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Neue Nationalzeitung · 1909-05-07 · Heft 10 (7.5.1909) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 10 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „Neue National-Zeitung" Nr. 10. Daniel und Nathan, die in diesen Anschauungen erzogen wurden, hegten eine stumme Veehrung für die väterliche Autorität. Seit den Zeiten der Patriarchen ist bei Israel das Familienhaupt wie bei allen Völkern des Orients ein schrankenloser Herrscher. Die Söhne Gideons dachten daher garnicht daran, ihrem Vater seine Freigiebi^keit vorzuwerfen. Wie ihm, so galt auch ihnen der Dienst Jehowas als der höchste. Uebrigens waren sie, von ihrem Vater in alle Iransaktionen und in die Kunst weniger zu geben und mehr zu nehmen eingeweiht, ihrer Unbesiegbarkeit sicher. „Sie haben mehr als Geld," pflegte Gideon zu sagen, „sie verstehen, es zu machen." Nur in einer Beziehung hat ein Keim des Missverständnisses in der Familie bestanden. Gideon setzte als ein reicher Mann seinen Stolz daran, bescheiden zu leben. Er wollte es nie dulden, dass in seinem Hause mehr als ein Dienstbote beschäftigt sei. Die Söhne dagegen sahen ihr Vergnügen darin, andern zu imponieren. Da sie dazu keine Mittel besassen, so dachten sie lediglich an Etablierungen. Während der langen Winterabende war nur davon die Rede. Gideon hätte nichts dagegen einzuwenden, aber ein Gedanke machte ihm Schmerrzen: er hätte nicht gerne seine Nachkommenschaft nach den Städten des Westens geschickt. Denn hier musste man sich des langen Kaftans entledigen und sich von den ringeiförmigen Löckchen an den Schläfen trennen. Er legte denselben gewiss keine grosse Bedeutung als äusseren Wahrzeichen bei, allein er sah darin eine demütigende Konzession. (Schiuss folgt.) fciferafur. Neue Gutachten über das judisch-rituelle Schlachtverfahren (Schächten). Gesammelt von Dr. Hirsch Hildesheimer. Herausgegeben vom Verband der deutschen Juden. Berlin 1908. In Berlin besteht eine „Kommission zur Abwehr der gegen das Schächten gerichteteten Angriffe", zu welcher die Vertreter nachstehender Korporationen gehören: des Verbandes der deutschen Juden, des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, des Rabbiner-Verbandes in Deurscnland, des Rabbinats der jüdischen Gemeinde in Berlin. Im Auftrage dieser Kommission hat Dr. Hirsch Hildesheimer, der unermüdliche Kämpfer gegen die fortgesetzten Versuche, das Schächtverbot auch auf Deutschland auszudehnen, eine neue Sammlung von Gutachten erscheinen lassen, die sich für die jüdische Schlachtmethode aussprechen. Eine erste solche Sammlung ist bereits im Jahre 1894, unmittelbar nach dem Schächtverbot in der Schweiz, erschienen, ein Nachtrag dazu im Jahre 1902. Nun ist wieder ein stattlicher Band von Gutachten zusammengestellt worden. Es sind im ganzen 458 Gutachten, teils in längerer Begründung, teils kurze Meinungsäusserungen. Die meisten stammen aus Deutschland; von anderen Ländern sind versteten Oesterreich, die Schweiz, Holland, Dänemark und Italien. Es kommen darin zu Wort Universitätsprofessoren, Direktoren und Professoren von tierärztlichen Hochschulen, Tierärzte, Schlachthofdirektoren und Fleischerinnungen. Die Gutachten sind darin einig, dass das jüdische Schlachtverfahren keine Tierquälerei enthält, da der Schnitt selbst, mit scharfem Messer geführt, keinen Schmerz verursacht und durch das schnelle Durchschneiden der Halsadern das Bewusstsein des Tieres in kürzester Frist aufgehoben wird. Daneben wird hervorgehoben, dass das Fleisch geschächteter Tiere für den Genuss gesünder ist. Die Gutachten aus Oesterreich-Ungarn befinden sich auf Seite 15—21. Wir finden hier die ersten Autoritäten wie Hofrat Siegmund E x n e r, Hofrat Zuckerkandl und Professor Paltauf in Wien, Hofrat Spira in Prag, Professor Beck (Lemberg), Professor Hofmann in Innsbruck, Pofessor Hall in Graz, Professor von Klug in Budapest u. s. w. Sie sind alle der gleichen Ansicht, dass das Schächten keine Tierquälerei, sondern vielmehr eine der geeignetsten Schlachtmethoden ist. Diese Gutachten-Sammlung ist auch für Oesterreich von besonderer Wichtigkeit, da bekanntlich der antisemitische Wiener Gemeinderat im Jahre 1905 versucht hat, das Schächten in Wien zu verbieten. Sowohl die Statthaiterei als das Ministerium des Innern haben jedoch dieses Verbot mit der gleichen Begründung, dass „von einer Miisshandlung der Tiere odt r Tierquälerei nicht gesprochen werden kann", aufgehoben. Israels Kunst- und Geistesleben im Wort und zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Unier diesem Titel e<scheint in nächster Zeit ein lexikalisches Lieferungswerk, das eine Lücke in der Literatur des Judentums auszufüllen berufen sein wird. Laut dem uns vorliegerden Prospekte soll dieses Werk, abweichend von den Gepflogenheiten ähnlicher literarischer Unternehmen, ein Sammelwerk für den kommenden Historiker des jüdischen Volkes werden. Nicht trockene Ziffern und Daten, sondern anschauliches Material voll Farbe und Leben, aus der starken Gegenwart des jüdischen Volkes herausgegriffen und sorgfältig für die Arbeit des Historikers geordnet, soll in dem Werke niederlegt werden. Das Werk wird in zwei Teile geteilt: a) Der Anfang des 12. Jahrhunderts und b) bis zum 20. Jahrhundert. Das erste Heft soll bereits Ende Mai erscheinen. Lüste der Ausgetretenen. Vom 21. April bis 3. Mai 1909. Kassowitz Julie, geb. 8. Dezember 18S2, Wien, XVII., Geroldgasse 7. Kohn Hulda, Private, geb. 19. Mai 1890, Wien, 11., Lilienbrunngasse 7. Löwy Valerie, Private, geb. 25. Mai 1S75, Floridsdorf, XXL, Störkgasse 0. Lukäcs Beia Imre, Jurist, geb. 18. Juli 1885, Szegedin, XIIL, Raschgasse 6. Schönberger Ivan, Studierender, geb. 23. Juli 1889, Wien, VII., Mariahilferstrasse 80. Spitzer Irene, geb. Manuel, Inspektorsgattin, geb. 16. Oktober 1856, Brunn. N, Kaiser Josefstrasse 3G. Stark Benedikt, Zahntechnikergehilfe, geb. 27. Oktober 188S, Podgorze (Galizien), IX., Löblichgasse 5 Veisz Benci, Kleidermachergehilfe, geb 31. Jänner 1880, Vagas, V., Reinprechtsdorferstrasse 47. Wassermann Richard, Ingenieur, geb. 14. Dezember 1881, Trebitsch, II., Darwingasse 37. Schönberger Ivan, Kadett, geb. 23. Juli 1889, Wien, VIL, Mariahilferstrasse 80. Salzmann Leonore, geb. 7. Feber 1884, Ismail (Bessarabien), IX., Porzellangasse i;2. Glaser Bertha, geb. 23. Dezember 1882, Prag, IX., Lazarethgasse 12. Fuchs Arthur, Bankbeamter, geb. 30. Juli 1879, Wien, XIX., Sieveringerstrasse 110. Landau Bertha Alice, geb. 8. Jänner 1880, Hamburg, IV., Heugasse 10. Landau Ernst, Hauseigentümer, geb. 3. Mai 1870, Wien, IV., Heugasse 10. Strasser Hilda, geb. 3. Juli 1886, Bukarest, IV., Frankenberggasse 6. Müller Stefanie, geb. 21. März 1895, Wien, II., Kastellezgasse 8. Plenk Olga, geb. 18. Feber 1883, Wien, VIII., Bennogasse 29. Dr. Berger Richard. Bankbeamter, geb. 19. November 1885, Wien, I., Salzthorgasse 7. Vogel Hermine, geb. 24. Feber 1880, Becvar, Ii., Mossgasse 8. Herschtnann Hans, Handelsakademiker, geb. 19. Juli 1890, Saaz, IV., Gusshausstrasse 3 Krishaber Klara, geb. 17. Dezember 1883, Marchegg, Trautmannsdorf. Briefkasten der Administration. Jüdisches Kasino in K. Ihr Abonnement läuft ab am 30. Juni. An unsere Abonnenten. Unsere Prämie kommt stets mit den auf der Empfang der Pränumeration folgenden Nummer zur Versendung. Dr. R. Das Inserat kostet pro Mal 3 K. 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