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Neue Nationalzeitung · 1910-03-04 · Heft 5 (4.3.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 5 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 5 Zeitechriffen-l^undschau. Die Juden in der deutsehen Armee. Ueber „Die Zurücksetzung der Juden im Militärdienste" lesen wir im Frankfurter demokratischen „Das freie Wort": „Es handelt sich, wie stets in Preußen, lediglich um Ausnahmebestimmungen im Interesse des sogenannten Christentums. Man steht auch noch nach den japanischen Siegen auf dem Standpunkte: nur ein guter Christ kann ein guter Soldat sein, und will nur Christen zu Reserveoffizieren haben. Der Abgeordnete G o t h e i n hätte sich darum auch unbedingt darüber beschweren sollen, daß auch die Dissidenten nicht befördert werden. Was der Kriegsminister von dem „gewissen Mißtrauen des niederen Volkes gegen unsere jüdischen Mitbürger" sagte, ist natürlich Mumpitz. Alle Parteitage des „niederen Volkes", nämlich die sozialdemokratischen Parteitage, Averden von dem Juden Singer geleitet. Dreiuneinhalb Millionen Männer des „niederen Volkes" bekannten sich bei der letzten lieichstagswahl als Anhänger der Juden Marx und L a s s a 11 e, die größte deutsche Handelsflotte, die der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrtgesellschaft, wird von dem Juden B a 11 i n, und die größte deutsche Fabrik, außer Krupp, die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, wird von dem Juden Rathenau geleitet. Vor dem ehrenfesten Juden, der sich zur Religion seiner Väter bekennt oder der als moderner Mensch Dissident geworden ist, hat das niedere Volk Respekt. Keinen Respekt hat es vor den streberischen reichen Juden, die sich an den Hof herandrängen, um Titel und Orden zu erhaschen, obwohl sie wissen, daß sie die Hofgesellschaft und der maßgebende Adel so mißachtet, daß er sie als unfähig sogar zum Offizier der Reserve hält. Am allerwenigsten Respekt hat das geringe Volk vor charakterlosen Juden, wie die sind, welche beispielsweise große Summen für das Falkensteiner Offiziersheim gegeben haben, um sich beim Kaiser beliebt zu machen, obwohl sie wissen, daß keines ihrer Kinder je den Fuß über die Schwelle dieses Offiziersheims setzen darf, da ihre Kinder ja für zu schlecht gehalten werden, lieserve- oder gar aktive Offiziere zu werden! Wenn der Kriegsminister also gesagt hätte: „Wie kann ich solche Juden dem Offizierskorps zur Wahl empfehlen, die so charakterlos sind" — da hätte ihm jeder anständige Mensch recht geben müssen." Ein assimilatorischer „Zionist". Nach langer Zeit hat endlich „Die Welt" einen Artikel veröffentlicht, der von der traditionellen Langeweile dieses Blattes abweicht. Das Zentralorgan der Zionistischen Partei hat diesmal Herrn Dr. Franz Oppenheimer das Wort zu einem leitenden Artikel erteilt, der unter dem Titel „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein" nichts anderes bedeutet, als einen Faustschlag gegen das ganze jüdisch - nationale Fundament des Zionismus. Was Herr Dr. Oppenheimer, dessen Vater bekanntlich als Berliner Reform-Rabbiner das geistige Haupt jener Gemeinde war, die den Sabbat auf den Sonntag verlegte, bezweckt, ist nichts anderes, als die Loslösung der zionistischen Bewegung in Westeuropa von jedem jüdisch-nationalen Kern: eine Rückbildung zum p h i 1 a n t r o p i s c h e n C h o v e v e - Z i o n i s m u s. Dazu waren also neun Zionistenkongresse notwendig .... Wie uns mitgeteilt wird, herrscht in den Kreisen der österreichischen und russischen Zionisten die grüßte Entrüstung über diese Bombe und es werden dagegen Proteste vorbereitet. Wir wollen dieselben abwarten und dann zu diesem Thema noch ausführlicher Stellung nehmen. Vorläufig beschränken wir uns auf die AViedergabe der markantesten Stellen aus jenem Artikel: „Die Osteuropäer, Russen, Pumänen haben ihren eigenen Zionismus. Sie können sich in ihren Ländern nicht wohlfühlen. Nicht Patrioten sein, wo man sie verfolgt, unterdrückt, totschlägt. Nicht eine Kultur annehmen, die kaum Kultur genannt werden kann. Einige wenige nehmen die allgemeine europäische Kultur an, fühlen sich als Weltbürger. Die große Masse will jüdische Kultur, jüdisches Volkstum. Sie sind Kulturjuden, Nationaljuden, daher die Eigenart des osteuropäischen Zionismus. Die Devise lautet: Heraus in das heilige Land, dort ein eigenes jüdisches Volk schaffen, eigene jüdische Kultur, in allem Jude sein. Sie haben recht und wir alle sollen und wollen ihnen dazu helfen. Aber sie verlangen mehr. Sie verlangen, daß wir alle in dem gleichen Sinne Zionisten sind. Sie werfen uns vor Untreue an den Idealen des Zionismus, wenn wir nicht so wie sie nationale Juden und Kulturjuden sind, werden wollen. Das ist zu viel. Sie sollen, wie wir ihre Eigenart, ihren Zionismus verstehen und billigen, so auch uns verstehen, uns unsere Eigenart lassen. Der Zionismus der Westeuropäer ist ein anderer, muß naturgemäß ein anderer sein. Denn die Westeuropäer, wir, die Deutschen, Franzosen, Holländer, Engländer u. s. w. haben nun einmal eine hochstehende Kultur und sind in ihr heimisch geworden. Wir brauchen keine andere und wollen keine andere. Wir haben kein jüdisches Kulturbewußtsein und streben es auch nicht an. Wir sind auch keine N a t i o n a 1 j u d e n, wir sind wie jeder andere Mitbürger Patrioten. Nicht Hurrahpatrioten, das können wir nicht sein infolge der antisemitischen Strömungen, aber wir lieben das Land, in dem wir leben und dienen ihm mit ganzem Herzen, wir sind nicht Gäste darin, die heraus Avollen, sondern Bürger auf die Dauer, für immer. Nur jüdisches Stammesbewußtsein haben Avir, Avir sind stolz unserer Herkunft von einem Volkstum, das mindestens den Völkern der Gegenwart gleichwertig ist, das der Welt die größten Religionen gegeben hat. Darum AA'ollen AA'ir unseren osteuropäischen Brüdern helfen, das jüdische Volkstum, das s i e in jeder Hinsicht nötig haben, zu begründen und damit die Ehre des jüdischen Stammes zu heben. Das ist der Zionismus der A\resteuropäischen Juden, kein jüdisches Volksbewußtsein, nur jüdisches Stammesbewußtsein." Personalnachrichten. Ober-Ingenieur Ernst B r o d der k. k. österr. Staatsbahnen-Direktion in Wien, Sohn des Fabrikanten Herrn S. Brod in AVien, hat sich mit Fräulein Lilly M e i s e 1, Tochter des Fabriksbesitzers Herrn Carl Meisel in Zlin, verlobt. biste der Ausgetretenen. Vom 16. bis 28. Februar 1910. (Nir. 63—83.) Wilhelm Max, Dr., Prokurist der k. k. priv. Bodenkredi tansta.lt Wien, geb. 17. Jänner 1869, Wien, I., Reichs- Blau Rudolf, Sdiauspieler, geb. 22. Juli 1881, Wien, IX., Simomdenkgasise 1. Byk, geb. Epstein Marie Stefanie, Ministerialsekretärs-Gaittin, geb. 25. Jänner 1884, Wien, IV., Gußhau s>straße 19. Friedländer Elise, Beamtin, geb. 22. April 1872, Wien, VIII.. Laudongaisse 58. Klötzel Karl, geb. 8. September 1909, Wien, IV., Leibenfrostgasse 5. Klötzel-Horschowsky Wittel, geb. 25. Juni 1886, Brody, IV.. Leibenfrcfctgasse 5. Lorch Richard Hermann, Bankbeamter, geb. 3. Jänner 1880, Wien, I., Börsega&se 7. Mandl Regine, Näherin, geb. 5. Jänner 1884, Koboildit-Rebersdorf, XVII., Steinergasse 11. Pollak Laura, Geschäftsfrau, geb. 15. August 1869, Wien, L, Sohottenring 33. Schmiedl Julius, Bankbeamter, geb. 22. August 1884, Goltz- Jendkaiu, IX., Rögergiasse 14 b. Szilaggyi Szerena Amalle, Koaitonistin, geb. 23. Mai 1883, Tasniad. III., Arndstraße 17. Thieben Elsa, geb. Halpern, geb. 5. November 1875, Prag, IX., Wäliringerstiraße 15. Trebitsch Heinrich, Dr., Industrielller, geb. 21. Juni 1872, Wien, L, Aug'Uistinerg<ais.se 8. Ehrenstein Margarete, geb. 21. September 1887, Konstiantinopel, IX., Heraialsergürtel 24. Kohn Margarete, geb. 9. September 1883, Wien, IL, Rembrandstraße 9. Frankel Helene, geb. Raudnitz, geb. 12. Jänner 1856, Dresden, iV., Gußhanisafcraße 12. Halasy Julius, geb. 19, Juli 1891, KisAvarda (Ungarn), VI., Lainigambengasse 27. Deutsch Josef, Beamter der k. k. Staatsbahn-Direktion, geb. 9. September 1876, Wien, VII., Kaiserstraße 30. Sander Alfred, Privatbeamter, geb. 14. Juni 1880, Dreine, Bez. Chtnidam (Böhmen), V., Wehrgasse 9. Lederer Nikolaus, stud. jur., geb. 21. Mäa-z 1886, Nyiregy- •hÄza, VI., Lahngrubengasse 27. Notizen. Jüdisches Theater. (Regie M. Siegler.) II., Taborstraße 12, ,Hotel Stefanie". Ab Freitag den 4. c: „Die goldene Chasene" von Lateiner. — Montag den 7. c.: „Zirikgekimen" von Schalom Asch. (Veranstaltet von dem Vorbereitungskomitee des „Hasomir", Verein zur Förderung jüdischer Literatur und Kunst.) — Dienstag den 8. c: „Zirikgekimen" von Schalom Asch. — Mittwoch den 9. c.: „Schabes Koidesch" von S. Feinman. - Donnerstag den 10. c.: „Kreuzersonate" von Jakob 6 o r d i n. — Ab Freitag den 11. c: „Der V izekönig" von S. Feinman.

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