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Neue Nationalzeitung · 1909-07-16 · Heft 15 (16.7.1909) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 15 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „Neue National-Zeitung" Nr. 15 gegenüber, die wir nicht zu ändern vermögen. Belehrung kann viel nützen, vielleicht auch eine ästhetischere Gestaltung unserer religiösen Funktionen. Wie soll man aber gegen den Geist der Zeit ankämpfen?« Die Dame (zitierend): >Was Ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herren eigener Geist. < Der Kaufmann : »Da stimme ich wirklich mit Ihnen, gnädige Frau, und mit dem Herrn überein, der diese wahren Worte gesprochen.« Der Lehrer (dozierend): »Goethe sagt dies im ,Faust4.« Der Kaufmann: ,,Goethe hin, Goethe her, aber der Satz paßt großartig auf unser heutiges Judentum.« (Der Regen hört nach und nach auf.) Der Rentner (fühlt sich wieder ganz als Mitglied der Kultus-Gemeindevertretung): >Sie haben, Herr Professor« (der Lehrer verbeugt sich wieder sehr geschmeichelt), »vorhin etwas von ästh —« Der Lehrer (artig einfallend): »ästhetischer Gestaltung der religiösen Funktionen, d h. von der Schönheit gottesdienstlicher Handlungen — —« Der Rentner: »Ganz richtig, ich verstehe, also von einem schönen Gottesdienste haben Sie gesprochen. Aber ich sage Ihnen, je schöner der Gottesdienst und gemischter der Chor ist, ich meine aus Damen und Herren, auch christlichen, je schöner und lieblicher die Predigt, desto leerer ist es in der Synagoge. Ich pflege auch in den Tempel zu gehen, freilich an Samstagen seltener, aber zur ,Seelenfeier' gehe ich immer: da ist es voll im Tempel; kaum aber ist das ,Seelengedächtnis' vorüber, laufen die Leute aus der Synagoge, als könnten sie das Ende nicht erwarten. Schließlich verüble ich es ihnen nicht, es geht eben jeder seinem Geschäfte nach. Und, ich leugne es nicht, unser Gottesdienst dauert etwas zu lange. < Die Dame (überlegen): »Dann machen Sie ihn kürzer.« Der Rentner: «Leicht gesagt, meine Gnädige, aber, verzeihen Sie, Sie kennen die Verhältnisse im Judentume nicht. Wir müssen auch auf den Herrn Oberrabbiner Rücksicht nehmen. Der Vorstand ist zwar die allein leitende Behörde in der Gemeinde, aber, da die Kenntnis des Judentums den Meisten fehlt, müssen wir in allen religiösen Fragen uns an den Oberrabbiner wenden. Und der wird zu Neuerungen kaum seine Zustimmung geben. In diesen Angelegenheiten bleibt er konservativ.« Der Kaufmann: »Wenn ich Sie, lieber Freund, recht verstanden habe, huldigen Sie und Ihr Oberrabbiner dem Grundsatze: Lassen wir alles gehen, wie es geht, und das nennen Sie konservativ'.« — Der Lehrer (dozierend, einfallend): »Laissez faire, laissez aller.« Der Kaufmann : »Was soll es mit Ihrem Latein oder Französisch? Aber eine Lehre habe ich doch aus diesen Gesprächen geschöpft. Euch Führern im Judentum sind die brennenden Fragen, die an unsere Türen pochen, wie der Regen draußen an die Fenster schlägt, gleichgiltig geworden. Man läßt aus Bequemlichkeit alles seinen Weg gehen, wie der liebe Gott will, und spricht von konservativem Wesen, Ueber die Gründe der Abfall-Krankheit mögen wir uns, mehr oder weniger im klaren sein, aber über die Art der Heilung will man sich die Köpfe nicht zerbrechen. Das Uebel vergrößert sich von Tag zu Tag, zersetzt bereits den ganzen Körper, aber die Aerzte, und die es sein wollen, sind sich teils der Mittel zur Heilung nicht bewußt, teils wenden sie diese aus Trägheit und weil sie vielfach anzustoßen fürchten, nicht an.« Der Lehrer (wichtigtuend): »Sehr richtig.« t Der Rentner (verlegen): »Sie mögen recht haben, lieber Freund. Ich werde einige ihrer Worte, wenn Sie es gestatten, in der nächsten Sitzung unseres Komitees zur Untersuchung der Gründe der Austritts-Bewegung anführen. Doch, was seh' ich. Es hat wirklich zu regnen aufgehört. Der — Plu —« Der Lehrer (einfallend): »Pluvius.« Der Rentner: »Richtig, er hat sieh unser erbarmt. Gehen wir ein wenig spazieren.«; Der Kaufmann : »Gehen wir lieber essen.« Die Dame : »Bin auch der Ansicht. Aber sicher ist: die zwei größten Rätsel unserer Zeit sind und bleiben doch: Frauen und — Juden.« bisfe der Ausgetretenen. Vom 1. bis 13. Juli 1909. Nr. 279—301. Altmann Leiser, Bestellter am Viehmarkt, geb. 15. März 1870, Drohobycz, Galizien, III., Salmg-asse 15. Breitenfeld Max, Musiklehrer, geb. 8. Jänner 1860, Luze, Bezirk Hohenmaut, VII., Neusitiftgasse 15. Broch Hermann, Privatier, geb. 1. November 1886, Wien, I., Gonzagagasse 7. Broch Friedrich, stud. techn., geb. 17. Dezember 1889, L, Gonzagagasse 7. Dawidowicz Dr. Stefanie Melanie, praktische Aerztin, geb. 10. August 1880, Czernowitz, Bukowina, VIII., Wickenburggasse 20. Kern Bruno, geb. 2. Jänner 1885, Wien, I., Universutätsstraße 11. Kern Johann Jakob, PnvaitieT, geb. 19. Oktober 1879, Wien, I., UniversLtätsstraße 11. Koch Karl Michael, Realschüler, geb. 22. Dezember 1893, Wien, XII., Tichtelgasse 23. Kraemer Siegfried, Kanzleibea;mter, geb. 7. März 1885, Wien, I., Rudolfspkubz 5. Maier Dr. Maximilian, k. k. Bezixksarzt, geb. 28. Dezember 1868, Gaya, Mähren, XIX., Arbesbachgasse 21-. Mautner Viktor, Ingenieur, geb. 23. Juli 1883, Prag, III., Iiadetzky.straße 6. Morawitz Hugo, Ingenieur geb. 22. DezembeT 1874, Wien, VI.. Kasernengasse 26. Morawitz Anna, geb. Bellak, geb. 2. Oktober 1883, Wien. VI., Kasernengasse 26. Morawitz Leonie, Private, geb. 17. Oktober 1888, Wien, I., Schwarzenbergplatz 17- Scheer Oskar, geb. 22. Juni 1886, Wien, XX., Hannovergasse 10. Stern Georg, Studierender, geb. 14. März 1889, Wien, VII., Mariahilferstraße 4. Weiß Berta, Kunsitstickerin, geb. 12. Juli 1889, Wien, VII., Neu bau gas se 27. Treiber Hersch, Reitbursche, geb. 4. Februar 1882, Rawa- Ruska, Galizien, II., Sterneckplatz 18. Palme Emilie, geb. Popper, Oberkellnersgattin, geb. 5. März 1865, Friedland, Böhmen, V., Schönbrunnerstraße 94. Kreilisheim Gisela, gel). Hahndel, PoMzett-Obe.rkommis;särsgaitlfcin, geb. 10. Dezember 1879, St. Pölten, Wien, XVIII., Hofstaittgasse 14. Gärdony Hans, früher Singer, Privatier, geb. 19. Dezember 1888, Wien. IX., Thurngasse 11. Berg Bela, Dr. Phil., Privatier, geb. 15. März 1883, Veszprim, Ungarn, Wien, IX., Porzellangasse 24 a. Gottmann Leni, geb. 20. November 1883, Wien. (Laut Zuschrift des Rabbinates Budapest, ddo. 6. Juli 1909.) Büchereinlauf. Emil Lehmann: Gesammelte Schriften. 2. Auflage. Verlag von G. Weiskes Buchhandlung in Dresden. Edmund Edel: Der Witz der Juden. Verlag von Louis Lamm, Berlin 1909. Max Weinberg: Ewige Weisheit. Spruchpoesie des Talmud. Verlag von Qbto Hendel, Halle a. S. Prof. Dr. J. Hirsch: Gedenkreden über Oberrabbiner Markus Hirsch. Frankfurt a. M. 1909. Max Nordaus Zionistische Schriften. Jüdischer Verlag, Köln- Leipzig. Jacques Jäger: Wiener Almanach. Jahrbuch für Literatur, Kunst und öffentliches Leben. Wien und Leipzig. 1909. Prof. Dr. Leopold Cohn: Schriften der Jüdisch-Hellenistischen Literatur. 1. Band: Die WeTke Philos von Alexandria. (Erster Teil.) Verlag von M. & H. Marcus. Breslau 1909.

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