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Neue Nationalzeitung · 1909-10-08 · Heft 21 (8.10.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 21 (8.10.1909)
Date
1909-10-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 21 Wir nehmen keinen Anstand, den Schlußpasus des an uns gerichteten Briefes zu veröffentlichen, da er die jüdische Kaufmannswelt in hohem Maße interessieren dürfte: „Wien will nur von uns große Abschnitte, die in der Hegel nur von Eskompteuren zu haben sind. Wir haben daher fast keine nennenswerten Beziehungen mit diesen Jüdischen Banken". In dieser Richtung wären Ihre Angriffe gerechtfertigter gewesen! (Geschieht ohnehin! Anm. der Red.) Die Hauptmasse unseres Materiales sind kleine, jüdische kaufmännische Rimessen, die wir überallhin, nur nicht in unsere jüdischen Banken geben können. Das ist der wahre Charakter der jüdischen Bankdirektoren, die von uns den höchsten Zinsfuß erpressen, nachhinein noch nicht vereinbarte Prozente abschneiden wollen, so daß wir mit Ausnahme der k. k. priv. Gredit-Anstalt Fil. Lemberg (deren leitender Direktor aber ein Christ ist) auf die Geschäftsverbindung mit ihnen verzichten können und auch wirklich, wie Sie sehen, seit 2 Monaten verzichtet haben. Alles übrige überlasse ich einer mündlichen Aussprache". Dr. Moses Ahronsohn: üie jüdischen *ReligioDSlehrer an den Mittelschulen. Mit unserem neuen Jahr hat auch ein neues Schuljahr begonnen. Lehrer und Schüler ziehen neugekräftigt am Körper und hoffentlich auch am Geiste in die frisch gescheuerten,"" Miß XM& du* aocli erneuerten""Räume "der Schulen ein. Wir gehen neuen Mühen und Plagen entgegen, aber wollen uns durch diese die Freude am Unterrichte, dieses wichtigste Geheimnis eines sicheren Erfolges, nicht verkümmern lassen. Freude am Unterrichte bedarf vor allen anderen Lehrern der, den ein Gott in seinem Unmute und Zorne zum jüdischen Religionslehrer ausersehen hat. Er tut es selten einem recht. Ist er nachsichtig und milde, dann klagt man über die Zuchtlosigkeit, welche nach der Meinung gewisser Leute, naturgemäß, nach alter, aber nicht guter Ueberlieferung, im jüdischen Religionsunterrichte herrscht. Nicht selten kann man die gewissen Unkenrufe vernehmen, daß die Schüler nichts lernen und es besser wäre, man verwendete die für den Religionsunterricht aufgewendete Zeit auf andere, viel nützlichere Gegenstände. Nützlichkeit, das ist die Parole, die heute auch für den Unterricht ausgegeben wird und zur stürmischen Reform, zur Entfernung alles überflüssigen Ballastes drängt. Ist der Lehrer streng, verlangt er von seinen Schülern, daß sie auch in diesem Gegenstande etwas lernen und leisten, dann fällt man über ihn, wie über einen Tyrannen, her. Er muß das ganze Odium der Schule auf seine armen Schultern nehmen. Oft wird ihm die Schuld zugeschrieben, wenn sich irgend ein leichtfertiges Söhnchen taufen läßt Wie sollte es auch anders sein, wenn man in einer Zeit, in der das Griechische abgeschafft wird, sogar von den Schülern Hebräisch verlangt? Mag sein, daß in diesem Verlangen mancher Lehrer, im wenig verstandenen Interesse der Zeit und ihrer Forderungen, zu weit geht; im allgemeinen aber können wir behaupten, daß es ein Unsinn wäre, gar zu viel von den Jünglingen in der Kenntnis unserer heiligen Sprache zu verlangen. Täte dies ein Lehrer, er müßte 2 Dritteln oder noch mehr seiner Schüler ein „ungenügend" geben. Es gilt bei diesem Gegenstand das alte Sprüchwort: „Schlägt man die Tochter, meint man die Schnur". Gegen den Religionsunterricht zieht man los und die Religion, die, ach, von so vielen als eine Last betrachtet wird, meint man. Doch, wir wollen unsere Klagen nicht fortsetzen und über Dinge jammern, die allgemein bekannt sind und doch nicht geändert werden können. Da wir nun einem neuen Schuljahr entgegen geh^n, wollen wir es nicht verhehlen, daß sich die Verhältnisse auch im jüdischen Religionsunterrichte, dank dem energischen Eingreifen wackerer und einsichtiger Männer, zum Bessern gewendet haben. Man hat, vcn Seite des hohen Ministeriums insbesondere, die Stellung der Religionslehrer gebessert, was nicht nur zur Hebung des Ansehens des Standes, sondern auch zur Förderung des Unterrichtes selbt beitrug. Große Verdienste hat sich in dieser Richtung der verewigte Minister Dr. von Härtel erworben, indem er vor allem den beschämenden Titel „Nebenlehrer" abschaffte, mit dem bis dahin der jüdische Religionslehrer bezeichnet wurde. Aber er ging noch weiter. Er systemisierte gewisse Stellen in größeren Städten, wie in Wien, Prag, Brünn, Lemberg, Brody, in welchen an manchen Anstalten die Zahl der jüdischen Schüler eine große ist. Diese Systemierungen, so dankend sie anerkannt werden, erhalten aber doch eine gewisse Halbheit, insoferne sie nuradpersonam vorgenommen wurden. Mit anderen Worten: Wird eine dieser Stellen erledigt, dann wartet man vergebens auf eine Ausschreibung in der »Wiener Zeitung". Sie wird „unter der Hand" besetzt. Und doch wäre eine Ausschreibung sehr am Platze, damit sich Berufene um den Posten bewerben können. Warum soll es dem Religionslehrer in der Provinz nicht möglich sein, sich um eine Wiener Stelle zu bewerben und diese auch zu erhalten, besonders wenn er erwachsene Kinder besitzt, die er einem Studium zuführen will, dem sie nur in der Residenzstadt nachgehen können? Was jedem anderen Mittelschullehrer, und zwar oft manchem jugendlichen ermöglicht wird, nach Wien zu kommen, das scheint dem jüdischen Religionslehrer verschlossen zu sein. Dieser Umstand kann natürlich nicht dazu beitragen, die Freude am Unterrichte bei ihm zu heben, wenn er sich dazu verurteilt sieht, Jahre lang in einer Stadt zu verbleiben, ohne je die Aussicht zu haben, das Ziel der Wünsche aller Mittelschullehrer, Wien, zu erreichen. Wir bemerken ausdrücklich, der materielle Vorteil, welcher den Lehrer in Wien erwartet, ist kein großer. Im Gegenteil, die Ausgaben in der großen Stadt stehen in keinem Verhältnisse zu dem Einkommen, das ihm hier winkt. Es sind lediglich geistige Förderungen, die ihm hier zuteil werden können, Schulen und Bibliotheken namentlich, die ihm und seinen Kindern das Studium erleichtern. Es ist uns Juden in Oesterreich die gewiß nicht unbillige Forderung erfüllt worden, daß zum Referenten für Kultus- und Unterrichtsangelegenheiten ein Jude bestellt wurde, der nun seinen Sitz im Unterrichtsministerium eingenommen hat. Der Herr Referent, dem volles Verständnis für die kulturellen Angelegenheiten des Judentums, reiches Wissen und Unparteilichkeit nachgerühmt werden, würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn er das Werk, das Minister Doktor von Härtel begonnen hat, vollendete. Und dazu gehört: allgemeine Sys temisi er ung der nur ad personam verliehenen Stellen. Das würde einen großen Fortschritt bedeuten und von den be-

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