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Neue Nationalzeitung · 1910-04-29 · Heft 9 (29.4.1910) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 9 (29.4.1910)
Date
1910-04-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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N2Ü5 MClOML-CElCÜNG XII. JAHRGANG. WIEN, 29. APRIL 1910. Nr. 9. Die Alliance Israelite Universelle, Zu ihrem fünfzigjährigen Jubiläum. Fünfzig Jahre sind es her, daß in Paris sechs junge, für ihr Judentum begeisterte, äußerst rührige Männer zusammentraten, um die Gründung eines jüdischen Volksvereines anzuregen, dessen Aufgabe sein sollte, den in schmachvoller Unterdrückung und in den Banden der Finsternis noch gefesselt lebenden Juden des Ostens die Wohltaten der Kultur zu erschließen, sie für die Emanzipation zu erziehen und ihnen Schutz zu bieten, wo sie ihres Glaubens wegen zu leiden hatten. Obgleich diese Männer außerhalb ihrer engeren Heimat noch wenig bekannt waren, gaben sie dennoch mit der von ihnen hervorgerufenen Bewegung einen mächtigen Impuls, der bis in die äußersten Grenzen der zivilisierten Welt seine Wirkung übte. Die Namen dieser Männer, von denen bloß einer, Narcisse Leven, der gegenwärtige Präsident der Alliance Isr. Univ. und der IGA. noch am Leben, dürfen bei dieser Gelegenheit nicht verschwiegen werden. Es sind dies: Charles Netter, dessen Name mit der Gründung der Ackerbauschule zu Jaffa und seiner Hilfeleistung in Brody gelegentlich der russischen Judenaustreibung im Jahre 1881 unzertrennlich verbunden; Rabbiner Elie - Astride A s t r u c; Isidore Gabe n, Direktor der Archives Israelites; Jules Garv a 11 o, Ingenieur; Eugene Manuel, Generalinspektor beim Unterrichtswesen und der bereits genannte Advokat N. Leven. Der Zeitpunkt schien dem Unternehmen dieser jungen Leute ungemein günstig. Denn es weckte in den Kreisen der französischen Hauptstadt einen starken Widerhall. Die Juden in Westeuropa genossen bereits die Segnungen der Gleichberechtigung und die französischen Juden, die sich zu Wohlstand und sozialen Stellungen emporgerungen. waren die ersten, die dieser Errungenschaften nicht völlig froh werden konnten, da sie Millionen ihrer Glaubensgenossen im fernen Osten unter dem doppelten Druck der Knechtschaft und der Finsternis schmachten sahen. Und so wurde ein weltumspannender Bruderbund geplant, der mit tausend Armen helfend eingreifen und das erlösende Werk der Menschenerhebung fördern sollte. Das eben ist der große Unterschied zwischen vornehmen und genieinen Seelen. Der vornehme Mann entzieht sich, wie es bei dem Propheten heißt, seinem Fleische nicht, selbst wenn es ihm vollständig entfremdet ist. Der Niedrige hingegen — und er bleibt niedrig, wie hoch er auch äußerlich gestiegen sein mag — kehrt seinen eigenen Verwandten, wenn sie hilflos und elend zurückgeblieben, in kalter Selbstsucht den Rücken, schämt sich seiner Abkunft und verleugnet sie. Noch mehr: er verbreitet, um seinen nackten Egoismus zu bemänteln, das Vorurteil, daß diese, seine Familie, verkomm'n und unverbesserlich sei und schreckt dadurch andere, hilfsbereite, aber mit den Verhältnissen unvertraute Menschen ab, ein gutes Werk hier zu stiften. Auf den Ruf der genannten sechs Männer trat bald ein provisorisches Komitee zusammen, das sich aus den obersten Kreisen der Gelehrten, Politiker, Schriftsteller und der Hochfinanz rekrutierte. Die namhaftesten Mitglieder dieses Komitees waren: Senator und Minister Adolphe Cremieux, Professor Adolphe Münk, Fromenthal H a 1 e vi, membre de l'Institut, Prof. Ernest Levi-Alvares, Prof. Leon Leopold, Prot. David S cho rn s t e i n, Schriftsteller H o i n, Louis Jean Könnigs warter, Rabbiner Mayer Gharleville und andere. Das waren die Männer, die sich zusammentaten, um die Alliance Israelite Universelle ins Leben zu rufen. Die Präsidenten, welche die Alliance seit ihrem Bestände hatte, waren: L. J. K ö ni g s w ar te r, Präsident des provisorischen Komitees in den Jahren 1860

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