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Neue Nationalzeitung · 1911-02-03 · Heft 3 (3.2.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 3 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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S/CiOS/L-CEiCüN3 XIII. JAHRGANG. WIEN, 3. FEBRUAR 1911. Nr. 3. Das jüdische Massenelend in Galizien. ) (Die Enquete des galizischen Landesausschusses.) Von Dr. S. R. Landau. Nach dreitägiger Dauer hat die unter dem Vorsitze des galizischen Landmarschalls Grafen Stanislaus B a d e n i in Lemberg abgehaltene Enquete ihre Arbeiten beendet. Damit hat sich der galizische Landesausschuß eines Teiles jener Mission entledigt, die ihm der Landtag am 10. März 1907 über Antrag des Abgeordneten Dr. Löwenstein übertragen hat. Nunmehr erwächst ihm die weitere Pflicht, „im Einvernehmen mit der k. k. Regierung dem Landtage jene Vorschläge zu unterbreiten, welche geeignet wären, die Erwerbsfähigkeit der jüdischen Bevölkerung zu heben und der durch die Not getroffenen Bevölkerung rasche Hilfe zu bringen". Als der galizische Landtag im Jahre 1907 diese Resolution gefaßt hat, da standen allerdings die Reichsratswahlen vor der Tür. Es lag den Polen sehr viel an der Unterstützung der jüdischen Wähler in den Städten gegenüber den Sozialdemokraten und in den ostgalizischen Landgemeinden gegenüber den Ruthenen, wo die für die 25prozentigen polnischen Minoritäten geschaffenen Mandate nur dann für die Polen erreichbar waren, wenn sich ihnen die Juden anschlössen. Diesen taktischen Erwägungen hatte jene Resolution ihre Entstehung zu verdanken. Fast vier Jahre hat der Landesausschuß benötigt, um dem Auftrage des Landtages zu entsprechen. Denn es ist Zeit, an die nächsten Reichsratswahlen zu denken. Ueberblicken wir nunmehr die dreitägige Debatte, an der sich von den eingeladenen 45 Experten kaum die Hälfte beteiligte, so fällt es besonders auf, wie sich *) Diesen Artikel, welcher die große Oeffentlichkeit über die Vorgeschichte und den Verlauf der Enquete informieren soll, hat der Verfasser über Einladung der „W iener Sonn - und lontags-Zeitung" in diesem hervorragenden Blatte am 30. v. M. veröffentlicht. Anro„ d. Red. die jüdischen Experten in den drastischen Schilderungen der trostlosen politischen und wirtschaftlichen Lage der galizischen Juden überboten haben, während sich die polnischen Experten — die zwei eingeladenen ruthenischen Abgeordneten Dr. Korol und Dr. Olesnicki haben an der Debatte gar nicht teilgenommen — bemühten, die Notlage der Juden bloß als ein Symptom der allgemeinen Notlage der galizischen Bevölkerung hinzustellen. Selbst Männer, die sonst im politischen Leben sehr gemäßigt auttreten und Konflikten mit der galizischen Landesregierung behutsam aus dem Wege gehen, wie Abgeordneter Dr. Kolischer, Abgeordneter Dr. von Löwenstein, Handelskammerpräsident D a 11ner, Universitätsprofessor Dr. Rosenblatt und andere, haben nicht umhin können, die ungerechte Behandlung der Juden durch die Landesverwaltung, die parteiische Interpretation der Gesetze, die Zurücksetzung der Juden bei der Besetzung von Staats- und Landesämtern, die einseitige Förderung der auf die wirtschaftliche Vernichtung der Landjuden hinzielenden bäuerlichen Genossenschaften (kolka rolnicze) als die Hauptursachen der jüdischen Proletarisierung hinzustellen. Speziell bei der so aktuellen Schenkerfrage wies Kammerpräsident Dattner nach, daß selbst Schenkern, die eine Konzession erhalten haben, deren Ausübung durch unerschwingliche Gebühren seitens der k. k. Propinationsfondsdirektion, deren Präsident der Statthalter ist, unmöglich gemacht wird. In diesem Rahmen bewegte sich die Enquete. Es wurde endlich öffentlich kundgegeben, was nicht länger verschwiegen werden konnte: Daß nicht bloß die wirtschaftliche und kulturelle Rückständigkeit des Landes, sondern in erster Linie das antisemitische Re-

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