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Neue Nationalzeitung · 1911-03-03 · Heft 5 (3.3.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 5 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NSÜ5 XIII. JAHRGANG. WIEN, 3. MARZ 1911. Nr. 5. Der Antisemitismus in der deutschen Armee. Während im österreichischen Abgeordnetenhause keine nichtjüdische Partei auch nur eine Hand rührt, um die den Juden auf manigfaltigen Gebieten der militärischen Betätigung — Auditoriat, Intendanz, Generalstab usw. — zu Teil werdenden Zurücksetzungen gutzumachen, sehen wir im deutschen Reichstag alljährlich anläßlich der Beratung des Militäretats, wie die Mitglieder der freisinnigen Parteien darin wetteifern, den jüdischen Offiziers-Aspiranten die Offiziercharge zu verschaffen. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten des deutschen Militärstaates, daß wohl Juden zu hohen Stufen der richterlichen Hierarchie zugelassen werden, daß man sie jedoch vom Verwaltungsbeamten- und Offizierkorps vollständig fernhält. Das Deutsehe Reich setzt seinen Ehrgeiz darein, in dieser Frage mit dem Reiche des Zars zu wetteifern. Seit 30 Jahren wird in Preußen kein Jude Reserve-Offizier, die Zahl der jüdischen Reserve-Offiziere in den anderen reichsdeutschen Staaten ist bereits auf den Aussterbeetat gesetzt. Wird der Kriegsminister im Reichstag darüber interpelliert, dann nimmt er zu den unaufrichtigsten Einwendungen seine Ausflucht. Er gibt wohl notgedrungen die Tatsache der Zurücksetzung jüdischer Einjähriger zu, aber stereotyp wiederholt.sich die „Versicherung", daß eine Remedur eintreten werde, daß diese Tatsache bedauerlich ist, daß in der Armee ein Unterschied um des Glaubens willen nicht gemacht werde. Mit bewunderungswürdigem Eifer greifen freisinnige Mitglieder des deutschen Reichstages, G o t h e i n, K1 o p s c h und andere diese Frage alljährlich auf und bringen den kriegsminister in die peinliche Lage, durch heuchlerische Phrasen die gesetzwidrige Haltung der deutschen Heeresverwaltung gegenüber den Juden zu rechtfertigen. Sie haben auch durch ihren systematischen kämpf diese traurige -Rolle immer mehr bloßgelegt; Schritt für Schritt haben sie die hohlen Phrasen, mit denen die krasse Verletzung der Gleichberechtigung beschönigt wird, ad absurdum geführt. Als in der Reichstagssitzung vom 4. Februar 1908 die nunmehr im preußischen Heere 30 Jahre lang währende Ausschließung der jüdischen Einjährig-Freiwilligen von der Beförderung zum Reserve-Offizier erwähnt wurde, erklärte der Vertreter des beurlaubten preußischen Kriegsministers v. Einem, Generalleutnant Sixt v. Armin, Departementsdirektor im Kriegsministerium: »Es ist erwähnt worden, es komme vor, daß Mannschatten jüdischer Eonfession von vornherein bei ihrem Diensteintritt schlechter behandelt würden, irgendwie zurückgesetzt würden hinter ihren Kameraden. Meine Herren, es sind keine Einzelfälle genannt worden, ich kann also auf Einzelnes nicht eingehen und beschränke mich auf die ganz allgemeine Bemerkung, daß, wenn das geschieht oder geschehen ist, es selbstverständlich im höchsten Grade zu mißbilligen ist.* In der Reichstagssitzung vom 30. März 1908 überreichte der Abg. Kopsen dem Kriegsminister eine Zusammenstellung von 24 im einzelnen dargestellten Fällen der Zurücksetzung. Der Kriegsminister v. Einem ließ diese Fälle prüfen. In der Sitzung vom 19. März 1909 erklärte er dann unter andereai: „Ich bin allerdings der Meinung, daß es in der Armee wohl vorgekommen ist und vorkommt, daß ein junger Mann israelitischen Glaubens einfach deshalb nicht Reserveoffizier wird, weil er Jude ist." In der gleichen Sitzung überreichte der Abgeordnete Kopsch dem Kriegsminister eine weitere Liste von 14 Zurücksetzungsfällen. An die Stelle des Herrn v. Einem trat inzwischen der jetzige Kriegsminister Herr v. Heeringen. Ihm wurde durch die Abg. Müller-Meiningen und Gothein eine fernere Liste von sechs Benachteiligungsfällen in den Sitzungen vom 29. Jänner und 10. Februar 1910 übergeben. Darauf antwortete der Kriegsminister zunächst in der Sitzung vom 10. Februar 1910

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