Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 9 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425773-2425783--1317-2427666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 0 „Neue National-Zeitung" Seite 9 Bis zum Jahre 1713 bestatteten die Juden von Hamburg-Altona und Wandsbek ihre Toten auf dem Friedhof an der Königstrasse zu Altona Als im genannten Jahre Hamburg von der Pest heimgesucht wurde, fürchtete die dänische Regierung eine Ausbreitung der Seuche auf ihr Gebiet und entzog den Hamburger Juden vorübergehend das Recht der Benützung des Altonaer Friedhofs. Das hatte die Gründung eines eigenen jüdischen Friedhofs für die portugiesische und deutsch-is aelitische Gemeinde am Grindelhof zur Folge. Hier wurde als erster der 92jährige Lazarus Herz beigesetzt. In der Mitte des Friedhofs erhebt sich ein kleiner Hügel, unter dem die an Pest Verstorbenen ruhen. In den Jahren 1806, 1816 und 1832 wurde der Friedhof vergrössert. Als Anfang 1835 von der holsteinisch-dänischen Regierung wegen einer vermeintlichen Geldfoi derung ein Verbot erlassen wurde, hamburgische Leichen in Altona und Wandsbek zu bestatten, musste der Friedhof abermals erweitert wurden, was 1837 geschah, und endlich erfolgte 1864 infolge Durchlegung der Verbindungsbahn ein Terrainaustausch und damit wieder eine Vergrösserung. Die letzte Bestattung war am 2. Februar die des Herrn Gustav Tuch. 400.000 Francs für die Pariser Allianz. Die in Paris wohnhafte Witwe des Militärarztes Felix, die vor wenigen Wochen heimgegangen ist, hat der Ecole Normale Orientale, d. i. der Alliance Israelite Universelle, viermal hunderttausend Francs vermacht. Jüdische Handwerkerschulen in Russland. Vor kurzem fand in Petersburg die jährliche Generalversammlung der jüdischen Handwerks-Gesellschaft unter M. Winawers Leitung statt. Aus dem erstatteten Kassabericht geht hervor, dass die Einnahmen der Gesellschaft im Jahre 1908 etwa 38.000 Rubeln, die Ausgaben über 32.000 Rubeln betrugen. Es wurden verausgabt: für Handwerkerschulen und Handwerkerklassen an den Elementarschulen 13.771 Rubel; für Mädchen-Handwerksschulen 2154 Rubel; für professionelle Ausserschuibildung 505 Rubel; für Handwerksinstrumente 2177 Rubel; für Beförderung von jüdischen Handwerkern in innerrussische Städte 2998 Rubel; für Erdarbeiter 2625 Rubel. Die Versammlung beschloss, neue Abteilungen der Gesellschaft in Uman und in Hornel zu gründen. Heisse Quellen in Palästina. Aus Jaffa (Palästina) wird der „N. J K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Die heissen Schwefelquellen bei Tiberias, die wegen ihrer grossen Heilwirkung bei Rheumatismus und Hautleiden seit dem Altertum berühmt sind und in jedem Jahr von vielen Tausenden aus Syrien und Palästina besucht werden, sind in diesem Jahr auf die Initiative des Palästina-Industrie- Syndikats von Juden aus Tiberias gepachtet worden. Es wird dafür Sorge getragen werden, dass die Bäder, die unter dem bisherigen arabischen Pächter für europäische Ansprüche an Sauberkeit und Bequemlichkeit fast alles zu wünschen übrig Hessen, in einen besseren Zustand kommen und all n Ansprüchen an Reinlichkeit und Bequemlichkeit genügen. Es ist zu hoffen, dass hierdurch nicht nur die Juden in Palästina und Syrien in verstärktem Masse von der Heilkraft der Bäder Gebrauch macheu, sondern dass auch Juden von Europa die Bäder besuchen werden, die den Bädern von Aachen in der Heilwirkung ebenbürtig sein sollen. Die Bäder liegen landschaftlich sehr reizvoll und sind mit der Bahn von Haifa aus in 4—5 Stunden zu erreichen. Achmed Riza Bey für die Palästina-Kolonisation.*) Der Führer der Jungtürken, der bisher das Amt eines Kammerpräsidenten bekleidet und wol für die höchsten Ehrenstellen des ottomanischen Reiches in Aussicht genommen ist, äusserte sich dem neugewählten Chacham Baschi Nahoum gegenüber anlässlich seines Antritts - Besuches lolgendermassen: „Die Türken sind immer gegen die Juden tolerant gewesen. Wir lieben die jüdische Nation wegen ihrer offenbaren Intelligenz, ihrer grossen Aktivität, ihres Patriotismus und ihrer ausgesprochenen Liebe zu dem Ottomanenvolke. Jetzt, da wir unter einer konstitutionellen Regierung leben, ist zu erwarten, dass die Juden, die in Russland und Rumänien so hart verfolgt werden, in grossen Massen zu uns herüberkommen. Unser Vaterland ist gross genug und wir werden sie mit offenen Armen empfangen. Wir kennen die Kolonisationsbestrebungen der philantrophischen jüdischen Gesellschaften und wir werden sie unterstützen. Bei uns werden die Juden frei ihrer Religion leben können, ohne Furcht, verfolgt zu werden". Die jüdische Bevölkerung in England und den englischen Kolonieen. Das soeben erschienene Jewish Year Hook für 191)9 bringt neue Ziffern für die Zahl der Juden in England und seinen Kolonieen. Beruhen diese Ziffern auch zum größten Teil nicht auf Zählungen, sondern auf Schätzungen, so sind diese Schätzungen doch unter Heranzieiiung aller erschließbaren Informationsquellen gemacht worden und dürfen als der Wahrheit nahe kommend angesehen werden. Danach belief sich im |ahre 1908 die jüdische Bevölkerung in den britischen Inseln........auf 237760 „ Kanada und Britisch-Kolumbia . . . „ 600 0 „ Australien (Volkszählung 1901) . . . „ 15239 „ Neuseeland (Volkszählung 1906) . . „ 1867 „ Indien (Volkszählung 1901).....„ 18228 „ Südafrika.............„ 40000 „ Jamaika..........• . „ 2000 „ Trinidad und Barbados......„ 50 „ Gibraltar.............„ 1300 „ Cypern und Malta.........„ 185 „ Aden...............„ 3500 „ Hongkong und Strait-Settlements . . „ 680 Summa 380309 Unter den englischen Städten zählt London mit Vororten 140000 Juden, d. h. 58,33" ,, aller Juden Großbritanniens wohnen in dieser Stadt, in welcher die Juden trotzdem nur 2,11"/,, der Gesamtbevölkerung bilden. Dann folgen : Manchester mit 28000 Juden 5,15' „ der Ges.-Bev. Leeds „ 25000 „ --- 5,81 „ „ Liverpool „ 7000 „ 1,04 „ „ Glasgow „ 7000 „ 0.92,, „ Birmingham „ 5000 „ 0,95 „ „ „ Dublin „ 2700 „ 1,12,, „ Hull „ 2500 „ 1,24 „ „ Sheffield „ 2250 „ 0,27 „ „ „ Newcastle „ 2250 „ 0,85,, „ Edinburg „ 2350 „ 0,45,, „ Cardiff „ 1125 „ 0,68,, „ Sunderland „ 1100 „ 0,57,, „ Die übrigen Städte haben weniger als 1000 jüdische Einwohner. Empfang des Chacham Baschi beim Sultan.*) Ueber den am Freitag, den 19. März stattgehabten festlichen Empfang des Chacham Baschi beim Sultan wird berichtet: Um 12 Uhr mittags fuhren drei kaiserliche Hofwagen vor dem Hause des Chacham Baschi in Pera vor, um ihn nach dem Jildis-Palais abzuholen, wo der Empfang unmittelbar nach dem Selamlik stattfinden sollte. Der Chacham Baschi wurde vom Zeremonienmeister Talaat Bej und von dem ersten Kapukehaja abgeholt. Der letztere überreichte um 1 Uhr dem Chacham Baschi eine schriftliche Einladung des Sultans, woraufhin der Chacham Baschi sich sofort auf dem Weg über Galata nach dem Jildis begab. Im ersten Galawagen nahmen der Chacham Baschi und Talaat Bej und ihnen gegenüber der erste Kapukehaja Platz. Im zweiten Wagen sassen die beiden Vizepräsidenten des religiösen Rats und im dritten Wagen der Präsident und Vizepräsident des Nationalen Rates. Die Wagen wurden begleitet. Im Palais *) Wegen Raummangel leider verspätet. Die Redaktion.