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Neue Nationalzeitung · 1910-10-14 · Heft 21 (14.10.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 21 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 21 „Neue National-Zeitung" Seite 11 Einst, Rosch-Haschono war's, ging dieser General an einem jüdischen Bethaus vorüber und vernahm ein Weinen, Jammern und Schreien. Er blieb stehen — einen Augenblickwar's still, dann hörte er : Tkioh, Schworim, Trioh! .... Es wurde Schofar geblasen .... Denkt euch den Schreck der Juden, als sie den grausamen General in ihrer Mitte erblickten. Dieser aber eilte auf die Bundeslade zu, seine Aogen füllten sich mit Tränen, seine Hände zitterten. ,Juden!' rief er mit einer weinenden Stimme, ,eure Schworim zerschlugen mir das Herz, eure Triaus zerrissen den Vorhang, der mir die Vergangenheit verhüllte. Noch als zarten Knaben fing man mich auf, man riß mich von der Mutterbrust, gewaltsam wurde ich zum Soldaten gemacht, gewaltsam getauft.... Der Schofarschall rief in mir bittere und angenehme Erinnerungen wach! Ich hab' lange nicht geweint und nun — wein' ich, ich bin ein Jude!'____* Reb Isroel Polek hielt inne und alle blieben wieder still. Man hörte das wuchtige Sausen des Windes, man hörte ihn an den Laden pochen, an den Dächern reißen, man hörte sein jammervolles Geheul im Sturmwetter. „Ich aber will euch erzählen", begann Reb Schmuel Ize, daß der Posaunenschall nicht nur Lebende, sondern auch Tote erzittern macht. Ich meine natürlich nicht die Stimme des Schofars, die vor dem jüngsten Gerichte alle Toten aufwecken wird. Höret also folgende wahre Geschichte: „In unserem Städtchen Miedzyborz wohnte einst der berühmte Magid (Prediger) Reb Ghaskl Pini. Er war ein armer Schlucker und dabei ein schrecklicher Pechvogel; dafür aber hatte er eine Tochter, eine wahre Königin. Offiziere, Magnaten, kurz, alle Männer waren von dem Anblick der schönen Etele gefesselt; heftiges Verlangen ergriff sie alle beim Anblick der großen, schwarzen, ausdrucksvollen Augen der schönen Jüdin. In der Nähe des Städtchens wohnte in einem Dorfe ein steinreicher Rentier. Er hatte einen Sohn und wünschte sich als Schwiegermutter nur die Tochter eines Talmudisten. Die schöne Etel weinte und sträubte sich entschieden, dem reichen Söhnchen die Hand zum ehelichen Bunde zu reichen. Allein, vergebens. Reb Ghaskl Pini war wie gesagt ein armer Schlucker und der Rentier war steinreich. Kurz, die schöne Etel heiratete den Sohn des Rentiers und starb in neun Monaten bei der Entbindung, bevor noch das Kind zur Welt kam. In später Nachtstunde, damit es die Christen nicht erfahren, brachte man die Verblichene nach Miedzyborz. Nicht nur die Chewra-Kadischa, das ganze Städtchen war wach und geriet in ungewöhnliche Bewegung; Angst und Furcht überfiel alle, Kinder heulten, Weiber weinten und klagten. Ihr wißt ja, daß man bei uns Juden nicht eher die schwangere Mutter bestatten dürfe, bis man sie zur Herausgabe des Kindes zwingt. Man flehte sie um Verzeihung, man las Psalmen, man weinte, die alten Weiber quälten die unglückliche Etel, setzten alle. Mittel in Anwendung — allein, umsonst. Der Rabbiner neigte sich zur Verblichenen und .flüsterte ihr einigemal ins Ohr: „Etel, gib heraus das Kind, wenn da zu den Gräbern Israels gelangen willst!" — Sie gab aber das Kind nicht heraus. Volle zwei Tage und zwei Nächte hatte man sich mit ihr abgemüht, den Weibern versiegten die Tränen, die Psalmenvorlesei waren erschöpft; warme Bäder und Massage haben auch nichts genützt. Die schöne, gute Etel wollte das Kind nicht hergeben. Nun stürzte sich der unglückliche verzweifelte Vater, Reb Chaskl Pini, auf das Lager seiner toten Tochter Etel und rief mit einer wehmutsvollen Stimme: „Mein Kind, verzeih mir! Ich hab dich getötet! Durch mein Verschulden mußt du frühzeitig ans der Welt scheiden! Etel verzeih mir!* Allein, auch das half nicht. Da ließ der Rabbiner den Schofar erschallen. Als man im Städtchen die Stimme vernahm, erhob sich ein Jammern, ein Klagen und Weinen. Das tote Kind wurde bald geboren!" Wieder versanken alle in Schweigen, es wurde wieder still; nur der Wind klagte und jammerte in Tönen, wie der traurige Schofarschall. biste der Ausgetretenen. Vom 28. September bis 10. Oktober 1910. (Nr. 398—421.) Broch geb. Fischer, Irene, Privat, geb. 27. Dezember 1878 Lundenburg, Wien, IV., Große Neugasse 26. Fischer Alexander, geb 15. August 1886, Xagy-Beckerek, Wien, V., Wienstrasse 22. Fischer recte Feldmann, Ingenieur, geb. 3. November 1875, Prag, Mariannengasse 25. Hess geb. Pollak, Irene, Private, geb. 10 Juli 1878, Wien, IX., Porzellangasse 50. Jellenko Friederike, Privat, geb. 1. Jänner 1869, Wien, IX, Khnngasse 10. Klein Hermine, Haushälterin, geb. 18. Juni 1885, Wien, [X., Schubertgasse 18. Lausch Rosalie, Schneiderin, geb. 28. November 1881, Varasdin, AVien, II, Große Schiffgasse 28. Lichtenstern Hugo, geb. 14. Mai 1856, Schönhof, Wien, V., Zentagasse 3. Mik Reifel, geb. V 1875, Zleman, Bukowina, Wien, [X., Seegasse c12. Schaffer Sofie, Private, geb. 20. Dezember 1874, Wien, VIIL, Florianigasse 1. Schmiedl Wolfgang Anton, Einjährig - Freiwilliger, geb. 23. Februar 1891. Wohllebengasse 4. Sporer Moriska, Schülerin, geb 11. Oktober 1889, Beodra, Ungarn, Wien, 1V„ Pressgasse 6. Wellisch geb. Fischer, Laura, geb. 28 Dezember 1874, Lundenburg, Wien, IV., Grosse Neugasse 26, Hillel Manuel Manoch, Privat, geb. 10. Mai 1848, Wien, IX., Währingerstraße 14. Strasser Alois Viktor von Györvar, Hochschüler, geb. 21. August 1889, Wien, 1., Stock-im-Eisenplatz 8. Low Jakob, Studierender, geb. 13. Jänner 1888, Wien, XVIII., Höhnegasse 19. Fischer Alfred, Agent, geb. 26 Juni 1882, Wien, XIV., Märzstraße 41. Hirschler Marianna, geb. 3. Februar 1587, Wien, VIII., Lederergasse 25. Reich Elsa, Tänzerin, geb. 19. April 1886, Wien, XVII., Aiszeile 101. Klang Fritz Dr., Privat, geb. 2L. August 1885, Wien, I., Reischachstraße 3. Schmiedt Julie, Verkäuferin, geb. 9. Februar 1878, Wien, IV., Kolschitzkvgasse 2 Hajek Oskar, geb. 5. April 1884, Wien. Bukowitz Karl, geb. 23. September 1892, Wien. König Mariane, geb. 17. Dezember 1903, Wien. König Elfriede, geb. 27. Jänner 1905, Wien. Büchereinlauf. Richard Charmatz: Adolf F i s c h h o f. Das Lebensbild eines österreichischen Politikers. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger. Stuttgart und Berlin 1910. Dr. M. Rosenmann: J. N. Mannheimer. (Mit drei Bildern und einem Faksimile.) Bei R. Löwit. Wien 1910. Leon Chasanowitsch: „Der K r i s i s von der jüdischen Kolonisation in Argentina" (jiddisch). Verlag des Vereines „Bildung" in Stanislau. 1910. Bericht über die Tätigkeit des Allg. Jüd. Arbeiterbundes in Litauen, Po 1 e n und Rußland („B u n d") an dem Internationalen Sozialistischen Kongreß in Kopenhagen. Im Selbstverlage. Imprimerie Israelite in Genf. 1910. Gern. Loeschke. „Jüdisches und Heidnisches im christlichen K u 11". A. Markus und E. Webers Verlag. Bonn 1910. Der Kalender for Emigranten und Imigrant e n. (1910—1910.) Verlag der jüdischen Buchhandlung „Esra" in St. Petersburg (jiddisch).

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