Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 16 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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N2U5 (dßNÄL-ZEiCÜNG LANDAU XI. JAHRGANG. WIEN, 30. JULI 1909. Nr. 16. Meine Biographie. Von Dr. Max Nordau.*) Ich bin in Pest — damals gab es noch kein Budapest — am 29. Juli 1849 geboren, mitten in den Wirren und letzten Zuckungen des ungarischen Freiheitskampfes. Nicht ganz drei Monate vor meiner Geburt, am 4. Mai, hatte meine Mutter, zugleich mit meinem Vater, sich aus ilner Wohnung, in einem gehöftartigen, ganz bäuerlichen Hause an der Ecke der damaligen Arena- und Pteiffergasse, vor den Kugeln der Ofner Festung, die Pest beschossen und die ganze Theresienstadt bestrichen, ins Stadtwäldchen geflüchtet, wo sie zwei fürchterliche Nächte vollkommen schutzlos bivouakieren mußte. Sie war damals in größter Gefahr, ihre Schwangerschaft vorzeitig unterbrochen zu sehen. Ich war sehr nahe daran, vor meiner Geburt ein Opfer der Politik zu werden. Das Schicksal hat es anders gefügt. Es hat mir die Prüfungen und Verantwortlichkeiten des Lebens nicht ersparen wollen. Meine Mutter, die ich am 2. Jänner 1900 in ihrem fast Dr. Max Nordau *) Obige Selbstbiographie wurd«* von Dr. Nordau in den letzten Tagen für diu , Ungarische Wochenschrift* geschrieben und erscheint in der nächsten Nummer dieses Blattes. Dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Herrn Chefredakteurs Julius Gabel sind wir schon heute in der angenehmen Lage, die bisher ausführlichste Selbstbiographie Nordaus, in der alle seine Beziehungen zum Judentum eingebend geschildert sind, anläßlich seiner 60jährigen Geburtstagsfeier abzudrucken. (Anm. d. Red.) vollendeten 87. Lebensjahre verloren und im Pariser Monlparnasse-Friedhofe begraben habe, war eine geborene N e 1 k i n aus Riga, hat jedoch als Vollblutjüdin natürlich mit der gleichnamigen, wohlbekannten kurländis'hen Freiherrenfamilie nicht das geringste geinein. Mein Vater, Rabbi Gabriel ben Oser ben S i m cha Südfeld — den Namen Nordau führe ich gesetzlich seit dem 11. April 1874 — ist 1799 in Krot oschin, Großherzogtum Posen geboren und 187üf in Budapest gestorben, wo er auf dem jüdischen Friedhof an der Waitznerslraße begraben ist. Ich will bei meiner Abstammung nicht lange verweilen. Mein „Jichus" ist der Gegenstand meiner Erbauung im Familienkreise und interessiert Fernstehende schwerlich. Ich erwähne also nur, daß meine väterlichen Vorfahren seit 1671 ununterbrochen in Krotoschin angesessen und vom ältesten Sohn auf den ältesten Sohn stets Rendanten — in Ungarn sagt man Sekretäre — der dortigen hochangesehenen Judengemeinde waren, von dem Rabbi Josef, der aus Saloniki nach Wien gekommen, mit der dortigen Gemeinde zugleich vertrieben und von seinem Freunde Rabbi Menachem Mendel Auerbach nach Krotoschin berufen worden war und von da ab bis an sein Lebensende mit Märtyrerstolz immer nur „mi'gorschi viena" unterzeichnet hat, bis zu seinem siebenten Mannesstamni, meinem 1882 verstorbenen Veit er Wiener. Mein Vater war seinem Berufe nach Rabbiner.