Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 20 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 „Neue National-Zeitung" Seite 15 „So ein Boruch, so ein reicher Mann, so eine Person, er hatte eine Hochzeit ohne Musik!" „Nur die Schneider haben ein bischen gesungen, wie bei ^iiiem Bettler, pfui!" „Wo ist eure Ehre? Wo euer Wort?... Pfui Pfui!" »Eigens hat er um euch geschickt!" „Zehn Rubel hat er euch versprochen." . . . „Tnfene Hoclizeilsspieler! Zigeuner!" „Der alte Judko, so ein Schwindler! Wir haben das nicht erwartet!" „Spielt jetzt auf Bauernhochzeiten. Wir wollen euch nicht kennen, wir werden uns eine neue Kapelle bestellen . . Judka vermochte kaum zu Worte zukommen, „Hört nur, herrliche jüdische Seelen!" rief eri „strengt eure Gehirne an und betrachtet nur genau dieses Ding . . . Worin hab' ich gesündigt? Düß sie uns mit Gewalt fortschleppten — das war ein Zufall; daß wir einen Verdienst mitbrachten — das ist auch Zufall! Wo steht geschrieben, daß jemand verantwortlich ist für «inen Zufall, für ein Ereignis, tür einen Zwischenfall? Ihr wollt ein neues Orchester, der Teufel soll euch holen — Ihr mögt es haben; — aber so ein Orchester, wie unser Orchester, so eine feine Musik, so einen Geschmack von Musik werdt t ihr niemals haben und wenn ihr auch mit dem ganzen Kanal auf den Ofen hinaufkriechen sollt!•' Ein wohlberafener Freund. Fünfzehn Jahre sind veiflössen, seitdem der ei>te Hand der fünften Aufjage von „Meyers Großem Konversations-Lexikon" erschien — Ende 1893; und schon liegt wieder die neue, sechste, vollständig unbearbeitete und vermehrte Auflage dieses Riesenwerkes vor, das nunmehr zwanzig Hönde umfaßt. ochon ein flüchtiger Blick laut erkennen, daß der „Große Meyei"* in seiner sechsten Auflage wiederum auf der Höhe der Zeit steht und auch den weitgehendsten Anforderungen duichaus entspricht und so in seiner großartigen Ausgestaltung und Ausstattung aufd neue de" vvohlberatene Freund, der unentbehrliche Hausschatz für jede Familie wie kein andres weltliches Buch werden wird; denn Konversations-Lexikon und Konversations- Lexikon ist zweierlei. Ob das, was mir das erste beste Konversations-Lexikon auf meine Fragen antwortet, immer die beste und richtige Antwort ist, das kann nicht so ohne weiteres bejaht werden. „Wähle dir nicht jedermann zum Freunde", lautet schon eine altheidnische Lebensregel: „hast du aber einen solchen gefunden, so halte ihn mehr als Gold und Edelgestein." Ein solch edler Freund und getreuer Berater, der seine Leser nach jeder Beziehung auf das Beste belehren und nach Inhalt und Ausstattung auf das Vollständigte befriedigen kann, ist „Meyers Großes Konversations-Lrxikon", das man nicht mit Unrecht den „Alles wisser" genannt hat. Stößt man auf irgend ein ungewöhnliches Wort in der Zeitung, in einem Buche, das man eben zur Unterhaltung oder Belehrung liest; wird vor einer Ei findung, einem unbekannten Land und Ort, von einem Mann oder einem Ereignis aus der Geschichte, von Dingen aus der Natur wissenschaftlich gesprochen; will man wissen, was es mit diesem oder jenem Kunstwerk, mit einem Menschen oder einer Schrift auf sich habe : in allen Fällen wird der „Große Meyer" zu Hilfe kommen, so oft im Gedächtnis oder im Wissen irgend eine Lücke sich fühlen läßt. *Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehite Auflage. Mehr als 150.000 Artikel und Verweisungen auf über 18.593 Seiten Text mit mehr als 16.800 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf Über 1500 Illustrationstafeln (darunter etwa 180 Farbendrucktafeln und 340 selbständige Kartenbeilagen) sowie 160 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Wer kennt nicht das Wort „Atlas" und denkt dabei wob' immer nur an ein Buch mit einer Anzahl von Karten aus der Erdbeschreibung? Der „Große Meyer" ist auch so ein Atlas, aber er ersetzt nicht nur den die Erde, beschreibenden Atlas, er ist auch ein Atlas der Pflanzen, der Tiere zu Land und zu Wasser, der Maschinen, der Physik und Chemie, der berühmtesten Bildsäulen und Bauwerke der Völker aller Zeiten, kurz, ein Atlas, der aufklärt über alles, was jemals Menschengeist erdacht und Menschenhand gemacht hat. Der Vater mit seinen Kindern, der Mann in der Stadt wie auf dem Lande, der Student wie die Studierte, sie finden immer Neues darin zur Belehrung und Unterhaltung wie in einem schier unerschöpflichen Schatzkasten, der obendrein zum leichten Auffinden alles sein säuberlich nach dem A-B-C in Rt-ih und Glied geordnet hat. Vielseitigkeit ist ja das Charakteristische jedes enzyklopädischen Werkes; aber damit eine Gründlichkeit und bis in die neueste Gegenwart reichende Genauigkeit in allen Kragen zu verbinden, ist eine schwere Aufgabe, zumal wenn es sich um Materien handelt, die fast täglich neue Ueberraschungen biingen, und Gelehrte und Praktiker in Atem halten, um dem gewonnenen Wissen in lichter Weise die neuen Errungenschaften anzupassen und damit den Anforderungen des praktischen Lebens gerecht werden zu können. Dieser schweren Aufgabe hat sich der „Große Meyer" in seiner neuen, sechsten Auflage, worin die anerkannten Vorzüge dieses Werkes ersichtlich zum weitern Aushau gelangen, wiederum in mehr als meisterhafter Weise entledigt; sie bedeutet einen wesentlichen Fortschritt auf enzyklopädischem Gebiet. Schon an den im Titel angegebenen Zahlen läßt sich die Bedeutung dieses einzigartigen Unternehmens ermessen, welches das gesamte Wissen unserer Zeit in mehr als 150 000 Artikeln und Verweisungen zusammenfaßt, also in eine Zffer, von der sich nach menschlichem Ermessen erwarten laßt, daß sie vollständig ist. Diese Art der Schätzung ist ja äußerlicher Natur, sie hält aber auch stand, wtnn wir uns mit dem Inhalt des Werkes selbst befassen. Modern im besten Sinne, hat dasselbe alle neuen Errungenschaften der Wissenschaften, der Forschung und der Technik berücksichtigt. Den weitverzweigten Gebieten des heutigen ReaU wissens ist <i»e ganz besondere Sorgfalt zugtwandt. Die Form der Darstellung ist ebenso knapp wie faßlich und übersichtlich. Kein überflüssiges Wort, aber in jedem Worte die peinlichste Genauigkeit. Daten und Ziffern sind bis in die jüngsten Tage fortgeführt. Für solche, welche tiefer in ein Sondergebiet eindringen wollen, als mit den Zielen einer Enzyklopädie vereinbar ist, werden sorgfältig ausgewählte Literaturnachweise aufgeführt, die man bei andern derartigen Unternehmungen vergeblieh sucht. In der Regel wird man sich jedoch mit den Auskünften des Lextkons begnügen können, die um so belehrender und eingehender sind, als ein musterhafter Illustrationsapparat die zum Verständnis notwendige Anschaulichkeit vermittelt. Mit eiuer Reichhaltigkeit ohnegleichen ist das Werk ausgestattet; sind es doch mehr als 16 800 Abbildungen, Karten und Pläne, die teils im Texte, teils auf über 1500 Illustrationslafeln erscheinen, worunter etwa 180 künstlet isch vollendete Farbendrucktafeln und 370 Kartenbeilagen besonders hervorzuheben sind. Außerdem sind auf etwa 160 Texttafeln noch besondere Erläuterungen zu den Abbildungen, Namenregister zu den Karten und Plänen, statistische Uebersichten u. s. w. gegeben. Die Illustrationen, namentlich die prächtigen Vollbilder und Tafeln in Schwarz- und Farbendruck stehen auf der Höhe der heutigen Technik; es sind das wahre Kunstblätter, sie zählen ZU den feinsten Druckerzeugnissen, die bisher geliefert wurden. Ein nicht minderes Lob gebührt den ausgezeichneten Kartein Und mit den innern Vorzügen dieses heirlichen VVeikes, um das uns Deutsche andre Nationen nrt Recht beneiden, steht die vornehme Gediegenheit der äußern Hülle im Einklang. In seinem Original-Einband bildet das Lexikon eine Zierde jeder Bibliothek. Der tadellose Druck auf holzfreiem, vor dem Vergilben geschütztem Papier und ein moderner Einband werden auch die verwöhntesten Anforderungen befriedigen und die Freude an diesem wirklich uneutbehrlicheu Hausschatz erhöhen. So liegt denn „Meyers Großes Konversations-Lexikon* in einer mehr als gewöhnlichen Vollkommenheit aufs neue vollständig vor, nicht bloß als ein Denkmal der Gelehrsamkeit, des Fleißes und der Gründlichkeit, sondern auch als eine der köstlichen Früchte, die eine freudige Hingabe und eine rastlose Ausdauer deutscher Männer gezeitigt haben. Darum wird es auch ohne Zweifel in all den Kreisen, wo noch lebendiger Wissensdurst und der Drang nach höherer Erkenntnis die Geister erhebt und die Herzen erfüllt, die Aufnahme finden, die „n'n wohlberatener Freund" vollauf verdient. Paul Scherer, München.