Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 11 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Neue National-Zeitung" Nr. 11. liehen Götzendienste vertauschen sollte, dann müsste ich mich im Grabe umdrehen." So floss das Leben dahin, Daniel und Nathan waren ungeheuer reich und überall gern gesehen, in der Gesellschaft, am Hof und in jenen hohen Kreisen, die man sich durch pecuniäie Opfer verpflichtet. Daniel gieng daran, sich zu verehlichen. Gerade für ihn f?nd sich die Tochter eines armen Fürsten. Aber er musste seinen Glauben verlassen. Der Vatikan verlieh ihm sogar eiren Titel Der Sohn des Geldverleihers aus den Tuchhallen gelangte in höhere Sphären der politischen Welt Er überlegte nicht lange. Als sein Bruder wieder heim kam, war er bereits christlicher Graf. Zwischen den beiden Söhnen Gideons kam es zu keinen aufregenden Szenen, Nathan hegte für alles Verständnis. Nur ein Gedanke plagte ihn. ' — „Ich^gebe ja zu,a sagte er, „dass die Christen lediglich eine Sekte Israels und Söhne der Synagoge sind, und dass du im Geiste unserem Glauben treu bleibst. Es ist aber Tatsache, dass wir unserem Vater einen Eid geschwoien haben. .... Er hat alles geahnt, was da kommen wird. Und denkst du daran, was er sagte! „Ich werde mich im Grabe umdrehen." — „Das spricht man so." — „Gideon, der Sohn Mänasses, war kein Mensch, der nur so sprach, um zu sprechen. Denke nur Daniel, wenn wir die Steinplatte vom Grabe unseres Vaters aufheben und wtnn sich vor unseren Augen . . . Die beiden Brüder, die einst unzertrennlich Wären, wurden immer fremder .gegenejnan4er. DanXei leichtsinnig und lebensfroh, ein Edelmann nicht ohne Arroganz, von seiner christlichen Gattin gründlich betrogen, aber mit deren Hilfe ein grösser Herr; Nathan missmutig, verdrossen, heimlich eifersüchtig' wegen dieses Glückes, das nach seiner Ansicht viel zu schwer bezahlt wurde. Wenn sie beide eine Geschäftsangelegenheit einmal für einen Tag zusammengeführt hatte, da kehrte Nathan stets zu seinem Lieblingsthema zurück: „Unset Vater wird sich im Grabe umdrehen." Daniel pflegte darauf nichts zu antworten, sondern brach das Gespräch ab. Plötzlich änderte sich die Physiognomie Nathans. Er donnerte nic'it mehr über die Fehler anderer, er wurde sogar tolerant Daniel war sehr erstaunt über diese Aenderung, umsomehr, als ihm sein Bruder an die Worte des Vaters nicht mehr zü erinnern pflegte. Endlich fand er des Rätsels Lösung: Nathan hatte selbst das Christentum angenommen und wurde zum glücklichen Gatten einer Witwe, die zwar kein Vermögen besaß, aber doch vom Herrscher das Recht erlangte, den feudalen Titel ihrer in der männlichen Linie ausgestorbenen Familie deni Gatten zu übertragen. — „Also", rief Daniel wütend, als er davon hörte, „dazu hast Du mich so gequält und mir stets von dem Vater erzählt, um Dich selbst taufen zu lassen? Und ich Schwachkopf hatte noch Gewissens bisse. Trotz meiner glücklichen Miene wälzte ich mich schlaflos im Bette herum. Es gab Momente, da ich daran dachte, zur Synagoge zurückzukehren. Wenn es also wahr ist, was Du mir gesagt hast, daß sich unser Vater wirklich im Grabe umgedreht hat, dann trägst auch Du einen Teil der Schuld. Was hast Du also darauf zu antworten?" — „Ich erkläre", antwortete Nathan ohne jede Erregung, „daß ich in dieser ganzen Affine mich als der beste Sohn bewiesen habe. Ich habe nichts zu widerrufen. Du t ägst die Schuh1, daß sich unser Vater Gideon, der Sohn Manasses, zweifellos im Grabe umgedreht hat. Allem Dank meinem Entschlüsse hat er sich gewiss zum zweitenmal treu seinem feierlichen Versprechen umgedreht —.-und nun ruht er jetzt, wie wir ihn bestattet habtn und wie er für immer bleiben mag. Ich habe Deinen Fehler gutgemacht Unser Vater verzeiht Dir Ich nehme dafür Deinen Dank an." fcisfe der Ausgetretenen. Vom 4. bis 18. Mai 1909. Nr. 180—201. Ernst Paul Dr. k. k. Supplent, geb. 1885, Wien, I., Gonzagagasse 21. Fantl Friederike geb. Grossmantv. Private, geb. 1885, Wien, I, Schönlaterngasse 13. Feigl Alfons, geb. 1850, Urfahr, V(., Theobaldgasse 16, Fried Oskar, Privaibeamter, geb. 1879, Wien, Charlottenburg. Kohn Katharina, Handarbeiterin, geb. 1891, Wien, XVIII., Karl Beckgasse 35. Nettel Feli/, Fabriksdirektor, geb. 1865, Glogau, 1V„ Mittersfeig 3 Prauss Leopold, Bergwerksbesitzer, geb. 1893, Jaroslau, IV., Gusshausstrasse 19. Schulhof Hanns, geb. 1884, Krakau, Fuchsthalergasse 12. Steiner Janos, Bankbeamter, geb. 1884, Budapest, IX.. Johann Straussgasse 34. Stern Adolf, Witwer, geb. 1853, Wien, 11., Franzensbrückenstrasse 6. Zimmermann Betti, geb. 1888, Odessa, II., Ob. Augartenatr. 16. Fein Franziska, geb. 7. Juli 1888, Wien, IX.. Universitätsstr. 6\ Schwarz Leopoldine, geb. 22. Mai 1875. Szenicz, VII., Zieglergasse 88. Bann Oskar, Ingenieur, geb. 9. Oktober 1883, Otimores, IV.,' Mittersteig 9. Bajoti Andreas, Student, geb. 1. Mai 1890, Kapösvar, VIII., Wickenburggasse 16. Bettauer Marie, geb. 13. November 1888, Zürich, I., Johannesgasse 16. Steiner Sofie, geb. 31 Dezember 1878, Wien, III., Jaquing. 1. Schlemmet Lina, geb. 8. Juii 1879, Varos-S/alonak, X., Laxenburgerstr. 9. Wappner Richard, Gymnasiast, geb. 6. April 1891, XV., Mariahilferstr. 158. Alt Robert, Fleischhaner, geb. 5 Juni 1882, Bisenz, XlX., Iglaseegasse 29. - AUFRUF! .In dem neuerbauten jüdischen Gemeinde- und Nationalhause in Czernovvitz soll auch eine jüdische V o I k s b i b I iothek und Volkslesehalle eingerichtet werden. Da es aber der Kultusgemeihde an hiezu erforderlichen Büchern und Zeitschriften zur entsprechenden Dotierung dieser Bibliothek und Lesehalle gernicht, und der Gemeinde keine Geldmittel zur Einrichtung einer solchen Bibliothek zur Verfügung stehen, das allgemeine Interesse der Volksbildung aber das Inslebentreten di«*ser Volksbibliotlu k und Volkslesehatle d r i n - gend erheischt, ric tet hiemit der gefertigte Kultusvorstand in erster Linie an die geehrten Mitglieder unserer Kultusgemeiride und. ebenso an unsere Volksgenossen ausserhalb derselben das dringende Ansuchen: Bücher, Werke, Broschüren und Zeitschriften literarischen und wissenschaftlichen Inhaltes — in welcher Sprache immer — dem Vorstande der hiesigen israel. Kultusgemeinde behufs Einverleibung in unsere Volksbibliothek schenkungsweise zu überlassen. Auch Geldbeiträge zu besagtem Zwecke — mögen sie noch so gering sein — werden dankbarst entgegengenommen und öffentlich ausgewiesen,; Czernowitz, im Mai 1909. Für den israel. Kultus-Vorstand: i Der Präses: Dr. Straucher.