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Neue Nationalzeitung · 1910-04-29 · Heft 9 (29.4.1910) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 9 (29.4.1910)
Date
1910-04-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seife 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 9 Alliarice ist in empfindlicher Verlegenheit und diese Verlegenheit kömmt in einer Sitzung des Zentralkomitees zum beredten Ausdruck. Es wird lebhaft, sogar hitzig debattiert. Schon wird auf einer Seite das verhängnisvolle Wort: Auflassen! vernehmbar. Da erhebt sich Goldschmidt und mit einer einzigen Handbewegung — nach der Richtung der Tasche — sind die hochgeh'enden Wogen beschwichtigt, ist die Debatte abgeschnitten. „Das Defizit; meine Herren," sagt er, „ist gedeckt, dieser Punkt der Tagesordnung somit erledigt*. Dr. M. F. (Schluß folgt.) POLITISCHE RUNbSCtl/lU. zur Gründung eines älljjolhischen (antisemitischen) Tägblattes in Krakau die Röde war. Der Unterschied ist kaum wesentlich; Bernhard Wetzler ein unbekannter Name. ist nicht mir für den mähHschen oder galizischen Ghetto-Jaden, sondern selbst für das politisch geschulte Mitglied der Wiener Kultiisgemeinde Mäh muß also den „Lehmann" zur Hand nehmen. Hier findet man, daß Bernhard Wetzler Konservenfährikant und Armee-Lieferant ist. In dieser Eigenschaft hat er enge Beziehungen zum Kriiegs-Mihisterium und einige Millionen erworben. Das geneigte der Regierung, um Herrn Wetzler die durch den Tod des Kultuspräsidenten Julius von Gomperz freigewordene Stelle im Herrenhause zu übertragen. Daß Herrn Wetzler, dessen eine Tochter getauft ist, gar nichts mit dem Judentum verbindet, weder religiöses Interesse noch WoMtatigfceitssinn noch politische Solidarität, das ist der RGfeierung gleichgiltig. Herr Wetzler ist noch nicht getauft und wenn er sich auch nach seinem Tode auf dem katholischen Friedhöf nach dem Vo&ifde Oppenheimers begraben lassen kann, so ist er trotzdem als Jude" geeignet fürs Herrenhaus. Die Regierung verlängt von uns gewiß noch Dankbarkeit, wenn sie uns Herrn Wetzler aufdrängt und dadurch den Besitzstand ■— „wahrt*. Vorläufig ist alles komplett: 6 Juden. Die galizischen Juden, 65°/0 der österreichischen Judenschaft, sind im Herrenhause gar nicht vertreten. Äfcg. Breiter gegen Herrn Wetzler. Die Ernennung des Herrn Bernhard Wetzler hat in Parlamente auf Opposition gestoßen. Aber nicht beim Jödischen Eiüb^ Sin kümraern solche Kleinigkeiten "nicht Seitdem er Vom Baron Bfenertfh im flMimste,rzimm'er4' empfangen wurde und neuerlich eine hübsche Dosis Von -— Versprechungen erhalten hat, kann er sich ja wieder für ®ne Zeit Sern doice far riiehte hingehen. Es wair also Herr fii-eiteT, der eine recht nette Geschichte von der Beratung dieses merkwürdigen „jüdischen" Päirs erzählte. Nach der Darstellung des frerrh Breiter hat „Lord" Wetzler nachstelferide Bedingungen erfüllen m'üsseh: Eine Verwalttmgsrätsstelle in der Schödnica für den Vizepräsidenten!des Ahgeorifeetehbauses Dr. Ritter v. St ärz yn s ki, die Pachtung der dem Militärltrar gehörenden JEis- Und Konservenfabrik in Krakau für Di*. Glombihski, beziehungs weise 'ehi vö'h ihm namhaft zu machendes Konsortium, Schließlich wurde von Wetzler ein Betrag von 200.000 K für das -„Slo w o Pölskie" zur Verfügung gestellt. Efte letzte BeschMdiguhg wäre geeignet, den Charakter des Herrn Wetzter im allerträtftfgsfen Lichte 'erseheirfen z*u Jössen. „Slowo Pölskie" ist das ausgeprägteste antisemitische Hetzblatt m Galizreh und hat den Juden wiederholt mit Pögrontfs gedroht. Diesem Blatte scKeufit der Jude Wetzler 2ÖO;Ö00 K um die fßr einen Jrideh BestimMe Steife Sn BeVrenhäuse zu erhalten. . . . ^zwisöKeh -hat die Reichsräts-Korresporidenz den Wortlaut der Rede Br'eitÖs därnn herichtigt, daß darin Von eiüer 2OO.Ö0O K Züw'endung Die Hausjuden der Regierung. Der Jüdische Klub hätte in letzter Zeit viel zu tun. Er „konferierte". Wie wir in einigen Blättern lesen konnten, hat der Jüdische Klub am 15. d. M. durch drei Viertelstunden mit dem Ministerpräsidenten konferiert. Das Datum ist nicht ohne Wichtigkeit. Es war nämlich die Anleihe vor der Tür und treu den Traditionen des Baron Beck pflegt auch Baron B i e n e r t h in den kritischen Zeiten, wenn das Schicksal seines Kabinetts von einigen Stimmen abhängt, mit den vier Herren zu „konferieren". Das Resultat dieser Konferenz war, daß die Mitglieder des Klubs teils für die Anleihe stimmten, teils sich absentierten und daß der Staatsmann Dr. Gabel Herrn Baron Bieherth in einem Blatte sogar recht gibt, wenn er derzeit für den jüdischen Kultus nichts tut. Es scheint also, daß die Herren vom Jüdischen Klub den Hausjuden des Polenklubs energisch Konkurrenz machen wollen; sie werden nämlich selbst — Häusjudeh der Regierung. Dr. Ofner denunziert. Beim Bankelt der Oesterreichisch- Israelitischen „Union", die sich vor 2ö Jahren zur Aufgabe gemacht hat, den Sinn für die jüdische Wissenschaft und die Angelegenheiten des Judentums zu heben, in Wirklichkeit aber zumeist Wahlagitation im Interesse deutschtümelnder Politiker getrieben hat, durfte auch ihr Schoßkind Dr., 0 f n e r nicht fehlen. Was sich aber diesmal dieser „deutsche" Mann geleistet hat, übersteigt schon alle Grenzen des politischen Anstandes. Der Mann, der nur der politischen Unreife und Verwirrung eines Teiles der jüdischen Wähler sein Mandat zu verdanken hat, nahm sich heraus, in Uebereinstimmung mit seiner bei der Festversammlung gehaltenen Rede den Juden vorzuwerfen, daß sie Sonderrechte anstreben. Motiviert hat Dr. Ofner diese Insinuation keineswegs; es würde ihm dies auch sehr schwer fallen. Aber es ist charakteristisch, daß, während die Juden schwer zu kämpfen haben, um bloß die Gleichberechtigung zu erlangen, der Abgeordnete der Leopoldstadt es wagt, ihnen in den Rücken zu fallen und ihnen in antisemitischem Jargon vor der Öeffentlichkeit den Vorwurf zuzuschleudern, daß sie Sonderrechte anstreben. Mit dieser Bankettrede hat die „Union" ihren 25jährigen Abschnitt würdig abgeschlossen. Die Judenvertreibung aus Kiew führt uns 'die trostlose Lage der russischen Juden drastisch vor Augen. Unmittelbar vor den Ostern mußten hantierte Familien mit ihren Kindern, Greisen und Kranken die Stätte langjährige^ Tätigkeit, viele aüch ihrer Geburt Verlassen, um sich in der Fremde eine neue Existenz mit den Resten ihrer Habe zu begründen. Und es gibt keine Mächt in der Welt, 'die sie schützen oder die ihnen helfen konnte. Selbst die große zionistische Belegung steht dieser neuesten Auflage der mittelalterlichen Judenverfolgungen rät- und hilflos gegenüber; sie hat 'für die unglücklichen Flüchtlinge nicht einmal ein Wort des Trostes. Vöu dieser Seite häflt es den Opfern der "russischen Barbarei entgegen : WaTte n! . . . . Wo? Wie lange? Die ifädenverfreibängen in Rtißland vor 30 Jahren haben dös Fundament zum Zionismus gelegt. Was hat bisher det Ziöms'nitfs den Russischen Juden geholfön? ist denn das jüdische Volk wegen des Zionismus da oder umgekehrt?

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