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Neue Nationalzeitung · 1911-05-05 · Heft 9 (5.5.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 9 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NK15 NfCiON&L-ZEiCüNG RSRflUSGßBERI DrS.R.LNNÖ^Ü XHL JAHRGANG. WIEN, 5, MAI 1911. Nr. 9. Der Wahlkampf im 32. Wahlkreis. Als ich vor vier Jahren die Leitung dieses Blattes übernommen hatte, da folgte bald die Auflösung des Parlamentes auf den Fersen. Das allgemeine Wahlrecht schien allen Nationen Oesterreichs den längst erwarteten Völkerfrieden zu bringen und auch die Juden stürzten sich in die Brandung des entfachten Wahlkampfes, um sich darin endlich eine eigene Repräsentation zu erringen. Ich habe vor vier Jahren nicht kandidiert. Ich wollte meine ganze Kraft dem Blatte widmen, das ich kaum übernommen, ich wollte es systematisch ausgestalten zu einer scharfen Waffe für die politische Befreiung und wirtschaftliche Hebung des jüdischen Volkes, ich wollte meinen armen Volksgenossen mit der Kraft meiner Feder beistehen in dem schweren, verzweifelten Kampfe gegen die rücksichslosen Feinde von innen und außen. Ich durfte daher meine Tätigkeit nicht zersplittern. Die Agitation dieses Blattes für die jüdischnationalen Kandidaten hat — ich kann es ohne Ueberhebung sagen — zur Kräftigung der Anschauungen, zur Entfachung des bürgerlichen Mutes und zur Förderung des nationalen Bewußtseins bei den galizischen Juden mächtig beigetragen; sie war ein mächtiger Faktor in der ganzen Wahlbewegung. Hand in Hand mit diesem Blatte ging meine Broschüre „Der Polenklub und .seine Hausjuden", in welcher zum erstenmale systematisch die politische Geschichte der Juden im Verfassungsstaate Oesterreich dargestellt und die Grundzüge des jüdischnationalen Programms für die weitesten Kreise entwickelt wurden. Mit dieser Broschüre, die mich ein Jahr Arbeit kostete, sind die galizischen Zionisten in den Wahlkampf gezogen; sie wurde auch später als eine Agitationsschrift ersten Ranges verwendet, zu welchem Zwecke sie in den Jargon, allerdings unter Verletzung meines Autorrechtes, übersetzt wurde. Und als endlich \Vieir jüdisch-öationale Abgeordnete ins Parlament gewählt waren, da war es dieses Blatt, welches (am 14. Juni 1907) in einem Artikel „Der jüdisch-nationale Reichsratsklub" dessen historische Bedeutung und politische Mission feierte. Es würde zu weit führen, wollte ich alle Interpellationen und Anregungen aufzählen, die ich den Mitgliedern des Jüdischen Klubs gegeben — wollte ich alle Themen anführen, zu denen sich die Herren aus diesem Blatte das Material geholt haben. Ich habe die Herren in der Erfüllung ihrer schweren Aufgabe nach Möglichkeit unterstützt, so lange ich der Ueberzeugung war, daß sie alle das Beste wollen und die jüdische Volkssache über persönliche Eifersüchteleien stellen. Als ich jedoch die traurige Entdeckung machte, daß im Jüdischen Klub nicht der Geist der gegenseitigen Achtung und der Eintracht, sondern Dissonanzen und Gehässigkeiten herrschen, da entschloß ich mich im Interesse der jüdischen Bevölkerung von den Vorgängen im Jüdischen Klub den Schleier zu lüften und als Freund zur Umkehr zu mahnen. Meine Mahnung hatte leider wenig Erfolg. Der Jüdische Klub, der durch Monate keine Sitzung abgehalten hatte, trat nur noch einmal zusammen, um mich zu dementieren . . . Und als die Auflösung des Parlamentes der Tätigkeit des Jüdischen Klubs vorläufig ein Ende bereitete, da ist er von der Oberfläche verschwunden, ohne auch nur ein Wort des Abschiedes an das jüdische Volk zu richten. Herr Adolf Stand kann es mir jetzt nicht verzeihen, daß ich es wagte, an der Tätigkeit des Jüdischen Klubs Kritik zu üben. Vor wenigen Monaten

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