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Neue Nationalzeitung · 1910-07-22 · Heft 15 (22.7.1910) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 15 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „Neue National-Zeitung* Nr. 15 dem Bett, daß die Schläfenlöckchen vor Schreck hüpfen. „In deine Stube, haha!" Jossei dringt auf ihn ein und schlägt ihm die Fäuste ins Gesicht, bis der Mann blutüberströmt zu Boden fällt. „Mörder!" schreit die Alte und hält dem Fuhrmann die Hände fest. „Mörder du!" Doch Jossei achtet ihrer nicht und nicht der wimmernden Kinder und der zerrenden Fessel an seiner Hand. Mit sehnigen Füßen wie festgegossen steht er da. Und sich über den heulend am Boden kauernden Mann beugend, ruft er: „Was liegst du so still da? Das Schaf lein ist gebunden. Geh und schlachte es. Ja, warte nur. Du wirst noch früher geschlachtet werden." Und Jossei greift hastig in seine Taschen. In seinen Augen flimmert ein wildes Lachen und bittrer Zorn. Ich begreife schnell, was in seinem Hirn tobt: Er sucht sein Messer. Und ich springe auf ihn zu: „Was machen Sie?" „Ich muß ihn totschlagen!" schreit Jossei und seine Augen blitzen wie die eines blutdürstigen Tieres. „Warum, um Gotteswillen! Einen Menschen ermorden?!" Und ich packe ihn fest an der Hand. „Das soll ein Mensch sein?!" lacht Jossei höhnisch. „Das ist ein Lappen, den man in der Hand zerknäult, ein Blättchen, das jeder Windhauch fortbläst!" „Aber was haben Sie nur vor?" „Sehen Sie die da an!" Und er zeigt auf das junge Weib im Bett. „Nun ja! .... Die Mutter!" „Aber dieser Mensch lag doch geradeüber in seinem Bett und hats ruhig mitangesehen. Seine stillen Augen haben noch zugeredet, diese Augen!" „Das geht aber doch nur ihn an! Sie ist sein Weib!" Da wurde Jossei still. „Sein Weib, sein Weib," seufzt er und seine Geste sagt: Vorbei! „Lassen Sie mich los. Ich bin ganz ruhig. Da sie sein Weib ist, geh ich zu meinem Pferd." Und Jossei geht aus dem Zimmer. Ich helfe der Alten noch den jungen Mann ins Bett heben. Und da das Kissen sich blutig färbt, legt die Alte ihm eine Schürze unter den Kopf und scheltend und fluchend wäscht sie ihm das blutige Gerinsel von dem leichenblassen Gesicht. Zwei feuchte Augen blicken erbarmungsvoll müde zur Decke empor..... Ich lege ein paar Kupfermünzen auf den Tisch. Noch einen hastigen Blick auf das junge Weib im Bett, und ich gehe auf die Straße. Jossei steht draußen, den Kopf gesenkt. Er pfeift wieder sein Liedchen, so süß und in herziger Trauer, als weinte eine Seele darinnen. Aber oft lösen sich kräftigere, bittere Töne von den Lippen, und die Töne jagen einander wie die Wellen im Bach, wenn ein Gewitter sie aufpeitscht. Und da war keine weinende Seele darein: die Geister der Rache und des Hasses und der Genugtuung tanzten darin im Flammenwirbel. Das Pferd — den Kopf in den Hafersack vergraben — lauscht des Fuhrmanns Pfeifen, und seine Ohren zittern hin und her. Vom Nacken zur Stirn! Ich stelle mich an den Wagen und starre Jossei an, der mich (scheints) gar nicht bemerkt, und immer weiter pfeift und unruhig über den knisternden Sand auf und abgeht und über die kleinen Steine, die im Lichte des Mondes glitzern. Da bleibt Jossei stehen. Das Lied verstummt. Er sieht mich mit einem bangen, forschenden Blick an, als wollte er sagen: Wie gefällt dir die Geschichte?! Ich bleibe still und mag ihn nicht stören in seinem Sinnen. Der Mann redet wenig. Aber sein Sinnen ist kraftvoll (denk ich) und schweift suchend in die Runde und ist scharf, daß es wie ein stählern Messer das Herz zerschneidet; und doch wieder von der Weichheit einer zärtlich gestreichelten Mädchenhand. Ohne ein Wort zu sagen, geht er zu seinem Pferde, gibt ihm ein paar kosende Schläge auf den Rücken, streichelt ihm den Nacken und schüttelt den Hafersack. Das Pferd hebt den Kopf und beugt ihn wieder, spitzt die Ohren — und frißt ruhig weiter. — „Friß nur, Baschke!" Und Jossei kitzelt seinem Gaul den Bauch. Dann kommt der Fuhrmann auf mich zu. Er sucht etwas im raschelnden Stroh des Wagens. Er holt die Peitsche vor. Andächtig prüft er den Riemen und den Knoten und fuchtelt durch die stille Luft. Er stellt den Peitschenstiel auf den Boden und kritzelt wirre Runen in den Sand, und der Riemen schaukelt hin und her ... Schweigend blickt er auf die Zeichen im Sande. Und ich fühle, wie das Schweigen seine Seele einpreßt; ich muß ihn etwas fragen. Wie immer. Doch ich finde den Anfang nicht. Da fragt er plötzlich, und seine Augen suchen den Boden, als schämte er sich seinen Sprechens: „Wie gefällt Ihnen die heutige Nacht?" „Sehr schön! Der Mond scheint so lieblich." Ich lenke seinen Blick auf den Himmel und suche in seinem Gesicht die Wirkung, die meine Worte wohl machten. „So? Wirklich? . . . Gottes Wunder!" spöttelt er und dreht sich mit höhnischem Achselzucken um. „Bleiben Sie nur! Wie meinen' Sie das?" Ich suche ihn festzuhalten. „Jedenfalls nicht das, wovon Sie mir sprechen." Und er blickt mich fest an: „Sie tragen städtische Kleidung und sind wohl ein gebildeter Mensch und warfen mir vorhin eine Antwort an den Kopf, die wie die Faust aufs Auge paßt." (Fortsetzungfolgt.) Hochfeines natiurliclses Tafelwasser Klösterle * NatüriiGiier: Sauerbrunn Lifhjortr Quelle von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberall zu haben. Niederlage : Wien, I. Sonnenfelsgasse 4. RMERIKnNISGHEI BUCHHRLTUNG5uhdBUREHU- RNLHGEN UUIEN'I UJIESINGERlBIBERST^ visävis POSTSPRRKRSSR. Jlftf/lf'B. &

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