Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XII (1910)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2425679-2425801-2425803--1567-2427933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 1 Appell au den Kongreß, der Außenwelt nicht das Schauspiel der Uneinigkeit zu bieten. Loewe gibt hierauf namens der vereinigten Landsmannschaften und Förderationen die Erklärung ab, daß dieselben sich der Abstimmung enthalten werden. Nunmehr wird die fragliche Bestimmung des Status, wonach der Präsident vom Kongreß gewählt wird, gemäß dem Vorschlage des Permanenzausschusses gestrichen. Trotzdem kommt betreffs der Mitglieder des Engeren Aktionskomitees eine Einigung nicht zustande. Dr. Bodenheimer und Wolffsohn erklären, daß es in der gegebenen Zwangslage nur einen Ausweg gebe: ein Provisorium. Die bisherige Leitung und die bisherigen Kommissionen sollen unverändert bleiben, auch soll der Sitz der Bureaus bis zum nächsten Kongreß, der früher einberufen werden wird, in K ö 1 n bleiben. Der Kongreß stimmt diesem Antrage fast einstimmig zu. Nach den Schlußworten von Professor Weyl und Doktor Bodenheimer wird der Kongreß nach vier Uhr nachts unter den Klängen der Hatikwa geschlossen. ftCRRSSPONDSNZCN Oesterreich-Ungarn. Die Wahl des Kultus-Präsidiums. Wien, 6. Jänner (Orig. Korr.). Die für heute anberaumte öffentliche Plenarsitzung des Kultus-Vorstandes hatte folgende Tagesordnung: I. Präsidialberieht. II. Konstituierung des Vorstandes: a) Wahl des Präsidenten; b) Wahl des ersten Vizepräsidenten; c) Wahl des zweiten Vizepräsidenten; d) von acht Mitgliedern des Vertreter-Kollegiums; e) der Mitglieder der ständigen Kommissionen, Spezialkommissionen und Komitees und Konstituierung der Kommissionen. III. Eventualia. Das Ereignis des Tages bildete die Wahl des zweiten Vizepräsidenten, nachdem der bisherige Präsident Dr. Stern und erster Vizepräsident Dr. Gustav Kohn wiedergewählt wurden. Das Amt des zweiten Vizepräsidenten ist durch den Tod des Baurates R. v. G o 1 d s c h m i d t frei geworden und es meldeten sich auch verschiedene Bewerber. Die meisten Chancen hatten wegen ihrer Verdienste und ihrer Eignung einige dem Advokatenstand angehörige Vorsteher, doch mußte von ihrer Wahl Abstand genommen werden, da ja ohnehin zwei Advckaten im Präsidium sitzen. In der letzten Zeit trat die Kandidatur des Herrn Max Frank in den Vordergrund, der bereits das dritte Jahr das Finanzreferat in Händen hat. Zur allgemeinen Ueberraschung brachte es aber die Majorität zustande, einen ganz unpopulären Mann zu wählen, der in der Oeffentlichkeit gar keine Sympathien besitzt: Herrn Hofrat Dr. Benjamin Rappaport. Er erhielt 14 Stimmen, während auf Herrn Frank blos 9 Stimmen entfielen. Dr. Rappaport hat vor zwei Jahren in einer sehr merkwürdigen Weise die jüdische Oeffentlichkeit beschäftigt, als es bekannt wurde, daß er seine älteste Tochter an einen Christen verheiratet hat. Bei den letzten Wahlen drang er zwar dank der bekannten Wahlmache als offizieller Kandidat durch; er erhielt jedoch die allergeringste Stimmenanzahl. Und dieser Mann wird der Wiener Judenschaft als Vizepräsident aufgedrängt! Was Herrn Dr. Rappaport außer dem christlichen Schwiegersohn zum Amte eines Vizepräsidenten der jüdischen Gemeinde befähigt, ist uns nicht bekannt. Er ist gewiß ein tüchtiger Jurist, denn er ist als Oberfinanzrat mit dem Titel und Charakter eines Hofrates in Pension gegangen. Aber soll die Vizepräsidentenstelle eine Anerkennung dafür sein, daß Jemand dem Fiskus durch 40 Jahre treu gedient und sich um das Judentum gar nicht bekümmert hat? Die Herren, die den neuen Vize-Präsidenten gewählt haben, wollten sich wahrscheinlich darüber klar werden, wie weit sich die Bevölkerung provozieren läßt. . Es wird sich wohl bald die Gelegenheit bieten, darauf zu antworten. „Nichtöffentliche Vorstandssitzungen". Wien. Von Herrn Dr. Ju 1 i u s K n ö p t m a c h e r, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, erhalten wir nachstehende Zuschrift: „An die Redaktion der periodischen Druckschrift „Neue Nationalzeitung" Wien hi Vertretung der Firma L. & T. Piowati fordere ich Sie unter Bezugnahme auf den in der Nr. 25 Ihrer Druckschrift am 3. Dezember 1909 unter der Spitzmarke: „Nicht öffentliche Vorstandssitzungen" abgedruckten meine Klientin die Firma L. & T. Piowati in Wien betreffenden Artikel auf, nachstehende Berichtigung in der zunächst erscheinenden oder zweitfolgenden Nummer Ihrer Druckschrift an demselben Orte und mit denselben Lettern zum Abdruck zu bringen: Es ist unwahr, daß die Firma L. & T. Piowati das Fleisch von krepiertem Vieh als koscher verkauft." * Anmerkung der Redaktion. Es ist uns gar nicht recht klar, was eigentlich Fa. Piowati mit dieser „Berichtigung" bezweckt. Will sie denn wirklich jemanden glauben machen, daß ihr Fleisch „koscher" ist. Wir fordern die Firma Piowati hiemit auf, uns auch nur einen einzigen Wiener Rabbiner zu nennen, aut den sie sich berufen kann. Der Brief des Herrn Dr. Knöpfmacher hat doch gewiß nicht die Eignung, ein rabbinisches Gutachten zu vertreten. Wir dagegen berufen uns zur Bestätigung, daß das von der Firma Piowati verkaufte Fleisch nicht nur trefe, sondern sogar „newele" das heißt Aas ist, auf den Herrn Rabbiner und Mitglied des Wiener Rabbinatskollegiums Mayersohn. Wir haben dies übrigens schon vor einem Jahre geschrieben. Allerdings ist es traurig, daß der Kultusvorstand und das Rabbinat nicht den Mut aufbringen, den Herren Piowati, Theumann und Genossen das Handwerk zu legen und die Irreführung des jüdischen Publikums zu verhindern. Dadurch würden diese Herren gezwungen sein, ihre Fabriken unter die Aufsicht des Rabbinates zu stellen. Warum müssen dies die Koscherfleischbanken tun? Die langwierigen Unterhandlungen sind erfolglos geblieben; vielleicht zeigt Herr Präsident Dr. Stern, der doch so energisch ist, hier einmal seine Energie? Was ist's mit der Enquete? Lemberg. Anfangs Jänner. (Orig. Korr.) Im Laufe dieses Monats tritt wieder der galizische Landtag zusammen. Und da wäre es an der Zeit, die bereits für den August in Aussicht genommene Enquete dem Landtage in Erinnerung zu bringen. Leider haben es die fünf jüdischen Abgeordneten unterlassen, während der September-Session dem Landesausschuß seine Versprechungen vorzuhalten. Soll nun jetzt die mit so großem Tam-tam angekündigte Hilfsaktion, deren Vorstufe die Enquete bilden sollte, im Sande verlaufen?