Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 26 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 „Neue National-Zeitung" Seite 9 Berlin. Montag, den 12. Dezember, versammelten sich zirka 400 Personen auf Einladung der Jüdisch -nationalen Frauenvereinigung im großen Saale des Tiergartenhofes. Die Versammlung diente der Propaganda der hebräischen Sprache. Die seit kurzem in Berlin bestehende Organisation für hebräische Sprache und Kultur hat bereits eine große Anzahl von Kursen für die verschiedensten Altersklassen eingerichtet, um in ihnen das Hebräische als lebende Sprache zu betreiben. WElXGEiLEN „Der neue Heiland der Bukowina". Unter diesem Titel veröffentlicht das Wiener zionistische Organ aus der Feder von Beda ein Spottgedicht, welches gegen Professor Dr. Kellner gerichtet ist. Das Blatt gibt damit zu erkennen, daß es in dem bereits persönlich gewordenen verbitterten Kampfe zwischen Doktor Straucher und Professor Kellner auf Seiten des ersteren steht. Das Gedicht, das jedenfalls eine neue Art der Polemik darstellt, hat folgenden Wortlaut: Der neue Heiland der Bukowina. Ich kenne Euch, Ihr edlen Biedermänner, Mit Euerer tiefsonoren Ehrlichkeit, Des Wortes Künstler und der Phrase Kenner, Ihr Wetterhähne auf dem Dach der Zeit! Ich brauch Euch nur von ferne zu besehen Und weiß genau, wie sich die Winde wehen, Und wo der Weizen momentan gedeiht! Ich sehe „ihn", das Auge voller Zähren, Wie er das sündenvolle Wien bekehrt, Wie er die Jugend Palästina ehren Und alles andere verachten lehrt . . . Wie grundsatztief, wie ehern war die Kritik Der bitterbösen Gegenwartspolitik, Die er als Schande und als Schmach erklärt!! Und nun, schau, schau! Humana et Divina Erfaßt der rege Professorengeist, Der nun als Ketter „seiner" Bukowina Die aufgehetzten Städte kühn bereist, Umgeben von verdächtigen Talenten, Von buntgesprengelten, suspekten Elementen, Messias gleich das große Heil verheißt! Preis' weiter Sanatorien von Verwandten, Schlag' weiter für Herrn Bernhard Shaw Reklame, Mach, Ministrellen fein den Ministranten--- Kurzum, schöpf anderswo den Kowet-Rahm! Doch nimmer läßt das Volk von Dir verschänden Den Mann der Tat, den Mann mit reinen Händen, Denn unser Volk kennt Ehrlichkeit und Scham. Bei den letzten Wahlen in Amerika wurden 12 Juden in den Kongreß gewählt. In den Senat wurde kein einziger Jude entsendet. Von den 12 gewählten Juden gehören 10 der demokratischen und 2 der republikanischen Partei an. In Groß-Newyork wurde der bekannte jüdische Politiker Henry M. Goldfogle zum sechstenmale wiedergewählt. Auch der andere New-Yorker Deputierte Jeffersohn M. Levy war bereits einmal Mitglied des Kongresses. Levy gehört einer sehr alten, einflußreichen amerikanischen Familie an. Interessant war der Wahlkampf um den Posten eines Staatssekretärs im Staate New- York. Hier standen einander zwei jüdische Kandidaten gegenüber; der bisherige Staatssekretär Samuel König, ein aus Ungarn stammender Jude, und Eduard Lazaresky, ein aus Rußland stammender Advokat, in Brooklyn. Den Sieg trug Lazaresky davon. Muselmanische Zöglinge an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Paris, Ueber Ersuchen der türkischen Regierung hat die Pariser Alliance sich bereit erklärt, in die von ihr in Paris erhaltene Lehrerbildunganstalt „Ecole Normale" drei muselmanische Zöglinge aufzunehmen. Hierüber erhielt die Alliance vom Chacham-Basehi Nah um aus Konstantinopel nachstehendes Schreiben: Konstantinopel, 4. Dezember 1910. Herr Präsident! In Gemäßheit Ihres letzten Schreibens haben wir im Einverständnis mit Seiner Exzellenz dem Herrn Minister des Innern unter den besten Schülern der staatlichen Mittelschulen diejenigen ausgesucht, die Sie die Güte haben wollen, in die Ecole Normale aufzunehmen. Am letzten Mittwoch war seine Exzellenz der Herr Minister des Innern im Großrabbinat, um mir seinen Dank auszusprechen und mich zu beauftragen, Ihnen den Ausdruck seiner Bewunderung und seiner wohlwollenden Gesinnung für die Alliance zu übermitteln. Die für die Ecole Normale bestimmten Schüler hatten den Minister erwartet. Er hielt eine Ansprache an sie, in der er sie ermahnte, durch vorbildliche Disziplin, Regelmässigkeit und Arbeitsamkeit für die würdige Erreichung ihres Zieles bestrebt zu sein. Auf die jungen Leute hatten die Worte des Ministers tiefen Eindruck gemacht. Sie versicherten, daß sie für die Alliance, die soviel für die intellektuelle und moralische Hebung ihrer Brüder, der ottomanischen Juden, getan hätte, voller Dankbarkeit wären, daß sie nach Kräften trachten wollten, das vom Vaterland und von der Alliance ihnen erzeigte Wohlwollen zu verdienen. Wie ich Ihnen durch mein heutiges Telegramm gemeldet habe, sind die drei jungen Leute mit dem Dampfer „Senegal" der Messageries Maritimes abgereist. Die Aufnahme muselmanischer Zöglinge in die Ecole Normale hat sowohl auf die Mitglieder des Ministeriums als auch auf die hohen Würdenträger großen Eindruck gemacht, der für unsere Gemeinden die besten Folgen haben wird. Ich wäre Ihnen deshalb sehr verbunden, wenn Sie diese Schüler der Leitung der Ecole Normale besonders ans Herz legen wollten. Nach Abschluß ihrer Studien werden sie voraussichtlich die Posten von Unterrichtsinspektoren in den Vilajets bekleiden und dadurch in der Lage sein, Ihrem Schulwerk manchen Dienst zu erweisen. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner Hochachtung und Ergebenheit. Der Großrabbiner der Türkei: H. N a h u m. Der Kongress der Karaiten. Der wiederholt angekündigte Kongreß der Karaiten hat nun in Eupatoria unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefunden. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete die Frage der religiösen Erziehung. Es wurde beschlossen, das Programm zur Erlernung der hebräischen Sprache und der Religionsgesetze zu erweitern. Zu diesem Zwecke soll ein karaitisches Gebetbuch und ein Katechismus in hebräischer und russischer Sprache herausgegeben werden. Der Karäersynagoge in Jerusalem wurde eine Subvention votiert und beschlossen, einen Delegierten nach Jerusalem zu entsenden, der die Frage zu studieren haben wird, auf welche Weise die Karäischen Heiligtümer in Jerusalem erhalten werden könnten. Den wichtigsten Teil der Tagesordnung bildete das Projekt des Wiederaufbaues der uralten Karäerstadt Tschufut-Kale in der Krim und die Errichtung eines historischen Museums daselbst. Die allgemein erwartete Stellungnahme zur Judenheit und zum Judentum ist unterblieben. Die Karaiten sind eben zu vorsichtig, um sich mit den von der russischen Regierung blutig verfolgten Juden solidarisch zu erklären. Dankadresse von Indianern an einen Juden. Londoner Blätter veröffentlichen eine Dankesadresse, welche