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Neue Nationalzeitung · 1909-03-12 · Heft 6 (12.3.1909) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 6 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 „Neue National-Zeitung" Seite 11 Park erfüllt, von Wein und krankem Laub und der Mond bestrahlte das traurige Fest. Josua Hess unter die Gaffer Wein und Geschenke verteilen und die alte eingedämmte und schlummernde Lebenslust wurde dadurch wieder geweckt und loderte wild und jäh empor. Männer mit bleichen Gesichtern kamen in besinnungsloser Ausgelassenheit, Frauen und Mädchen mit glühenden Augen und sie alle klammerten sich im Tanz aneinander, als ob sie das Leben noch einmal umfassen wollten, da es dahinging. Man bekränzte und schmückte sich mit Blumen, man zechte unter Gesängen an den Tischen, und Jünglinge knieten extatisch vor Eva und beteten ihre Schönheit an. Es kamen immer neue Züge von Menschen, angelockt von der hervorgebrochenen Lust, die sich über die ganze Stadt fortpflanzte. Eine seltsame, lodernde Schönheit strahlte aus den Gesichtern. Perez stellte sich auf einen Tisch hin und improvisierte; halbbetäubt, wie er war, flössen aus seinem Munde Worte wie die ein^s biblischen Sängers. Es kamen reichgeschmückte Edelleute mit ihren edlen und schöner. Frauen, es kam ein Zug von Maskierten: König David mit goldener Harfe, Jeremias und Barkochba, Ahasverus und Haman, Esther und Judith und sie behielten in einem rasch inszenierten Spiel lange ihre königliche Würde und Schönheit. Und ein grosses üppiges und strahlendes Weib in ärmlicher Tracht kam und zerrte ein klägliches Männchen mit sich, das eine Geige in der zitternden Hand festhielt. Es war Channa, des Musikanten Baruch schönes, vielbegehrtes Weib. Zwei mächtige Zöpfe fielen über den Rücken entlang, und es war lachende Sünde in ihren grossen schwarzen Augen, und wie lockende Sünde leuchteten ihre entblössten schneeweissen Schultern und Brüste. Baruch spielte, mit den zaghaften Tönen einer ängstlichen und leid vollen Seele und sein schönes Weib tanzte und wanderte von einen Arm in den andern. Sie schenkte sich mit wilden Küssen den dürstenden und liebehungrigen Jünglingen. Baruchs Geige beginnt zu weinen, wie er sein schönes Weib lachend dahinziehen sieht. Tief hinein ins Dickicht des Parks geht sie und wird dann jubelnd auf Händen getragen. Inzwischen wird Eva zum Tanz aufgefordert, um die Huldigungen einer königlichen Braut zu empfangen. Sie schmiegt sich zuerst an Antonius, und in einem sanften Rhytmus gleitet sie dahin, und dann sind es viele Hände, die sich ihr entgegenstrecken. In einer langen Reihe stehen die Männer vor ihr und sie wirft dem erwählten Tänzer das Ende ihres schimmernden Schleiers hin. Sie tanzt sich zu Tode und noch ist die Reihe nicht abgeschlossen. Plötzlich kommt ein jähes Erschrecken unter die Jubelnden und Besinnungslosen. Der Gaon steht mit einem Gefolge von tief ernsten und schweigsamen Gelehrten mitten unter ihnen und erhebt seine zornige Stimme. Einige Minuten sieht Eva sich mitten im Tanze verlassen, und sie wird von einer namenlosen Angst erfaßt, daß sie halb hintaumelt. Plötzlich befindet sie sich in der Nähe des Gaon. Sie steht ihm gegenüber, und sie erolickt ihn zum erstenmal und er erscheint ihr in seiner Unnahbarkeit und stummen Strenge wie etwas Großes und Unirdisches. Nun erhebt er seine Augen und weilt mit langen Blicken bei ihr. Sie ist schön wie nie noch, schön in all ihrer Erschrockenheit, in ihrer flehenden Angst und ihrer vollendeten Weiblichkeit. (Schluss folgt.) htterafur. Die Schänkerfrage in Galizien. (Eine kurze Belehrung für die jüdischen Schanker Galiziens.) Von Moses Frostig. Lemberg, 1909. Selbstverlag. 23 S. jiddisch. Diese kleine, populär geschriebene Broschüre hat sich zur Aufgabe gemacht, d e jüdischen Schanker Gaüziens — nach Angabe des' Verfassers zn'en sie 15.WO Köpfe — auf den Ernst ihrer Lage aufmerksam zu machen und sie an der Hand der gesetzlichen Vorschriften darüber zu belehren, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie dem ihnen drohenden Ruin entgehen wollen. Als diesbezügliche Mitte' nennt der Verfasser die Organisation durch Gründung von Fachvereinen und Genossenschaften, durch rechtzeitiges Ansuchen um Verleihung von Konzessionen und diesbezügliche Ueberwachung der von den Bezirkshauptmannschauen eingehauenen Praxis. Für die grosse Oeffentlichkeit bietet das Büchlein keine neuen Gesichtspunkte; das ist auch nicht seine Aufgabe. Aber als Wegweiser für ratlos dastehende Tausende jüdischer Familien erscheint es zur richtigen Zeit. Diese kleine Broschüren- Literatur wäre in Galizien ein ungemein ir'tzlieher Behelf für die geistige, politische und wirtschafriiehe Erziehung der jüdischen Volksmassen. Leider wurde sie bisher von allen jüdischen Parteien vernachlässigt. I. Schalom Asch, Das Städtchen. Novellen. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Ein Buch von frischem, warmem Humor, das uns den durch sein Drama „Der Gott der Rache" bekannt gewordenen Autor von einer neuen Seite zeigt: als einen feinen Menschenbeobachter und gemütvollen Schilderer, der mit sicheren Strichen farbenfrohe, von den Reflexen einer sonnigen Laune belichtete Bilder von Land und Leuten zu entwerfen weiss. „Das Städtchen", das Schalom Asch uns schildert, ist eins jener kleinen russischpolnischen Nester, in denen das Judentum seit Jahrhunderten gewaltsam eingepfercht ist, ohne sich regen, ohne die in ihm ruhenden Talente auf angemessene Weise betätigen zu können. Wie sich das Leben, Tun und Meinen dieser auf sich selbst und ihre enge Umwelt angewiesenen Menschen gestaltet, das führt Asch uns in einer Reihe von Skizzen vor Augen, die, durch eine lockere Handlung verbunden, unser Interesse bis zum Schlüsse fesseln. Wie sie Handel treiben und Feste feiern, wie sie beten und arbeiten, wie sie mit den Fluten der Weichsel und den verheerenden Sommerbränden um ihre Existenz ringen — das alles zeichnet uns der Dichter in höchst anziehender Weise. fcisfe der Husgelrefenen, Vom 23. Februar bis 9. März 1909. Arie Eduard, Kaufmann, geb. 12. März 1872, Bukarest, VHJ., Aiserstrasse 57. Fried Erwin.J urist, geb. 29. Juli 1882, Wien, VI., Gumpendorferstrasse 12. Deutsch Wilh. Hans, Student, geb. IB. Dezember 1893, Wien, XVIII., Karl Ludwigstrasse 52. Valenta Wilhelmine, geb. 5. Jänner 1884, Konskan, XX., Dresdnerstrasse 53. Rappaport Hermann, Kutscher, geb. 1. Feber 1882, Wien, IX. Nussdorferstrasse 74. Haudek Josef, Beamter, geb. 11. Juli 1874, Wien, XIX., Heiligenslädterstrasse 12. Wollner Pepi, Köchin, geb. 11. Dezember 1880, Nagy-Jöka, IX., Garnisongasse 24. Singer Hugo, Jurist, geb. 27. Juli 1885, Mislelbach, IX., Schubertgasse 26. Schnabl Siegfried, Spengler, geb. 27. September 1881, Prossnitz, IL, Engertstrasse 205. Friedmann Ernestine, Verkäuferin, geb. 17. November 1884, Wien, XVIII., Martinstrasse 77. Markovici Alice Klara, geb. 31. August 1883, Bacon, IX., Lichtensteinstrasse 45 a. Koppel Richard, Agent, geb. 2. April 1885, Moldautein, IX., Mosergasse 12. Hochfeines natürliches Tafelwasser 1#| r 1 Natürlich* JVlOSlGuCüSS von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberau zu haben. Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4.

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