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Neue Nationalzeitung · 1910-09-16 · Heft 19 (16.9.1910) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 19 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „Neue National-Zeitung" Nr. 19 ein, so daß Aron täglich einige Stunden im epheuumrankten Häuschen zubrachte, andächtig den Worten des Greises lauschend. Er erteilte ihm keinen regelrechten Unterricht, es waren dies mehr freie, ungezwungene Vorträge und Debatten, von welchen der Jüngling viel profitierte. Es war bereits der zweite Sommer, daß er zu Füßen des improvisierten Lehrers saß, und Aron hegte beinahe eine kindliche Anhänglichkeit tür Reb Selig, zu welcher sich noch die dem greisen Gelehrten schuldige Ehrfurcht gesellte. Im ersten Sommer erschien ihm die Enkelin seines Mentors als ein Kind, was sie übrigens auch noch war; als er sie aber jetzt nach der langen Trennung wieder erblickte, kam sie ihm wie umgewandelt vor. Er war in ihrer Gegenwart befangen, wagte nicht mehr, sie so familiär zu behandeln und da sein Inneres unverdorben und urwüchsig war, konnte er sich des unbewußt auf ihn einstürmenden Eindruckes nicht erwehren. Sie, die holde Jungfrau flößte ihm beinahe eine Scheu ein und er wagte nicht, zu ihr emporzuschauen, da er in seiner Naivetät die in seinem Herzen erwachenden Gefühle nicht begriff. Leah mochte wohl auch keine richtige Vorstellung haben, was für ein Prozeß sich im Innern Arons, der übrigens der einzige junge Mann war, mit dem sie verkehrte, vollzieht, aber als Evastochter durfte ihr wohl zuweilen ein wenn auch noch so unbestimmtes Licht aufdämmern; sie sah sein tägliches Kommen nicht ungern und in ihrem Herzen begann sich etwas zu regen. Die jungen Leute erröteten, wenn sie sich erblickten, schlugen die Augen nieder und obwohl sie sich zu einander hingezogen fühlten, wichen sie einander aus. Sie waren eben urwüchsige Naturkinder und ihre undefinierbaren Empfindungen flößten ihnen beinahe Schrecken ein. Ob Reb Selig dafür kein Auge hatte — oder sollte er gar gewisse Absichten mit Aron haben? Aus seinem Benehmen konnte man weder das erstere, noch das letztere schließen. Der Greis behandelte Aron wohlwollend wie einen talentierten jungen Menschen, schien an der Unterhaltung des aufgeweckten Jünglings Gefallen zu finden und Aron bemühte sich, die Zuneigung seines Gönners zu erhalten. Jetzt erhob sich Reb Selig von der Bank und begab sich ins Zimmer von seiner Enkelin begleitet. Leah stimmte wie allabendlich ihre Harfe an und begleitete ihr Spiel mit einem Liede von schwermütiger Melodie. Ihre sonst glockenreine, jetzt aber wie umschleierte Stimme vibrierte durchs offene Fenster in der Abendluft, pflanzte sich wellenförmig auf den Schwingen des Lufthauches fort und das Säuseln der Bäume schien dem schwermütigen Gesang zu akkompagnieren. Ihr Haar hatte sich ganz aufgelöst, sich um ihren Oberkörper drapierend, die Augen hatten einen feuchten Glanz und das von den milden Mondesstrahlen umflossene, vor innerer Empfindung blasse Gesicht verriet, daß ein heftiges Gefühl in ihrem Busen tobe. Jetzt, in diesem Momente war sie kein Kind, sondern ein entwickeltes Mädchen, bei welchem die Stimme der Natur zu erwachen beginnt, und ihre auf das sternbesäte Himmelsgewölbe gehefteten Augen schienen da oben ein Ideal zu suchen. Sie drückte ihre Hand auf die ungestüm wogende Brust, ihr Gesang ging in ein Flüstern über: draußen ertönte ein „Ach" wie ein Echo aus Waidestiele und eine Gestalt huschte im Schatten der Bäume vorüber--- * * * Der junge, lachende Morgen prangte in der üppigen Pracht einer liebestrahlenden Jungfrau und hie und da zitterten auf den sich erschließenden Knospen vereinzelte Tautropfen, wie Diamanten glitzernd. Auf der Chaussee rollten die Wagen nach der nahen Stadt, die Sonnenstrahlen verscheuchten vollends die Morgennebel und im Walde war es bereits lebendig. Die befiederten Luftbewohner hüpften, mit ihren Flügeln schlagend, von Ast zu Ast, sich im Aether badend und ihr Gezwitscher erfüllte die Luft. Hier in den schattigen Hallen herrschte ein Halbdunkel, das üppige Moos lud zum Ausruhen ein und durch das Gezweig der hohen Bäume drangen nur vereinzelte Lichtstreifen. Den Nadelbäumen entströmte ein frischer Harzgeruch, die Luft war kühl und würzig und nur gedämpft gelangte aus der Ebene das erwachende Geräusch des Tagewerkes in diese bewaldeten, feierlichen Regionen, sich mit dem geheimnisvollen Säuseln des Laubes vermengend. (Schluß folgt.) bisfe der Ausgetretenen. Vom 31. August bis 13. September 1910. (Nr. 346—365.) Bach Paula, geb. 27. März 1887, Wien, XX. Kar] Meißlstr. 12. Endre Eugen, Goldarbeiterlehrling, geb. 22 August 1892. Feldmann Heinrich, Bankvertreter, geb. 25. März 1885, Wien, wohnhaft Graz. Gruber Josef, Student, geb. 1. März 1892, Wien, VII. Neubaugasse 26. Hajek Arnold, Buchhalter, geb. 27. Mai 1877, Wien, VII. Kaiserstraße 93 Hammerschlag Karl, Privat, geb. 22. September 1834, Wien, II. Große Stadtgutgasse 29. Hoffmann Heinrich Dr., geb. 17. November 1884, Wien, III. Hörnesgasse 20. Krauss Ernst, Kaufmann, geb. 7. Februar 1887, Eger, II. Czerningasse 15. PradiCz Obrudevic Rosa geb. Kolin, Private, geb. 11. August 1865, Brünn, VIII. Kochgasse 6. Rössler Richard, Dr. pWI., Lehramtskandidat, geb. 14. November 1884, Wien, wohnhaft Graz. Sam Nuchim, Talmudist, II. Floßgasse 9. Sc'.iaffer Alfred, Jurist, geb. 9. September 1887, Dorna (Bukowina), wohnhaft Linz. Weiss Richard, Privatbeamter, geb. 11. März 1882, XVII., Zwerngasse 21. Wenger Kathi, geb. 16. Oktober 1880, Wien, XX., Wallensteinstraße 26. Donath Karl, Ingenieur, geb. 24. Juni 1880 in Troppau, IV., Favoritenstraße 11. Schwarz Ludwig, geb. 7. Februar 1871, Wien, XV., Mariahilferstraße 152. Skutetzky Emma, Private, geb. 29. Juni 1887 in Ingrowitz, III. , Hainburgerstraße 60. Eisner ßabette, Kontoristin, geb. 14. Dezember 1883 in Wadowice, IX-, Lazaretbgasse 18. Guttmann Rudolf, Wäschewarenerzeuger, geb. 30. Oktober 1874 in Szenicz, VI., Kästlergasse 4. Hochfeines natürliches Tafelwasser Klösterle _ Natürlicher Sauerbrunn Lirhion-Ouelle. von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberall zu haben. Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4.

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