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Neue Nationalzeitung · 1909-08-13 · Heft 17 (13.8.1909) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 17 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CCiONAL-ZEiCÜNG LANDAU XI. JAHRGANG. WIEN, 13. AUGUST 1909. Nr. 17. Das alte Wiener Ghetto. Von Dr. Moses Ahronsohn. Gerade vor Jahresfrist war es, als wir in diesen Blättern ein Stück der Geschichte der Juden Oesterreichs besprachen und zwar anläßlich des Erscheinens eines vortrefflichen Quellenwerkes von Dr. A. G o 1 dmann: „Das Judenbuch der Scheffstraße zu Wien". Rüstig schreitet die Erschließung der Quellen, welche gewiß zu einer objektiv gehaltenen Geschichte der Juden Oesterreichs führen wird, weiter. Denn schon liegt wieder ein fleißig gearbeitetes, das Goldmannsche Buch vielfach ergänzendes und fortsetzendes Werk vor, in dem II. Bande der im Auftrage der „Historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde in Wien" herausgegebenen „Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch- Oesterreich". Der Bearbeiter dieses Bandes ist Dr. Ignaz Schwarz. Er behandelt in seinem Werke „Das Wiener Ghetto, seine Häuser und seine Bewohner".*) Die Grundbücher der Stadt Wien und sonstige Handschriften des Stadtarchives, das k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv, das Archiv des Deutschen Ritterordens und das k. u. k. Reichsfinanz irchiv wurden von dem fleißigen Bearbeiter nach urkundlichem Material durchsucht, um nicht nur ein Bild d<'s Judenviertelsinder inneren Stadt 3ns zu seiner Aufhebung im Jahre 1421, sondern auch •las der Judenstadt im „Unteren Werd" (der heutigen Leopoldstadt) von 1625—»670 zu gewinnen. Goldmanns Büch umfaßt die Zeit von 138&—1420. Das letzlere Jahr wurde für die Juden Oesterreichs verhängnisvoll. Das katholische Volk, gegen die hussigehen Kelchner aufgestachelt, ging nach bewährtem Muster zunächst gegen die Juden los. So machten auch ein*ten* dfe Kreufcfattrer, Welche gegen' die Mohammedaner WX Vrirti ahtt &rf|>ntlHUr, *. u. k. «of- und Uni- ^«rttM^trac-wiswdler, Wie* *«l LetafefW9. (Vrt, «* Sottmar 1* m Jk N-.>&«) ~ ' * und albigensischen Kelzer zogen, mit den Juden den Anfang. Lügnerische Beschuldigungen und unsinnige Anklagen gegen die Juden zu finden, war man in jener Zeit, sowie in anderen Zeiten nicht verlegen. Christenknaben waren in Wien auf dem Eise eingebrochen und ertrunken. Natürlich war man sofort bereit, boshaft zu erzählen, die Juden hätten sie erschlagen, da sie ihr Blut für die Passah-Feier brauchten. Das alte, ewig neue Lügenmärchen. Aber man ging weiter. Von einer Mesnerin wurde erzählt, sie habe aus der Kirche von Enns eine Hostie entwendet, an den reichen Juden Israel verkauft, dieser habe deren Teilchen an die Juden in Oesterreich, aber auch außerhalb dieses Landes verschickt. Und nun erging auf Befehl des Herzogs A1 b r e c h t das Gericht über die Juden. Der 12. März 1421 (9. Nissan 5181) war gekommen. Zehn Monate hatten sie in den Kerkern geschmachtet. Und die sich nicht bekehrt hatten, d. h. hatten taufen lassen, wurden an diesem Tage mit dem „prannt" gerichtet. Ein Autodafe wars, das auf einer Wiese Dei Erdberg abgehalten wurde, von dem die „Wiener Geserah*) schaudernd berichtet. Eine Glaubenshandlung sollte es sein, aber auch hier handelte es sich um das vom romantischen (?) Mittelalter so heiß geliebte weltliche Gut. „Propter pecuniam*, nicht „propter fidem" wurden die Juden verbrannt. Der damalige Bürgermeister von Wien, Hans Musterer, erhielt aus besonderer Gnade das Haus und dert Gärten des reichen Juden Steuss. Das ist die Vorgeschichte der Aufhebung des Juden-Ghettos in der Inneren Stadt Der Erlte der zur höheren Ehre Gottes verkauften Judenhäuser war freilich kein solcher, wie sich ihn die Schürer des Brandes OI&Qfflt hatten. Die alte Leier von dem Reichtttme I^MT iJWÜWft» *) Von Ctaldmnm ia »einem zitiert«» Werke veröffentlicht.

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