Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 7 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Neue National-Zeitung" Nr. 7. Der Arzt, ein alter Bekannter, nimmt mich freundlich auf, ladet mich zum Sitzen ein, bietet mir eine Zigarre an, fragt mich, wie mir die Reise bekommen, ob ich schon im Tivoli gewesen sei und ob ich schon die neue Sängerin gehört habe: Chawe! Oj-oj, oj-oj Chawe! So singt der Arzt, und meine Frau begleitet ihn und ahmt die Bewegungen der Sängerin nach. Mir aber steigt das Blut zum Kopfe, mein Herz bebt und meine Hände zittern. Das erste, was mir in die Augen springt, ist ein grosser Leuchter, der auf dem Tische des Arztes steht. Ich halte mich aber zurück, sitze ruhig da, gleichgiltig, wie wenn alles in schönster Ordnung wäre! Mir ist alles gleichgiltig! Doch was sage ich! Gleichgiltig? Es brennt in mir! Es glüht! Ich platze vor Wut! Ich halte mich aber zurück. Ich beobachtete, ich studiere, ich will wissen, was aus den Menschen geworden ist? Woher diese Veränderung? Was bedeutet diese Melodie, diese neue Melodie, die überall auf der Gasse und zuhause zu jeder Zeit gesungen wird? Sogar im Traume höre ich dieses Lied. Sogar jetzt, da ich neben Ihnen sitze und erzähle, kommt es mir vor, als ob mir Jemand in die Ohren „Chawe! Oj-oj, oj-oj Chawe!" singen würde. Hören Sie nicht? Zeitschriften-Rundschau. Jüdische Monatsschriften. Von den vorliegenden Monatsschriften der letzten Monate verdient in erster Linie vermöge ihrer äußeren Ausstattung unsere Aufmerksamkeit „Ost und West". Aus dem Inhalte wären hervorzuheben ein Vortrag des Geheimrates Dr. Cohen: „Religiöse Postulate" und „Tagebuchblätter* von Dr. A. C o r a 1 n i k Zahlreiche Illustrationen zur „Josefsgeschichte in der bildenden Kunstu werden von G. Kutna textlich kommentiert. Das Märzheft ist zum grossen Teil dem Bildhauer Marcuse gewidmet, desseu Meisel die Statue Mendelssohns geschaffen hat. Recht lebhaft sind die „Londoner Bilder" von Max Schacherl. In der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" behandelt an leitender Stelle Dr. Jakob S e g a 11 .Die ausländischen Juden in München(Februar- und Märzheft.) Weiters finden wir eine Studie von M. Abraharao witsch: „Die" Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Wilna in den Jahren 1896 und 1897". Sehr lehrreich ist ebenfalls ein Artikel von N. W. G o 1 d s t e i n (New-York) „Zur Geschichte der Anti-Aliens-Bewegung in England", der die einzelnen Phasen dieser Bewegung analysirt und ihre antisemitischen Beweggründe darlegt. „Palästina", Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, ist ein Organ, dessen Lektüre jedem Freund der Kolonisation warm empfohlen werden kann. Keine bloßen theoretischen Betrachtungen, sondern Schilderung der wirklichen Verhältnisse in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung. In der vorliegenden Nummer wird das äußerst wichtige Kapitel der jüdischen Immigration von F r i t s c h- Lorch besprochen. Der Verfasser kommt zu folgenden Resultaten: Die jüdische Stadtbevölkerung hat in den letzten zehn Jahren um 60 °n, die jüdische Landbevölkerung um 25% zugenommen. Hand in Hand mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung vermehrt sich auch deren Bodenbesitz. Während zu Beginn der Achtziger ahre nur wenige hundert Hehtar in jüdischen Händen waren, stieg der jüdische Landbesitz von 25.000 ha im Jahre 1898 auf 32.000 ha im Jahre 1907, d. h. in zehn Jahren um 28 Prozent. Nimmt man die Gesamtbodenfläche Palästinas mit 27.000 qkm an, so sind heute bereits nahezu 15 Prozent des ganzen in festem jüdischen Besitz. Noch mehr verschiebt sie') das Verhältnis zugunsten der Juden, wenn man der Rechnung das gute, anbaufähige Land zugrunde legt. Von diesem dürften heute, nach nur 30jährigem Bemühen, wenigstens 5 Prozent in jüdischen Händen sein. Allerdings ist der Landerwerb den Juden ziemlich teuer zu stehen gekommen. Im ganzen kann man wohl die Summen, die zur Schaffung jüdischer Ansiedlungen in Palästina seit dem Beginn der Achtzigerjahre ausgeworfen wurden, auf rund 90 Millionen Franken angeben, wovon allein auf Rothschild über 70 (nach anderen Angaben etwas weniger) Millionen entfallen dürften. Das demnächst erscheinende Märzheft wird sämtliche Vorträge des jüngst in Wien staltgehabten Palästina-Seminars enthalten. * Eine neue Monatsschrift. In allernächster Zeit wird in München eine Monatsschrift erscheinen, die neben kulturell-literarischen Aufsätzen auch jüdische Politik behandeln will. Wie in eingeweihten Kreisen mit Bestimmtheit verlautet, ersteht dieses neue jüdische Organ unter Patronanz d?s „Hilfsverein der deutschen Juden", dessen Sprachrohr genanntes Blatt sein wird. Als Herausgeber fungieren die Zionisten Dr. S t r a u s s und Dr. E1 i a s b e r g. Bücftereinlauf. Judische Fragen Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten u. s. w. Verlag des Vereines zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl«, Wien 1909. Dr. H. Brody: Widerspricht der Zionismus unserer Religion? (II. Aufl.) Verlag M. W. Kaufmann in Leipzig 1909. Salmon Herz: Die nationale Goluspolitik. Lemberg 1909. (Jiddisch.) Jakob Mestel: Verchulemte Schuh'n. Lemberg 1909. (Jiddisch.) fcisfe der Ausgetretenen. Vom 10. bis 25. März 1909. Geiringer Ignaz, Kaufmann, geb. 31. August 1880, Wien, XVII.,. Urbangasse 16 Sekler Eduard, Schauspieler, geb. 6. September 1880, Brünn, II., Mathildengasse 2. Pelzer Klara, Advokatensgattin, geb. 4. September 1875, Prag, XHL, Suppegasse 10. Lucka Dora, geb. 1. Mai 1881, Wien, IX., Rossauergasse 4. Lehr Edith, geb. 28. August 1902, Wien, samt ihren Eltern in Marburg. Bett Max Karl, Photograf, geb. 19. April 1878, Wien, VIII., Lerchenfelderstrasse 48. Fischer Klara, Private, geb. 19. Juni 1831, Pressburg, I., Schottenring 35. Fischer Leo, Privatbeamter, geb. 11. April 1890, Wien, X.. Gudrunstrasse 142. Györi Elsa, früh. Gross, Privat, geb. 31. August 1882, Budapest, IX., Gl sergasse 4. Kohn Antonie Therese, geb. Janitschek, geb. 25. Juli 185? Wien, Pf. St. Stefan, V. Wiedner Hauptstr. 90. Marsik Mathilde, Goldstickerin, geb. 6. August 1878, Tomic (Böhmen), XIV., Johnstrasse 47. Pikholz Reiset, Private, geb. 17. Mai 1881, Lemberg, XX., Wallensteinstrasse 161. Rosenthal Dorothea, Schauspielerin, geb. 5. Juli 1876, Wien, IV., Margarethenstrasse 50. Rosenthal Bernhard Ernst, Journalist, geb. 15. Oktober 1877, München-Gladbach (Rheinprovinz), VIII., Florianig. 38. Rosenthal Theresia, geb. Grossmann, journalistensgattin, geb. 15. Mai 1877, Wallach.-Klobouk (Mähren), VIII., Florianigasse 38. Rosenzweig Henriette, Kleidermacherin, geb. 8. Juli 1864, Wien, X., Waldgasse 47. Steiniz Hermine, Private, geb. 15. Jänner 1884, Wien. III., Strohgasse 3. Wollstein Rudolf, Versicherungsbeamter, geb. 11. Juli 1880, Wien, derzeit München. Segall Hermann, geb. 18. April 1886, Wien, XVI., Thaliastrasse 10. Olah (Blau) Josef, Kaufmann, geb. 21. Jänner 1881, Mohacs, IV., Schwindgasse 19. Seligmann Walter, Student, geb. 15. Jänner 1889, Karlsbad, IX., Universitätsstrasse 4. Friedländer Max, Buchhalter, geb. 20. August 1880, Karolinenthal, XIX., Heiligenstädterstrasse 8. Hecht Adolf, Arbeiter, geb. 18. Dezember 1872, Wien, III., Kein^rgasse 24. Kurmann Robert, Kapellmeister, geb. 16. April 1879, Wien, II., Taborstrasse 45. Hochfeines natürliches Tafelwasser 1#| # 1 Natürlicher R HOT lj5,1u"rbrunn J VlV/wlWllU Lithion Quelle. von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberall zu haben. Niederlage: Wien, I., Sonnenfefegasse 4.