicht ein Kampf war es, welche sie ihrer Ernährer beraubten, es war ein Dahinschlachten Wehrloser, Unschuldiger . . . Wir östlichen Juden sind in der glücklichen Lage, dieses System und seine unmenschlichen Konsequenzen nicht empfinden zu müssen, weil wir in Wien wohnen. Umsomehr ist es unsere Pflicht, unseren armen Brüdern in ihrem namenlosen Unglücke hilfreich beizustehen und ihnen wenigstens teilweise einen materiellen Ersatz für die Verluste zu bieten, die keine menschliche Hand mehr gut machen kann. Die gefertigten Vereine wenden sich daher an ihre Mitglieder, Freunde und Förderer, sowie an die große jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte um Beträge zu Händen eines der gefertigten Obmänner. Möge jeder Jude mit seinem Scherflein helfen, den Hinterbliebenen der unvergeßlichen Märtyrer vom 19. Juni ihr Los zu lindern. Beweiset damit euer jüdisches Herz, euer jüdisches Solidaritätsgefühl! Dr. -Max Jacobsohn Obmann des »Verein der Tarnower" Wien, 1. Biberstrasse 11. Friedrich Krüh Obmann des „Verein der Kolomeer" Wien, VI. Webgasse 28. Dr. S. R. Landau Präsident des „Verband der östlichen Jnden" Wien, 1. Oppolzergasse 4. Sigmund Ratz Obmann des „Verein der Lemberger" Wien, II. KruüMnbaümg.l. Dr. Simon Silber Obmann des „Verein Josei Perl" Wien, 11. Schmelzgasse 3.