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Neue Nationalzeitung · 1909-07-16 · Heft 15 (16.7.1909) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 15 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NSU5 HKIONßL-ZQCÜNG XI. JAHRGANG. WIEN, 16. JULI 1909. Nr. 15. Graf Kasimir Badeni und Dr. Theodor Herzl. (Reminiszenzen.) Die österreichischen Juden haben keinen Anlaß, dem ehemaligen galizischen Statthalter und österreichischen Ministerpräsidenten Grafen B a d e n i, der vor wenigen Tagen gestorben ist, eine Träne nachzuweinen. In seinem Verhalten gegenüber den Juden war und blieb er als Statthalter immer der unverfälschte Schlachzize. Bis auf einige Moszkos, die er durch Jargon-Ansprache bevorzugte und zu Auszeichnungen empfahl, hatte er für die politischen und wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung gar kein Verständnis. Bei den Wahlen, die er mit „eiserner Faust" machte, kamen die Juden für ihn nur als Stimmvieh in Betracht. Sie mußten parieren; die Bezirkshauptleute hatten unter ihm volles pouvoir, um die Widerspenstigen zu zähmen. Erst als er nach Wien zur Leitung der Regierung berufen wurde, kam er mit Juden in Berührung, die er respektieren, ja, um deren Gunst er buhlen mußte: mit den Leitern der Wiener Presse. Er wußte diese Leute mit einer bestrickenden Liebenswürdigkeit zu behandeln und er gewann ihre Sympathien. Herr Dr. Bacher von der „Neuen Freien Presse" und Herr Wilhelm Singer vom „Neuen Wiener Tagblatt" pflegten sich sehr oft bei ihm Informationen zu holen. Bis er seine deutschfeindlichen Sprachenverordnungen erließ und sich damit die Gunst jener „mosaischen" Beschützer des Deutschtums in Oesterreich verscherzte. Um diese Zeit wurde Graf B a d e n i auch mit Dr. Herzl bekannt. Ich hatte Herrn Stanislaus von Kozmian, den politischen Lehrmeister und Berater Badenis, mit Dr. Herzl in Verbindung gebracht, auch gelang es mir, Herrn v. Kozmian, dessen dreibändiges Werk über die polnische Revolution im Jahre 1863 ich damals in deutscher Bearbeitung herausgab, zu bewegen, den soeben erschienenen „Judenstaat" im Petersburger „Kraj" zu besprechen. Durch Kozmian wurde dann Dr. Herzl beim Grafen Badeni eingeführt. Graf Badeni hätte sehr gerne die journalistische Unterstützung Herzls gewonnen. Die „Presse" (das offiziöse Organ der Regierung), die unter dem alten Lecher recht langweilig war, sollte einen neuen, modern geschulten Chefredakteur erhalten. Diese Stelle bot Graf Badeni dem Dr. Herzl an. Herzl refusierte; er zog es vor, seine Stelle bei der „Neuen Freien Presse" beizubehalten. Nichtsdestoweniger blieb Dr. Herzl mit Badeni in regem Verkehr; er glaubte durch ihn die Idee des „Judenstaat" zu fördern. Die persönliche Verehrung Dr. Herzls für Badeni war eine derartige, daß er mir die heftigsten Vorwürfe machte, als ich anläßlich der allgemeinen Reichsratswahlen im März-Hefte 1897 der vom Reichsrats- Abgeordneten E. Pernerstorfer herausgegebenen „Deutschen Worte" in einem großen Leitartikel „Die Ruthenen und die sogenannten galizischen Wahlen" die Wahlpraktiken Badenis scharf kritisierte. Als dann am 25. September 1897 das Duell Badeni -Wolf stattfand, nahm Herzl in einer für „Die Welt" geschriebenen Notiz für Badeni Stellung. Ich konnte nur dadurch die Veröffentlichung dieser meines Erachtens vom freiheitlichen und demokratischen Standpunkte unangebrachten Apotheose eines Badeni verhindern, daß ich meinen Austritt aus der Redaktion in Aussicht stellte. Die Notiz ist auch nicht erschienen. Dr. Herzl konnte mir aber diese Episode nie verzeihen. Er erklärte mir, daß er erwartet habe, ich werde mit ihm stets „durch dick und dünn gehen".. . . Dr. S. R. Landau.

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