Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Neue National-Zeitung'' Nr. 5 „Der Lehrer hat recht. In Woloschin habe ich .Die Schindmähre' gelesen." Da bekomme ich vor diesem Büchel einen heiligen Respekt und beschließe in meinem Innern, es bis zum andern Morgen zu lesen, wenn der Vater schlafen geht. Ich habe aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht... Als nämlich Mutter die Sabbathlichter anzünden wollte und sie sich schon auf das Lichtergebet im Stillen freute, sagte der Vater, auf die Lampe, die auf dem Tische stand, deutend: „Gieß' noch ein bischen Petroleum hinein!" Das hatte natürlich etwas zu bedeuten. Der Vater wird die ganze Nacht »Die Schindmähre" lesen Und so geschah es. Ais der Lampendocht keinen Tropfen Oel mehr zum Aufsaugen hatte und die Flamme schon klein, ganz ilein war, so daß man kaum sehen konnte, sah ich den Vater noch immer gebeugt über dem Buch sitzen und lesen, lesen ... LITERATUR UND THEATER Zum Schalom Asch-Abend. Auf Einladung des akademischen Vereines „Jüdische Kultur" wird Schalom Asch am 5. März dem jüdischen Wien einen Besuch abstatten. Und dem jüdischen Wien, allen Freunden der neu-jüdischen Literatur wird der Gast gewiß von Herzen gern willkommen seiu. Zählt ja Schalom Asch zu unseren Besten und hat er sich doch schon trotz seiner Jugend einen ehrenvollen Platz unter den Meistern der jüdischen Literatur gesichert. Schalom Asch singt das Lied der Kraft und der Schönheit. Sein Romantismus, die trunkene Liebe zum jüdischen „Städtchen* seligen Angedenkens, ist nichts anderes als die Sehnsucht nach Schönheit, nach harmonischen Vollmenschen, nach typischen unwandelbaren Lebensformen, in die sich seine künstlerische Seele von der modernen jüdischen Zerrissenheit, von der unseligen Hast unseres Lebens flüchtet. So manchen Winkel, so manches verlassene Plätzchen des alltäglichen Lebens, an dem der Philister gleichgültig vorübergeht oder nichts anderes als Schmutz bemerkt, hat seine dichterische Intuition verklärt und unserem Verständnis nähergebracht. Asch predigt den Juden, diesen eingefleischten Asketen, Kraft und Schönheit. Es sind die verachteten inoffiziellen Elemente des Volkes, die noch Kraftjudentum aufzuweisen haben. Es ist die ,Kohlergasse" mit ihren Metzgern, den traditionellen jüdischen „Kazowim", die noch Helden hat. Das elementare, irdische Judentum hat uns Asch entdeckt, gelehrt und dem verbimmelten Judentum gegenübergestellt. Asch ist uns deswegen nicht nur eine literarische Erscheinung, Asch sagt uns viel mehr, er kündigt uns eine Umwertung jüdischer Werle an ... Er sei uns willkommen! B. * Verein „Jüdische Kultur" in Wien. Der bereits angekündigte Salom Asch-Abend findet Sonntag den 5. 'März, präzise 9 Uhr abends, im Kursalon der Stadt Wien, statt. Außer .dem Dichter, der im Original (jüdisch) lesen wird, hält Schriftsteller Dr. Marek Scherlag die einleitende Conference. K. k. Ho Schauspieler Albert Heine und Schauspielerin Fräulein Frieda Helldorf werden Uebersetzungen lesen. Karten ä 6, 4 und 1. Kronen sind erhältlich: In Guttmanns Hofrausikalienhandlung (Hofopernhaus), in Kehldorfers Zentralkartenbureau (I. Krugerstraße 3) und in der Buchhandlung R. Löwit (I. Rothenturmstrasse 22). « Die „Judenstiicke" und die Berliner Theater. Die letzte Nummer der Münchener Zeitschrift „Mä r z", veröffentlicht die nachstehende, Berliner Zustände behandelnde Glosse, die in interessanter Form die Würdelosigkeit unseren „vornehmen" Glaubensgenossen beleuchten, gleichzeitig aber auch als Cavete für die charaktervolle jüdische Bevölkerung dienen mag: ,.Der Direktor des Lustspielhauses weiß, was der Masse von Berlin W. gefällt — andere Leute gehen massenhaft überhaupt in kein ■ Berliner Theater — und kauft einfach die ganze Ernte auf. Mußte sich doch die Reinhardt-Böhne für ein Stück von ähnlichen Qualitäten eigens Herrn P i n s k i aus New-York verschreiben. Daß es mit dem Erfolg dann doch nichts wurde, lag einfach daran, daß Herrn Pinskis Stück nicht „jiddisch" gespielt, sondern verhochdeutscht wurde. Jedes Stück, das zur Zeit in Berlin Erfolge haben will, muß nämlich mindestens einen Juden lächerlich machen und deshalb bevorzugt man auch so auffallend jüdische Autoren, denn sie können das noch immer am besten. Wo immer ein solches Stück sich zeigt, kauft es das „Lustspielhaus" und macht damit überall volle Häuser. Das neueste Zugstück, ,Das Objekt* genannt, besteht sogar nur noch aus jüdischen Berlin W-Witzen. Hier habt ihr den Weg, deutsche Dramatiker, der sicher zum Ziele führt, und das »Lustspielhaus* kauft solche Ware zu den besten Preisen, wenn sie noch auf dem Halme steht. Mit dieser Ware beherrscht der disqualifizierte Direktor glücklich drei Bühnen. Wenn er will, kann er noch drei, vier dazu kriegen, denn je schlechter es um seine Konzession bestellt ist, umsomehr Theater bekommt er auf solche Weise unter seine Leitung. Hat er erst die Hälfte aller Berliner Theater, kann ihm gewiß nichts mehr geschehen. Auch von dein Polizeidirektor nicht. „Quod erat demonstrandum". * Heinrich Heines sämtliche Werke in 10 bänden. Unter Mitwirkung von Jonas Fränkel, Ludwig Krähe, Albert Leitzraann und Julius Petersen herausgegeben von Oskar Walzel. (Jeder Band geheftet Mk. 2.—; in Halbpergament Mk. 8 —. Vorzugsausgabe (einmalig): 1000 Exemplare auf Insel-Hadernpapier geheftet Mk. 5.—, in Halbleder Mk. 7.—, in Leder Mk. 10.-.) Heine Bd. VII. 50* Seiten. Mit diesem siebenten Band hat die Insel-Ausgabe von Heines Werken einen bedeutenden Schritt vorwärts getan Und zugleich die Heine-Forschung überhaupt — wie es nicht anders zu erwarten war, wenn der zweifellos erste Kenner der romantischen Literatur und Kultur, Oskar Walzel, es unternahm, Heines Schriften über die Romantik und das vorangehende deutsche Geistesleben zu erläutern. Tatsächlich haben jene Heineschen Aufsätze, auch für den heutigen Leser wahre Blüten geistvoller Literaturbetrachtung, durch Walzel einen Kommentar erhalten, der nur als vorbildlich für die Lösung ähnlicher Aufgaben bezeichnet werden kann. Das ist gewiß ein erfreuliches Prognostikon für das Fortschreiten dieser zugleich an Ausstattung und Billigkeit unübertrefflichen Heineausgabe; den bereits erschienenen Bänden VII und IX werden zunächst die Bände I bis III (enthaltend alle Gedichte und Dramen und Walzeis Gesärateinleitung) folgen. Eingesendet. : DAS^WENErSl ::ETABLISSEMENT| m@beeI NERKLR ::VI-M/^IAHILFER5:;; STBASSE31'LIEFERT | MEISTER! :HAFT/HS6EraHRTEl: ■yHjf^ ÖBERBASCHENDBILLIG!! \Cg) " Cs?/ Hochfeines natürliches Tafelwasser von /Klps.terle bei Karlsbad. — , Lieberall zu ^abep, Niederlage: Wien, I., SQA^ff^8ga^eMA-