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Neue Nationalzeitung · 1909-10-08 · Heft 21 (8.10.1909) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 21 (8.10.1909)
Date
1909-10-08
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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„Neue Xational-Zeitung Nr. 2! dem ..freien- Amerika eine Kollektion soinor Werke herausgegeben li;it. Illing ihn überhaupt nur zu fragen. .Mau ging sogar in der erfnin'iilipir so weit, dal! man auliordem noch einige seiner hebräischen Werke ins Jiddische übersetzte. AVer lacht da? Meudo'os Werke übersetzen sie ins Jiddische!!< Es sind daher die scharte Tonart, die scharfen, von galliger Satire geführten Seitonliiehp dps „Seide" gegen die Käubor seinps geistigen Eigeutunis wohl berechtigt. Engofähr /.in' gleichen Zeit erhielt ich von Kol» Mendele einen Brief, der das gleiche Thema zur tirundlago hat. I'nd ich will es euch absolut nicht \ orenthalteu. was er mir geschrieben liat. Der „Seide-- Iii»Li sieh folgendormaLien aus. „Scholeni Aieicliein. Aleichem Scludem liebes, herziges Enkelchon! Ilei/iichou Dank für Deinen Hoben ]!rie). der mich deshalb liesimders erfreut hat. weil ich daraus ersehe, dali es I>ir besser geht und Dein (Josundheitszu.staiid ein zufriedenstellender ist. Hoffentlich hat der Helte (ioti mit Dir Erbarmen und schickt Dir völlige Heilung olnip Hilfe von Doktoren damit Du mii Weil». Kind und Kindpskindern bis litt Jahre glücklich und zufrieden dahinleben kannst, Amen! Noch einmal aber besonderen Dank dafür, dal.» Du mir so |irom|)t geantwortet hast, obwohl ich Dir so seilen schreibe. Du bist wirklich ein prachtv oller Knkel! Ans meinem früheren Brief weil.it Du schon, »lali ich mein Herz vor meinen Freunden über die ..liebreu publishiug <ompnnv" ausgegossen habe. Diebe und Bäubor haben mich bei hellichtem Tage überfallen und mir mein unter schweren Mühen erworbenes Vermögen gestohlen, \on »lein ich mich auf meine alten Tage ernähren wolLte. Sie geben aiie meine W erke, ohne mich zu fragen, heraus. Ich existiere für diese Herren anscheinend überhaupt nicht. Jetzt kommt noch das Schönste. Das Journal „Zukunft" in Amerika vorspricht allen seinen Abonnenten ..Die kompletten Werke von Mendele Mancher Stirini". So tönende Lobgesänge über meine Werke, wie sie in diesem Blatte angestimmt werden, vernahm ich noch nie. Das ist ja «ranz schmeichelhaft für mich! Nun aber die Kehrseite: Die Herren Zoitungshernusgeber lohen mich /war über alle Massen, erzählen von meinen Nöten und Mühen, von der Arbeit für die jüdische Literatur . . . doch bin ich ihnen gleichwohl gut genug dafür, daji sie mich .bestchlon und sich den mir gebührenden Ertrag meiner Werke in die eigene Tasche stecken. Das sucht doch wirklich seinesgleichen. Ich werde bestohlen, beraubt. Die .Menschen sehen es und — schweifen. Freunde. Knkel — sie schweifen alle . . . I'nd da reden sie nun von jüdischer Literatur! Das Herz blutet mir, wenn ich nur danin denke, l ud du. mein Knkel. wirst mich verstehen!' ... So also der „Soidc-Mendole. Nun will ich noch einige Bemerkungen hiezu machen. Der (iroiivater Mendele und seine Enkel wollen alles mögliche anwenden, um ein solches Enreeht mir der Wurzel zu vernichten. Ich appelliere an meine Kollegen von der Feder, mögen sie nun wo innner wohnen: au alle „Knkel und Eieiikel" unseres grollen, unsterblichen, literarischen (Jrolivalers. des grolien Künstlers Seh. A. A b r a m o w i t z. unseres wirklich einzigen Klassikers, dem wir dafür zu grö|.itom Dank verpflichtet sind, dali wir uns des Jargons so ungeniert bedienen und so für unser Volk nach Möglichkeit eine jüdische Literatur geschaffen haben : Kuch rufe ich an. Sammelt Kuch in jedem Land, in jeder Stadt wo jiddisch gelesen wird, zu (•mppcn. tretet öffentlich hervor mit energischen Protesten, in denen ihr in kurzer und seliarfgetönfer AVeise Eurem Unmut über die Niedertracht kundgibt, die an unserem ältesten Schriftsteller begangen wurde ... Dieses wäre der eiste Schritt. Der zweite mühte von den jüdischen Lesern gemacht werden. Sie dürfen kein Kuch in die Hand nehmen, das auf die geschilderte AVeise in Amerika «jodnickt worden ist. Nur solche Bücher soll der Leser berücksichtigen, die in der Tat mit Erlaubnis ihres Autors abgedruckt sind. (iewiti weih1 ich ja. dali sich ein Hvperkluger an mich mit der Frage wenden wird : „AA'as werden Sie tun. wenn irgend so ein Bandit, so ein Marodeur, einfach aufs Titelblatt drucken lassen wird: .Mit Erlaubnis des Verfassers":"' <*ut! Das mögen sie nur tun. Dann werden diese Leute das Vergnügen haben, jene Bäume zu bewohnen, wo man keinen Zins zahlt. Sie werden sich so eine Unterkunft verschaffen, die schon längst ihrer harrte. Das ist der Appell, den ich au alle meine Freunde, in welchem Lande sie auch wohnen mögen, richte. Jetzt noch einige Worte au meine Kollegen in Amerika: Es handelt sich hier nicht darum, dal» man einem Schriftsteller alle dem Frheber vorbehaltenen Hechte vielleicht an einem Artikel, einer N o v e 1 1 e 11 e, einem Kornau genommen hätte. Nein, alle seine Werke stahl man ihm und zog daraus durch deren Verbreitung Kapital, während der Dichter selbst infolge dieser uuipiaiitizierbareu Konkurrenz nicht imstande sein wird, durch seineu rechtinäliigen A'erloger ein Exemplar der von ihm selbst herausgegebenen Ausgabe zu vorkaufen. Das ist eine schöne Belohnung, eine schöne Würdigung für den Dichter Abraniow ilsch! AA ir sind ja so stolz auf ihn. rühmen uns seiner, da er doch für unser geliebtes Volk so schöne Sachen geschrieben hat. End so weil.! nun das A'olk seinem geliebten Dichter Dank!... Mit diesen meinen Worten wandte ich mich an jenes Etwas in Kuch, das man landläufig ..Moral" nennt. Jetzt will ich aber mit Kuch von ..business" reden... Auch Ihr wit.it es : unsere N'olksiilerat ur wächst und wächst und mit ihr gleichzeitig entwickelt sich unser jüdisches Thealer. Die Nachfrage nach jüdischen Büchern ist in Amerika eine sehr rege. Bei uns wird sich wahrscheinlich ein A'erloger linden, der eine Sammlung jüdischer Werke herausgeben wird. Aber unsere jüdische Tresse wird das nicht zulassen. Nach der ersten Annonce wird sie auf diesen A'erloger aufmerksam werden. Ensere jüdische Kresse wird jenes Journal oder jenen A'erloger mit allen Mitteln verfolgen, die in einer Zeitung oder einem Buche das Werk eines jüdisch-amerikanischen Autors veröffentlichen würden, ohne denselben etwas davon wissen zu lassen. In diesem Sinne möchte ich auch meine amerikanischen Kollegen gebeten haben, vor solchen Machwerken zu warnen. Denn dort, wo die Strenge des (iosetzes nicht ihre Wirkung fühlen läl.if. da kann die ö I' f e n t 1 i c h e AI e i n u u g viel erwirken. Diese stellt sich dann vor das Fenster eines solchen famosen Aerlegers. spuckt aus und schreit in die Welt hinaus. „Das ist ein Diel»! (Jestohlene Sachen kaufe ich nicht!" Es ist die Zeil gekommen, welche uns zwingt, gemeinsam unsere schriftstellerischen Interessen wahrzunehmen. Also, wir wollen Euch helfen und Ihr könnt uns dann auch helfen. Ihr alle: Dichter. Dramatiker. Journalisten. Editeurs, Puhlishcrs und Speakers! Nehmt in der Fresse, in der ((Öffentlichkeit Stellung! Das ga n z e lesende Publikum muH über die „Affaire Abraniow itsclr aufgeklärt werden, sodali ein jeder davon überzeugt ist : Nicht nur d e r ist ein Dieb, der ein Buch stiehlt, sondern auch jener, welcher ein g c s t o h 1 e u e.'s Buch kauft: nicht nur der ist ein Käubor, der rauht, sondern auch jener, und vielleicht der noch mehr, welcher das (icrauhte verwertet. Mit dieser Forderung, dieser Aufforderuugzum Boykott ist von keinem zu viel, von keinem ein Opfer verlangt. Ich wollte nur der AA'elt verkünden, dali jedes Buch von Abraniow Usch, w elches in Amerika herausgegeben wurde, den Stempel tragen mülite: „Dieses Buch ist gestohlen!" Wir russisch-jüdischen Schriftsteller haben noch genügend Selbstachtung und achten uns daher auch untereinander. End bei uns wissen die A'erloger ganz gut. dali unsere AVerke nicht herrenloses < i u 1 sind, die joder. der eino I (nickerei hat, abdrucken und jeder beliebige A'erloger. wenn es ihm gerade pal.it. herausgeben kann. Briefkasten der Redaktion. L S in Wien. Die von uns besprochene Arbeit des Dr. Kasznic ist in den offiziellen ...Aufteilungen" dos Statistischen Landesamtes in Lemberg erschienen. Sic können das betreffende Heft bei einer Lemberger Buchhandlung bestellen. Ad K. XX. Ihre Ansicht, dali die jüdischen Bedaktionen auf <M-uud der ihnen vom verstorbenen Lehrer Buxbaum zugekommenen Briefe dessen Selbstmord hätten vorhüten können, ist falsch. Diese Briefe — auch uns ist ein solcher zugekommen — waren alle Sonntag um halb J Ehr morgens geschrieben, früh geschah der Selbstmord und erst Montag um!» Ehr vormittags gelangten die Briefe an die Adressaten. Da war es bereits zu spät. Dr. B. Auf diese Konkurs-Ausschreibung kommen wir nächstens noch zurück. *■> fJesehäft. Hochfeines natürliches Tafelwasser \tt L \ Nartirlicher nlhtfpr pSauerbrunn J llVJlWllV Lirhion-Ouelle. von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberall zu haben. Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4.

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