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Neue Nationalzeitung · 1910-10-14 · Heft 21 (14.10.1910) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 21 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«ONAL-ZEiCÜNG RSRfiUSQSBßR: DrS.R.LflNDflU XII. JAHRGANG. WIEN, 14. OKTOBER 1910. Nr. 21. Der Kampf um das Landtagsmandat Luegers. Die bevorstehenden Landtagswahlen in der Leopoldstadt drohen bereits in einen jüdischen Skandal auszuarten. Die tiefe Zerklüftung, die politische Unreife, die wilde Disziplinlosigkeit und das selbstsüchtige Strebertum treten in den jüdischen Kreisen nackt zutage. Um den mageren Knochen des vielumstrittenen Landtagsmandates wird von jüdischer Seite in der verbissensten Weise gekämpft, indem man sich gegenseitig zerfleischt und dem gemeinsamen Feinde die Beute in die Hände spielt. Als Fahnenträger des Judentums drängen sich Leute auf, die sich nie um das Judentum gekümmert, nie für dasselbe Opfer gebracht, nie für dasselbe sich auch nur irgendwie exponiert haben. Jetzt ist für sie die Zeit gekommen, um mit ihrem Judentum, das sie vorsichtsweise noch nicht weggeworfen haben, ein Geschäft zu machen. Während sie es als Klerikalismus und Reaktion ausgerufen haben, wenn die jüdische Majorität eines anderen Bezirkes in gerechter Selbstachtung um eine jüdische Vertretung gerungen hat, nehmen sie jetzt, da ihre eigenen Persönchen in Betracht kommen, an jüdischen Kandidaturen keinen Anstoß, wiewohl die hinter ihnen stehende schwache jüdische Minorität gerade an der Aufstellung einer freisinnigen christlichen Kandidatur ein vitales Interesse hätte. Diese heillose Verwirrung und der Bruderkampf, die in der Leopoldstädter Judenschaft herrschen, einerseits, und die verhängnisvollen Konsequenzen, die sich daraus für die politische Konsolidierung der Wiener Juden ergeben, anderseits, zwingen uns, dieser Landtagswahl mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als ihr bei ihrer Aussichtslosigkeit, von jüdischer Seite gebührt. Wir haben bereits ziffernmäßig ausgerechnet, daß die Juden, deren Kandidaten bei der vorigen Landtagswahl gemeinsam mit den sonstigen Freisinnigen kaum 17*5 Prozent der Stimmen erhielten und sogar hinter defti'Sozialdemokraten -zurückbtieben,. nur dann die Chance hätten, eine Stichwahl mit den Christlichsozialen herbeizuführen, wenn sie ihre Stimmen auf einen Kandidaten vereinigen, der heben allen jüdischen Stimmen voraussichtlich auch eine namhafte Zahl von bürgerlichen christlichen Stimmen auf sich vereinigen würde. Dieser Kandidat könnte aber nur ein Christ sein. Bei den heutigen politischen Verhältnissen in Wien steht es nun einmal so, daß ein liberaler Christ ohneweiters die jüdischen Stimmen erhalten kann, der Jude dagegen nur sehr wenig christliche Stimmen. Wem daher in der Leopoldstadt darum zu tun ist, den Christlichsozialen das Lueger-Mandat zu entreißen, der muß als Jude für die Aufstellung eines christlichen Freisinnigen eintreten. Diese Ansicht ist so allgemein herrschend, daß sie alle politisch reifen, jüdischen Wähler, von den äußersten deutschliberalen Assimilanten bis zu den radikalsten Zionisten, teile.n und aussprechen. Nur das Häuflein um Dr. 0 f n e r herum ist anderer Ansicht. Ihnen handelt es sich nicht darum, im Wahlkampf zu siegen; sie wollen in erster Linie für ihren Partei-Dauphin Dr. Schwarz-Hiller Reklame machen und ihm jede Geschäftskonkurrenz vom Halse schaffen. Und wenn auch dadurch den Antisemiten der Sieg erleichtert wird. Herr Dr. Ofner ist zu klug, um selbst zu kandidieren, er weiß ja, daß er durchfallen müßte. Aber wenn ein christlicher Freisinniger jetzt kandidieren und siegen würde, dann wäre dadurch einmal die Nachfolgerschaft des Dr. Schwarz-Hiller für den Reichsrat gefährdet. Und das muß verhütet werden. Der Starrsinn, mit dem ein Dr. Schwarz-Hiller sich an diese Landtagskandidatur klammert/ zeigt die ganze Lächerlichkeit dieses politischen Strebers. Ich gehe über die Jugend, die ihm von seinen Gegnern zum Vorwurf gemacht wird, hinweg. Auf das Alter kommt es im politischen Leben nicht an, sondern auf das

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