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Neue Nationalzeitung · 1909-12-17 · Heft 26 (17.12.1909) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 26 (17.12.1909)
Date
1909-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N2U5 XOONßL-ZEICUNG RER8ÜSG5BERI OfS.R.LANDlSU XI. JAHRGANG. WIEN, 17. DEZEMBER 1909. Nr. 26. Die Aufgaben des Emigrationskongresses. (Von unserem Korrespondenten.) Berlin, Dezember 1909. Die Allgemeinheit und insbesondere die jüdische Oeffeutlichkeit leidet zwar an Kongreßfurcht. Dennoch hat die Jmlennot der letzten Jahre manche Beratungen notw ndig gemacht, die. wenn auch nicht immer von positiven Resultaten begleitet, sich doch als nützlich erweisen. Das in jüngster Zeit laut gewordene und immer dring b hcr gestellte Verlangen nach einem Emigrationskongreß trifft zweifelsohne den leidenden Nerv der modernsten Judenfrage. Klar ist, daß die trotz aller Behelfe noch immer ziel- und planlose Massenflucht einer systematischen Regulierung bedarf, klar auch, daß es eine Territorialfrage der Emigration gibt, die seit langem der Lösung harrt. Wird der geplante Emigrat on-kongreß Mittel und Wege finden, um diese tieftraurigen, beschämenden Probleme einer Lösung nnhi - zubringend Und w~s soll überhaupt sein Zweck, das gedachte Resultat sein > Ihr Korrespondent nahm Gelegenheit, den vorübergehend in Berlin weilenden Herrn L. Dawido witsc h um seine Ansichten über das Zustandekommen des Kongresses zu befragen. Der Genannte ist heute so ziemlich der Orientierteste dieser Bewegung; als Bevollmächtigter der „American Jewish Society for the Regulation of Emigration", hat er ncli jetzt längere Zeit in Rußland aufgehallen, um mit den maßgebenden Faktoren die Kongressfrage zu erörtern. Herr Duwidowitsch gibt Jhrem Korrespondenten folgende Darstellung über den Zweck und Verlauf seiner Reise: „Nachdem in WL n eine Emigrationskonferenz staltgefunden hatte, galt es zu erfahren, wie solche Pläne in Rußland aufgenommen werden. Der Osten muß naturgemäß die Hauptaufmerksamkeit auf sich lenken. Rußland liefert die Hälfte aller Juden der Emigration. Nun habe ich alle größeren russischen Städte bereist, mit den Leitern aller Gemeinden, Organisationen und Emigrationsgesellschaften konferiert und muß sagen, daß ich durchwegs freudige Uebereinstimmung fand. Die harte Notwendigkeit überzeugte alle Männer des öffentlichjüdischen Lebens ohne Unterschied der Parteistellung; überall herrschte die Erkenntnis vor, daß die Regulierung der Emigration unsere wichtigste Gegenwartsfrage ist. Die Dumaabgeordneten Nisselo witsch, Friedm a n n, der frühere Deputierte Winawer — alle sind bereit, tätig mitzuwirken. Die russischen Vertreter der „Icau sind dein Plane sehr geneigt; hier entscheidet aber die Meinung der Pariser Leitung. Doch ist nicht zu zweifeln, daß auch diese, duichdrungen von der Notwendigkeit, ihre Mitwirkung nicht versagen wird. Vorläufig aber läßt sich schon übersehen, daß eine große Zahl von Teilnehmern dem Kongresse beiwohnen wird, auf dem vitale Fragen ihre Lösung finden sollen. Da gilt es vor allem, das Prinzip der Zentralisierung des Emigrationswesens durchzusetzen, was natürlich die Tätigkeit der bestehenden Emigrationsbureaux nicht aufheben soll. Die Schaffung einer E m i - gra t i o n s b a n k darf nicht mehr lange auf sich warten lassen. Und insbesotiders für Rußland wird sie einen Segen bedeuten. Die Tätigkeit gewisser Schiffahrtsagenten wird und muß unmöglich gemacht werden. Nicht zu vergessen ist das Amerikaproblem überhaupt. Dieses und noch anderes soll der Kongreß in Wien beraten. Eine Emigrationszentrale bedeutet in gewissem Sinne auch eine Repräsentanz des jüdischen Volkes . . Herr D a w i d o w i t s c h macht nicht den Eindruck eines Optimisten; was er sag', ist auf sachliche Momente Mit dieser Nummer 26, die wir in erweitertem Umfange als „Emigrationsnummer 4 herausgeben, schliesst der Jahrgang 1909. Die nächste Nummer erscheint am 7. |ärmer 1910.

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