Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 3 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NEUE MCiONAL-ZEiOJNG XIL JAHRGANG. WIEN, 4. FEBRUAR 1910. Nr. 3. Ludwig August Frankl und seine Zeit (Erinnerungen zu seinem hundertsten Geburtstag.) Nicht von den Werken und dem Wirken Ludwig August F r a n k 1 s will ich hier sprechen, sondern von seiner Persönlichkeit, wie sie mir noch im Gedächtnis haften geblieben, und diese war die liebenswürdigste von der Welt. Ob im Amte, ob außerhalb desselben, er zeigte immer dasselbe Gesicht, dieselbe freundliche Miene, dasselbe liebenswürdige Entgegenkommen und dieselbe wohltuende, heute bereits mystisch gewordene Dienstbereitwilligkeit. Ob man wollte oder nicht, man mußte ihn liebgewinnen, blickte'erj einen mit seinem geistvollen Auge an und floß das beredte, stark akzentuierte Wort von seinen Lippen. Mit besonderer Vorliebe brachte er das Gespräch auf seine zur Gründung der Lämelschen Schule unternommene Palästinareise, von wo er unter anderem auch seinen Titel „Nasi von Jerusalem*, der ihm nicht wenig schmeichelte, ihm auf Besuch kam, erhielt irgend eine Spezialität aus Jerusalem zum Geschenk: einen hölzernen Briefbeschwerer, in welchem die Bundestafeln eingegraben waren, einen Papierschneider und ähnliche Dinge; und man wunderte sich nur über die unerschöpfliche Fülle aller dieser Sachen und Säehelchen, die wie das Oelkrüglein des Propheten nie ein Ende nehmen wollten. Jede Gabe aber wußte er mit der Auffrischung dazu gehöriger Erinnerungen zu würzen. Mit seinem Kultusvorstande, dem er durch viele Dezennien als Sekretär angehörte, bildete er einen Guß. Und man hätte sich nicht leicht diesen Vorstand ohne diesen Sekretär denken können. Es war eine ganz eigenartige, bei aller persönlichen Verschiedenheit durchaus homogene und durchaus abgerundeteKörperschaft, die nur ein Streben kannte, Ludwig August Frankl. Nach einem Gemälde von Rahl. heimbrachte. Er wußte da viel Mit Genehmigung des Freien Deutschen Hochstiftes in Frankfurt a.M. ein Ziel verfolgte, deren Mitdes Interessanten zu erzählen glieder lediglich in der An- und geriet dabei immer in sieht über die Wege, auf große Wärme, da er überhaupt für die Weisheit des welchen das Ziel am sichersten und kürzesten erreicht Orients sich gern begeisterte und ihr auch in seinen werden könnte, differierten. Und dieses Ziel war: die Dichtungen einen weiten Spielraum einräumte. Wer zu Hebung des geistigen und sittlichen Niveaus der Gemeinde.