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Neue Nationalzeitung · 1911-04-21 · Heft 8 (21.4.1911) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 8 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 8 diegene Frau, der man bei längerem Verweilen immer mehr abgewinnt. Hoffentlich mißverstehen Sie mich nicht, Frau Rat?" „Ia diesem Saale will ich Ihnen nochmals zwei Künstler gegenüberhalten, L. Koch und L. B. Eichhorn. Beide haben im Auftrage des Thronfolgers historische Themen behandelt; die Bilder sind für die Hofburg bestimmt. Man kann es dem Erzherzogthronfolger nicht genug danken, daß er in solcher Weise die Kunst fördert." „Eine treffliche Leistung dieses Bild und keine geringe. Das Bild fesselt, erregt lebhaftes Interesse, weil selbst ungemein lebendig. Menschen und Tiere in wilder Kampfeswut. Dabei angenehm in der Farbe. Diesem Künstler gebührt alles Lob für das Gelingen des Werkes." „Gleich hier, schönste Gnädige, das Tryptichon L. B. Eichhorns: :,Die Sturmdeputation" der Protestanten um Ferdinand II. Eine wirklich schwere Aufgabe, von dem jungen Künstler nur halb gelöst." „Ich glaube, Eichhorn hat jetzt schon längere Zeit nicht ausgestellt?" „Ja, gnädige Frau, umso höher waren unsere Erwartungen. Am meisten werden sie noch durch das erste Bild erfüllt. Die beiden anderen, sind schwächer. Vor allem das mittlere, zu dunkel gehalten, die Figur zu wenig Körper. Zu wenig Menschen, zu sehr ,Figuren\ Hier dürfen wir nicht vergessen, Gnädige, daß es etwas Undankbares geworden ist, historische Bilder zu malen. Nur die meisterhafteste Lösung kann uns da befriedigen. Jedenfalls hat L. Eichhorn eine Leistung vollbracht und als solcher will ich ihr nicht die Anerkennung vorenthalten. Gleich im anstoßenden Kabinett will ich Ihnen noch die Rötelstudien David K o h n s zeigen." „Hier, gnädige Frau, sind ältere Studien David Kohns, die Behandlung ist reich. Da noch das Porträt seines Kindes." Leichthin anstoßend gingen wir Seite an Seite durch den großen Saal zurück. „Hier, gnädige Frau, die Mitte einnehmend, die drei Bilder Isidor Kaufmanns. Ich glaube, es ist hier mein Urteil nicht nötig, d i e Bilder sprechen für sich." „Das ist wahr. Aber bitte, erklären Sie mir wenigstens das Mittelbild." „Sabbatheingang, meine Gnädige! In Galizien ist es Sitte, daß die Frau die Kerzen anzündet und sie segnet, während ihr Mann im Tempel betet. Bitte, Gnädige, vertiefen Sie sich in dieses Bild. Fühlen Sie die heilige Weihe, den Hauch des Göttlichen! Gnädigste, ohne jeden Knalleffekt, ohne Farbenkunterbund, ein klösterliches Weiß durch das ganze Bild und doch diese — wie soll ich nur sagen — ja — diese Offenbarung. Sehen Sie diesen Ausdruck im Kopf, wie sich das Heilige des Vorganges auf den ganzen Körper, auf die edle Haltung der Hand ausbreitet. Lesen Sie, gnädige Frau, in diesem Bilde. Wie sich die Frau in die Religion versenkt, volles Leben daraus schöpft, die blühende Natur harmoniert damit. Wie zwei böse Mächte kämpfen draußen Licht und Dämmerung. Diese Frau betet, vergißt darüber alles Irdische, sich selbst. Und nun flammen die Kerzen auf, werfen ihre Reflexe, spiegeln sich wieder, als ob alles, die ganze Stube, Mensch und Natur, mit diesem Lichte, der Religion, verklärt werden sollen. Ein Stück Lebenspoesie. Das Malerische in diesem und den beiden anderen Bildern erkläre ich Ihnen am besten mit den Worten: Echte Isidor Kaufmanns." Dann sprach ich nicht weiter. Nur in die Bilder versenkten wir uns, schöpften daraus, daß es uns ganz eigen weihevoll ums Herz ward. Und dann — sahen wir uns plötzlich an, ganz stille, keines von uns brachte ein Wort über die Lippen — und doch — wir verstanden uns vollauf. Nur eines fühlten wir: in diesen Werken lag die wahre, echte Kunst. Beklemmen schritten wir weil er, durch die leergewordenen täle klangen widerhallend dumpt unsere Schritte. Und gar nichts fragte mich mehr die schöne Frau; vielleicht zum erstenmal im Leben hatte sie sie gcfdhlt — die warmempfundene, innere Kunst. Nur später, als wir schon auf der Straße waren, sagte sie: „Zu diesen drei Bildern komme ich wieder." Durch einige Säle hindurch kamen wir zu Jehuda Epsteins „Gemüseladen". „Das ist bedeutenu besser als das Porträt, das wir vorhin von J. Epstein gesehen haben." „Ganz entschieden, Gnädige, das Porträt hat einen Zug ins Rohe. Hier ist das pulsierende Leben des Südens treffend zum Ausdruck gebracht. Das Bild hat eine kräftige, entschiedene Wirkung, was man trotz der Qualitäten von dem Bilde ,Versehgang' desselben Künstlers nicht sagen kann. Der Akt ist vielleicht auf dem großen Bilde schon zu derb, auch in der Farbe utriert." Gleich im anstoßenden Saale machte ich die Rätin auf die beiden Jemenitenköpfe Lazar Krestins aufmerksam, die in ihrer Art nicht uninteressant sind. „Viel besser, besonders im Ausdruck, gnädige Frau, ist das Porträt des Dichters Morris Rosenfeld." „Wer ist das?" „Ich glaube schon, daß Sie diesen jüdischen Jargondichter nicht kennen, aber ich bedaure Sie, viel Schönes enlgeht Ihnen da" „Gnädige Frau, für heute haben wir, meine ich, genug gesehen. Wenn sie auch noch erfahren, daß Kritisieren doch nicht so leicht ist, würde es mich herzlich freuen." Und durch das kleine Kabinett, wo Rothaugs „Kampf um Helena" hängt, schritten wir dem Ausgange zu. Aber am Heimweg fand ich keine Ruhe. Knapp vorher hatte es auch im Künstlerhause einen Kampf um Helena gegeben. Sie war in Jupe-cuJotte erschienen. Und alles stritt für und wider die Mode. Und auf dem Bilde da zeigte sich durch die Kunst dargestellt der Einzelnen, mit ihm des ganzen Volkes um Helena, das Sinnbild der Schönheit — der Kunst----Kunst und Mode! Und einen Augenblick schien es mir, als wolle die Mode über die Kunst triumphieren. Da aber sah ich das Bild und darauf die Männer, die ob Helena starben. Sie selbst aber stand in strahlender Schönheit darunter. Criticus. eeeeseeeeeeeeeeeesee Hochfeines natürliches Tafelwasser 1/1 L 1 ~ Natürlicher i mnwnP^Ä J ilVjJlliilv Lilhion-Ouelle. von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberall zu haben, Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4. EEEEEEEEEESSBEEESEES

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