Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 23 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 23 Aber so einfach ist das Dichlen nun doch nicht. Es vergehen zwei Wochen und icli bringe nicht ein Gedicht fertig. Da packt mich die Verzweiflung. Ich frage den lieben Gott vorwurfsvoll, ob er mich keine Lieder mehr dichten lassen wird. Wozu sollte ich dann noch leben? Je verzweifelter ich werde, umso weniger Reime fallen mir ein. Nur darauf, daß ich keine Reime mehr finden kann, wußte ich einen Reim: Brüder, freu't euch, ihr könnt lachen, Ich kann keine Reim' mehr machen. Trotzdem mein Unglück so groß war, behielt ich es für mich. Keinem Menschen wollte ich es erzählen. Zu Hause hielt man ja so wie so nichts von meinen „Schöpfungen". Die Mutter rief mich ja so schon „Dichterling". Als drei Wochen vergangen waren, fragt mich eines schönen Tages die Großmutter: „Nun, Awrotnele, warum bringst du mir keine Gedichte?" Bei dieser Frage steigt mir das Blut zu Kopfe, ich werde ganz rot — antworte aber nichts. Ich fühle, daß mein ganzes Ansehen bei der Großmutter verloren geht, wenn ich kein Lied mehr zustande bringe. Ich nehme mir aber fest vor, eines zu machen. Am folgenden Tag strenge ich mich tagsüber nach allen meinen Kräften an. Ich habe ein Gefühl, als wollte mir der Kopf zerspringen. Alles umsonst.... Doch ich muß der Großmutter ein Lied bringen!? Wie soll ich das nur anfangen? Ich bin ja sonst verloren .... Schon lange habe ich keine Kopeke in meinem Besitz gehabt_____. Plötzlich blitzt mir eine Idee durch den Kopf.... Ja, so wird es gehen. Ich nehme einen Band Gedichte vom Schrank, suche das schönste Lied aus, schreibe es ab und gehe, triumphierend über meine glänzende Idee, zur Großmutter. Gleichwohl klopft mir das Herz stürmisch. Wenn man mich entdecken sollte?!.... Doch da bin ich schon bei der Großmutter. Ich nehme mein Blatt Papier aus der Tasche und lese, eilig und ohne auf den Sinn des Gedichtes zu achten, mit zitternder Sfimme, der Großmutter das Gedicht vor. Aber eigentümlich. Sie setzt sich im Stuhle auf und sagt: „Das Lied gefällt mir gar nicht besonders. Mein Söhnchen, du hast dich verschlechtert!" Und wieder steigt mir die Schamröte ins Gesicht. Doch----ein gedrucktes Lied gefällt ihr nicht?____ Warum soll ich aber im Ansehen meiner Großmutter auf Kosten eines anderen fallen? Und ohne weiter zu überlegen, platze ich heraus: „Das Gedicht ist gar nicht von mir!" Darauf schaut sie mich in größter Verwunderung an und ärgert sich. Schließlich fragt sie: „Was soll das bedeuten — nicht von dir? Was redest du so dumm? . . .. Geh' doch, bist ein närrischer Bub____" Denn meine Großmutter konnte das nicht begreifen, daß man auch ein Lied stehlen könnte. Wozu ihr dann das noch erklären? Ich will lieber ein »närrischer Bub" als ein „Plagiator* sein. Still gehe ich diesmal ohne Lob und ohne „Honorar" nach Hause und schwöre es mir zu, hie mehr, nie mehr in meinem Leben ein Gedicht abzuschreiben, um es als das meine auszugeben .... biste der Ausgetretenen. Vom 20. Oktober bis 3. November 1909. (Nr. 470—497.) Stadien Max, Dr., Advokat, geb. 18. Dezember 1872. zu Lemberg, 11., Novaragasse 53. Bassa Berthold, Bankbeamter, geb. 30. November 1885 in Währing, XVII., Schumanngasse 55. Benedikt Isidor, Beamter der Kreditanstalt, vcb. lo. September 1863, Wien, IV., Starhomfcerggasse 32. Berger Paula, geb. 1. April 1889, Wien. I., Adlerga.sse 8. Freudenfeld Ida, Apothekersgattin, geb. 7. Juni 1884 zu Wien. XV111., Gersthoferstraße 29. Finger Emil, gel). 11. März 1872 zu Liechtenstein in Böhmen, Wien, VII., Schottenf.'idgasse 71. Goldschmidt Oskar, Prokurist, geb. 4. Mai 1876 zu Wien. I. Bez., I., Kolowratring 7. Goldstein Josef, Kaufmann, geb. 11. Oktober 1871 zu Wien, I.. Tuchlauben 13. Hammerschlag Mathilde, Private, geb. 23. März 188t! zu Wien, II., Große Stadtgutgasse 29. Königsgarten Richard, Sehlassergohilfe, geb. 14. Oktober 1877 zu Gaya, XML. Frauenfelderstraße 13. Kunwald Hedwig, Private, geb. 5. Juni 1883 zu Wien. I. . Schulerstraße 1. Pollak Walter, Dr., Edler v. Parnegg, Industrieller, geb. 29. Juli 1877 zu Wien, I., Babenbergerstraße J. Pollak Otto, Dr., praktischer Arzt, geb. 3. September 18(55 zu Wien, 1., Urillparzerstraße 14. Sternlicht Alice Karoline, Private, geb. 7. Dezember 1887 zu Wien, I., Stallburggasse 4. Schick Julius, Klavierhändler, geb. 27. Oktober 1802. zu Nimburg, I., Tuchlauben 19. Steck Siegfried, geb. 11. August 1883 zu Wien, XXI., LeopnldauerstralJe 79. Parolla Josef Otto, geb. 8. November 1889 zu Wien, VI.. Kasernengasse 13. Marcus Julius, Bankbeamter, geb. 17. März 1860 zu Berlin. VIII., Schlösselgasse 3. Papier Dora, Sängerin, geb. 18. Jänner 1880 zu Wien, II. , Zirkusgasse 1. Rosenbaum Paul, Lithograph, geb. 2. August 1877 zu WTien, II., Castellezgasse 33. Goldschmidt Berta, geschieden, geb. 10. April 1870 zu Wien, VIII., Laudongasse 3. Dubs Anna, Kontoristin, geb. 1(5. Juli 1884 zu Czurin. VIII., Zeltgas sp 11. Bächer Edwin Nikolaus, Ingenieur, geb. 19. Oktober 1862 zu Wien, IV., Paulanergasse 9. Bab Fritz, Fabrikant, geb. 21. Dezember 1872, zu W7ien. XIX., Hasenauerstraße 12. Roth, Dr. Wilhelm, Konzipient, geb. 23. Oktober 1878 zu Waltershausen, II., Untere Augartenstraße 39. Frankel Berthold, Buchhalter, geb. 19. Juli 1873 zu Engels, IL, Untere Augartenstraße 16. Bretisch Katharina, geb. 14. Februar 1885 zu Wien. V.. Diehlgasse 52. Kurth, Dr., Ernst, Dr. phil., geb. zu Wien, Barmen. JSlotizen. Eine neue Heine-Ausgabe. Eine vollständige II e i n e- Ausgabe, die auch die französischen Schriften Heines enthalten wird, kündigt der Insel-Verlag zu Leipzig an. Professor Dr. Oskar Walzel in Dresden, einer unserer besten Heine-Kenner, besorgt in Verbindung mit den bekannten Lite rat urhistorikeni Dr. Julius Petersen in München, Dr. Jonas Fränkel in Bern und Professor Dr. Albert Leitzmann in Jena die Herausgabe. Das Werk wird in der vollkommensten neueren Antiqua der Tiemann-tSchrrft gedruckt und zu einem sehr wohlfeilen Preise erhältlich sein. Da es bisher an einer solchen Ausgabe, die nach außen ixnd nach innen den höchsten Anforderungen genügt, durchaus fehlte, wird dieser neue Heine einer lebhaften Zustimmung gewiß sein.