Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 14 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 14 anderen unserer verpönten Judennamen trägt? Gott behüte! Ich möchte die indignierten Blicke gewisser jüdischer Mütter und Väter sehen, die wie mit Dolchstichen mich durchbohren möchten, wenn ich sie belehre: „Isaak, Jakob, Aron, Mirjam, Rutli, Kachel sind schöne jüdische Namen, die ich Ihnen aufs Herzlichste empfehlen möchte." „Was, solchen Anachronismus muten Sie mir zu?!", wäre die empörte Antwort. „Nein, nein, mein Sohn muß Kurt, Heinz, W i 11 y, Norbert, Rolf, H e 11 m u t und unser reizendes Töchterchen muß Liselotte, Margot, Herta, Lola oder (nach einer bekannten Heiligen der katholischen Kirche) Hildegard heißen." Daß die alttestamentarischen Männern und Mädchennamen bei den Engländern und Amerikanern bis in die höchsten Kreise hinauf gang und gäbe sind, verschlägt nichts. Ja, wenn erst einmal ein paar deutsche Prinzen etwa Gideon, David, Josua heißen und ein Prinzeßchen vielleicht auf den Namen Sarah, Lea, Rachel u. s. w. getauft wären, dann gäbe es keine Liselotten, Margots etc. mehr, sondern nur alttestamentarische Namen. Und avozu diese lächerliche Maskerade? Warum dieser Mangel an Rückgrat und berechtigtem Selbstbewußtsein? Wenn es wirklich kein spezifisch jüdischer Name sein soll, warum müssen es gerade die ausgesuchtesten und meist nur beim Adel gebräuchlichen sein? Glauben denn die lieben Eltern, daß die Benamsung zur Kariere beiträgt oder schneller zu dem so heiß ersehnten Reserveoffiziers-Patent verhilft? In welchem Maße diese Juden sich zum Gespött unserer christlichen Mitbürger machen, möge durch folgenden, wohlverbürgten Vorfall illustriert werden: In einem Berliner Standesamt melden zwei jüdische Väter gleichzeitig die Geburt eines Mädchens und eines Knaben an. Letzterer soll den Namen Dagobert erhalten, das Mädchen Anneliese Margot heißen. Bei der Aufnahme der Personalien kommt der Beamte den Herren Vätern bei dem Punkt Konfession mit der Bemerkung zuvor: „mosaisch". Die beiden Väter sehen sich erstaunt an, denn ihre äußere Erscheinung und ihr Name lassen ihre Zugehörigkeit zum Judentum kaum ahnen. Der Beamte, der dieses Erstaunen wahrnimmt, sagt mit einem freundlichen Lächeln: „Wenn mir diese seltsamen Namen genannt werden, dann weiß ich schon, daß die Eltern Israeliten sin d." Tableau! Wir werden hald soweit kommen, daß der Name, der den Träger als Juden kaschieren soll, ihn in Zukunft erst recht zum Juden stempeln wird." bisfe der Ausgetretenen. Vom 23. Juni bis 5. Juli 1910. (Nr. 235—265.) Mathias Adolf, Dr., Hof- und G e r i c h t s a d v o k a t, geb. 8. Juni 1867, Köln am Rhein, IX. Wasagesse 11. Neumann Ignaz, Dr., Hof- und G e r i c h t s a d v o k a t, geb. 16. September 1856, Wien, I. Helferstorfersraße 2. Bernstein Irene, Private, geb. 8 Oktober 1886, Wien, I. Singerstraße 8. Bernstein Therese, Private, geb. 28. Juli 1862, Wien, I. Singerstraße 8 Bucho Wichard, Zahntechnikergehilfe, geb. 15. Dezember 1886, Wien, XII. Arndtstrasse 82. Fried Otto, technischer Betriebsleiter, geb. 10. Oktober 1888, Wien, I. Graben 27. Fuchs Ernestine, Bankbeamtin, geb. 9. Juli 1887, Marbach an an der Donau, Niederösterreich, I. Wipplingerstraße 31. Fuchs Agnes, Privatlebrerin, gab. 3. Februar 1884, Wien, 1. Wipplingerstraße 31. Herzka ürettr, Private, geb. 15. Juni 1887, III. Kegelgasse 20. Inwald Julie Friedericke Edle v. Waldau, geb. 23. Juli 1881, IV. Technikerstraße 5. Löwy Friederike, Erzieherin, geb. 5. August 1885, Wrien, VII. Neulerchenfelderstraße 11. Mandl Alexander, Dr., geb. 7. Juni 1861, Jassy, II. Aspernbrückengasse 1. Markovics Flora v. Czernek geb. Kohr, Ministerialbeamtens- Gattin, geb. 31. Juli 1885, Preßburg, IX. Stroheckgasse 4. Mühlhofer Irma, Schneiderin, geb. 6. Dezember 1883, Arad, XX. Treustraße 30. Muller Hugo, Schauspieler, geb. 3. April 1886, Wien, Alserstraße 42. Radschitzky Viktor Heinrich, Handelsangestellter, geb. 31. Mai 1882, Wien, II. Haidgasse 11. Reiner Wilhelm, Speditionsarbeiter, geb. 3. Oktober 1875, Csoka, Ungarn, iX. Berggasse 37. Redlich Irene geb. rlelltnann, Iudustriellens-Gattin, IX. Grünetorgasse 1. Stiassny Felix, geb. 23. September 1892, Wien, XVI. Schellhammergrsse 24. Thür Siegfried, Dr., Eisenbahnkonzipist, geb. 20. Juli 1878r Wier, IX. Glasergasse 17. Weissenstein Otto, Beamter, geb. 6. Oktober 1883, Prag, III-, Kleistgasse 5. Zöhlnig Hermine geb. Klein, geb. 20. April 1880, Wien, V, Zeinlhofergasse 6. Fried Magaretha, Private, geb. 22. Oktober 1890, Wien, I, Graben 27. Fried Alice, Private, geb. 22. Juni 1888 in Vöslau, I. Graben 27. Weiner Ida, Beamtin, geb. 20. April 1864 in Pirnitz, V. Schönbrunnerstrasse 110. Kiss Stefan, geb. 22. September 1891 in Szegedin, VI. Webgasse 11. Zentner Karl, Maschinen-Ingenieur, geb. 20. September 1884,. VII. Stuckgasse 13. Bauer Ottilie geb Heinisch, Private, geb. 5. Februar 1885 in Bergstadt, VIII. Josefstädterstraße 85. Schäfer Wilhelmine, Klavierlehrerm, geb. 31. Jänner 1888,. VI. Ranitzgasse 12. Wahringer Alfred, Preßvergoldergehilfe, geb. 10. August 1891 XII. Fockygasse 36. Notizen. „Atlas", Lebens-, Militärdienst- und Renten-Versicherungs- Aktien-Gesellschaft, W7ien, L, Franz-Josefs-Kai 1 (Atlashof i. In der am 3. Juni a. c. abgehaltenen X ordentlichen Generalvorsammlung wurde der Jahresbericht pro 1909 vorgelegt. Aus demselben geht hervor, daß 5840 Anträge über eine- Versicherungssumme von 16,876.050 K eingereicht wurden und 5239 Polizzen über 13,847.556 K Versicherungssumme zur Ausstellung gelangten. Der Versicherungsbestand am 31. Dezember 1909 umfaßte 16.252 Polizzen über 37,467.665 K Versicherungssumme; außerdem waren noch 19 340K Leibrente und 24.637 K Invaliditätsrenten mitversichert. Die Prämieneingänge stellten sich auf K 1,712.962-31 und sind gegen das Vorjahr um K 149 665 76 gestiegen. Die Prämienreserve und die Prämienüberträge belaufen sich auf K .6,383.733*94 und weisen gegen das Vorjahr eine Erhöhung um 1,053.030 auf. Von dem nach vorschriftsmäßiger Dotierung des Dividendenfonds der Versicherten im Betrage von K 31.281*33 vorhandenen Betriebsüberschuß per K 9.343 94 wurden weitere 80( 0 K dem Dividendenfonds der Versicherten überwiesen, der Rest von K 1.343*94 auf neue Rechnung vorgetragen. Die in den Verwaltungsrat kooptierten Herren, Reichsrats- und Landtagsabgeordneter Dr. Roger Freiherr v. Battaglia und k. u. k. Kämmerer und Feldmarschallleutnant Gustav Freiherr v. Goumoens, wurden in ihrer Funktion bestätigt und die turnusgemäß ausgeschiedenen Verwaltungsratsmitglieder, die Herren Generalkonsul Alfons Bruckmann, Hof- und Gerichts- Advokat Dr. Fritz Haas und Direktor Dr. Reinhold Schultz, wiedergewählt. Der Temppl in Brüssel. Auf der Weltausstellung Brüssel befinden sich sowohl in der künstlerischen Abteilung des Buchgewerbevereins im Deutschen Haus, wie auch in der Abteilung der Buchgewerbekünstler die Deutschen Dichterausgaben des Tempelverlags. Sie finden daselbst unausgesetzt hohe Anerkennung imd Aufmerksamkeit und die über die Vidrinen gebeugten Besucher widmen ihnen nur bewundernde Worte. Daß der Ausbau der Tempelklassiker in ununterbrochener Weise stattfindet, davon überzeugen uns die eben erschienenen Fortsetzungen. In der Goethe - Ausgabe sind in 3 neuen Bänden herausgekommen die Abteilungen: „Sturm und Drang", die „Jugenddramen", die „klassischen Dramen", „Die Leiden des jungen Werthers" und „Wilhelm Meisters Lebens jähre *. Von der Heine-Ausgabe ist der Band mit . Shakespeares Mädchen und Frauen, Pantomimen und Memoiren* neu herausgekommen. Die Kleist-Ausgabe liegt mit dem 5. Band „Heinrich v. Kleists Leben, Werke und Briefe" von Dr. Arthur Eloesser vollständig vor uns. Dieser Band enthält in biographischer Folge unter Einflechtung der wichtigsten Briefe Kleists alle Erklärungen und Erläuterungen zu seinen AVerken. Dem bekannten Herausgeber ist es auf eine hervorragende Weise gelungen, alles philologische und kritischein die monographische Folge einzuschmelzen. Dieser Abschluß der Tempel-i\leist-Ausgabe findet fast gleichzeitig mit der Enthüllung des Kleist-Denkmals in Frankfurt a, 0. statt, auch die Kleist - Ausgabe des Tempelverlags ist. ein künstlerisches- Gedächtnismal für den großen Dichter. Der im Verhältnis zur künstlerischen Qualität der Ausgaben billige Preis (in Leinen M 3.—, in Halbleder M 3.75 der Band) dürfte dem Tempel Jeden zum. Freunde machen, dem es Ernst um die moderne Kultur ist.