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Neue Nationalzeitung · 1910-02-18 · Heft 4 (18.2.1910) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 4 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NSUS tiffUML-ZBCUNG XU. JAHRGANG. WIEN, 18. FEBRUAR 1910. Nr. 4. Freunde und Feinde der galizischen Juden. '■■ Im Dezember v. J. sind in der von Dr. Ludwig Philippson begründeten, nunmehr im Besitze der Annoncenfirma Rudolf Mosse in Berlin befindlichen und vom Geh. Regierungsrat Dr. Ludwig G e i g e r redigierten „AI IgemeinenZeitungdesJudentums":vier Artikel von dem getauften Dozenten Dr. Theodor L e s s i n g aus Hannover erschienen, die, „Eindrücke aus Galizien" betitelt, die größten antisemitischen Gemeinheiten enthielten, deren jemals selbst ein antisemitisches Blatt fähig gewesen wäre.!* Irii Tone eines antisemitischen Gassenjungen hat der Renegat Lessing die galizischen und insbesondere die Krakauer Juden in den Kot gezerrt, er hat sie als Menschen hingestellt, die „mit Gemütsruhe (lügen, gaunern und betrügen", und mit einer überaus reichen Phantasie wußte er Episoden zuerdichten, die in denkbar krassester Form die Neigung der gallizischen Juden zum Meineid, Mädchenhandel und „Ganeffen" veranschaulichen sollten. Herr Geheimrat Geiger hat keinen Anstand genommen, diesen Artikeln in vier Nummern Platz einzuräumen — zum Gaudium der antisemitischen Hetzpresse, die diese Artikel sofort abdruckte. Wiestellte sich nun dazu die jüdische Presse in Deutschland und Oesterreich? Sie schwieg! Es . schwiegen die zionistischen und die nicht zionistischen Blatter; es schwiegen erst recht jene Blätter, die eine Helplenpose einnehmen, wenn irgend ein antisemitisches. Käseblättchen das Köl-Nidre-Gebet oder das rituelle Schächten bekrittelt. Aber die galizischen _ Juden!....... -Es schweigen aber auch jene, deren Pflicht und , Aufgabe es war, die Ehre des galizischen Juden zu verteidigen, vorerst das Präsidium der Krakauer Judengemeinde, deren Mitglieder am schwersten getroffen wurden. Da blieb mir nichts anderes übrig, als Herrn Dr. Samuel T i 11 e s, Präsidenten der Krakauer Kultusgemeinde, an seine Pflicht zu erinnern. Ich tat dies mit Brief vom 24. Jänner 1910, in dem ich ihn gleichzeitig um Recherchen ersuchte. Am 29. Jänner erhielt ich darauf eine Antwort. Die darin enthaltenen Informationen haben mir zur entsprechenden Stellungnahme in diesem Blatte nicht genügt. Ich besuchte daher am 8. Februar gelegentlich einer Rückreise aus Lemberg den Herrn Kultus-Präsidenten Dr. T i 11 e s in Krakau und verlangte von ihm weitere Informationen, insbesondere nach einer bestimmten, mir wichtig erscheinenden Richtung. Diese Informationen hat mir Herr Dr. Tilles versprochen und als Endtermin für deren Zusendung den 12. Februar bezeichnet. Ich habe weder diese Informationen noch irgend eine Antwort von Herrn Dr. Tilles bis heute erhalten. Inzwischen, und zwar am 3. Februar, also zehn Tage nach Absendung meines Briefes an Herrn Dr. Tilles, hat über dessen Veranlassung der Krakauer Prediger Dr. Thon einen „Offenen Brief" an den Geheimrat Dr. Geiger verfaßt und den jüdischen Zeitungen zugeschickt, mit Ausnahme der — „Neuen National-Zeitung" .... Ich will darüber mit dem Prediger des Krakauer Tempel-Vereines nicht rechten; er hat sicher gewußt, daß dieses Blatt die Verhältnisse selbst genau kennt und darauf nicht angewiesen ist, sich über dieses Thema einen Aufsatz ins Haus schicken zu lassen. Ich habe mich daher gefreut, daß die ziemlich scharf gehaltene Abwehrschrift in den meisten jüdisehen Blättern abgedruckt und in einigen sogar redaktionell behandelt wurde. Erstaunt war ich jedoch, und gewiß die gesamte jüdische Oeffentiichkeit mit mir, daß die „Oesterreichische Wochenschrift", deren Herausgeber

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