Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1909-02-26 · Heft 5 (26.2.1909) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 5 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2425679-2425773-2425779--1268-2427613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 12 „Neue Nationäl-Zeitung* Nr. 5 und bleibt nach einem kurzen Kampfe Sieger, nachdem Jasiek vergebens seine Hündin zu Hilfe gerufen hatte...... Seit diesem Purimfest waren die Rollen vertauscht. Wenn Jasiek Jossele, den einst so blassen, schwachen Jossele erblickt, läuft er ins Haus und versteckt sich beim Vater. HERMANN MENKES: Der Liebesgarten. (3. Fortsetzung). Antonius liebte die Frauen, um die der Reiz einer fremden Welt ist, die Frauen voll sanfter Melancholie, die üppigen Töcher des Orients, deren Augen voll Trauer blicken und deren Stimme voll eines scheuen und keuschen Klanges ist. Er kannte die europäischen Kulturen, weilte in Italien und Frankreich, in England und im Orient, und immer weiter hatte ihn seine Sehnsucht getrieben. So kam!er auch her und das Land der melancholischen Ebenen mit ihrem so eigenea Himmel und die in ihrer Kraft noch unerschöpften Menschen, zogen ihn mächtig an. Er kam, mit Empfehlungsbriefen versehen, in das Haus Josua Heimans und er beugte sich vor Evas Schönheit. * * * Nach einem glühendheissen und segensreichen Sommer geschah es, dass die Stadt von einem grossen Unheil betroffen wurde. Es war eine böäe, verheerende Krankheit ausgebrochen, die immer mehr um sich griff und immer neue Opfer forderte. Der Tod war gekommen und kehrte in jedes Haus ein. Jäh verstummte jegliche Freude, das fröhliche urtd geschäftige Treiben stockte und machte einer hilflosen Trauer und starrem Schrecken Platz. Eilig roliten die Totenwagen durch die Stadt und diese traurige Geschäftigkeit dauerte auch die Nächte hindurch. Selten ging jemand durch die Gassen, die Kinder hockten irgendwo zu Hause oder in den Höfen und weinten in ihrer Angst. Befand sich ein Kranker irgendwo, so wurde über die Frontseite des Hauses ein schwarzer Kohlenstrich gezogen, als Warnung für die Vorbeigehenden. Es gab ganze Reihen von derart gekennzeichneten Häusern. Und es ging die schaurige Mär um,"das? Aerzte und Amtspersonen die Erkrankten vergifteten. Nach aller Verzweiflung hatte sich ein reuiges Besinnen der Menschen bemächtigt. Mit gesenkten Häuptern und mit leisem schluchzenden Singen zogen Prozessionen zu Friedhöfen und Klöstern und die ganze Stadt war von einem Kerzen- und Weihrauchduft eriüllt. Die Kirchen voll von Betern, blieben die Nächte hindurch beleuchtet und immerzu tönten mit schwerem Klang die Glocken. Auch die Judengemeinde hatte sicli aufgerafft. Man trug Lichter in die Synagoge und weihte sie Kranken und Verstorbenen, und das Innere des Gotteshauses glich einem Meer von kleinen Nammen. Mit langen fäden wurden von Frauen auf den Friedhöfen die Gräber abgemessen und es wurde wie am Tage des neunten Ab ein Trauer- und Fasttag abgehalten. In der Synagoge hatte der Gaon furchtbare Worte gesproenen. Er stand vor der Gotteslade in einem weissen Sterbekittel und im Gebetmantel und seine Stimme klang laut und erbarmungslos. Wie in der Zeit, da der heilige Tempel zerstört wurde, wie zu allen Zeiten, in denen jüdisches Blut gegefiossen und Männer, Frauen und Kinder hmgeschlachtet, war es auch jetzt Gottes Zorn und Gottes Strafe, von denen die Sündigen und auch Unschuldige betroffen wurden. In Sünden habe die Stadt gelebt, in Völlerei, Sinnestaumel, in Ehebrüchen und in üottvergessentieit. Besonders einen gibt es unter euch, rief der Gaon aus, der Gott herausfordert, einen, der um schnöden Mammon einen heiligen Eid geleistet hat, und wer konnte wissen, ob nicht einen falschen. So lege ich euch, ihr Sündenbelasteten, denn schwere Bussen auf und verbiete euch, bis wieder Gottes Gnade über euch kommt, jegliche Freude und Lustbarkeit und jegliches Fest. Kein Weib darf jetzt heimgeführt, keine Hochzeit gefeiert werden. Und alle, die die Worte gehört hatten, wussten wer der Mann war, den der Gaon gekennzeichnet hatte, und der verschwiegene Neid erhob sich jetzt zu Lästerungen, Verwünscnungen und Flüchen. Das war kein anderer als Josua Heiman, durch dessen Sünden und durch dessen Hochmut die Gemeinde betroffen wurde, er war es, der einen heiligen Eid geleistet, und der seine Gärten der Sünde geöffnet hatte, er war es und dessen Tochter, die wie die lockende Sünde selbst auf hohem Ross und an der Seite eines Andersgläubigen durch die Strassen zog und so die Sinne der Männer zur Unkeuschheit entflammte. Die Worte des Gaon waren auch zu Josua gedrungen. Er stand in seiner Geschäftsstube hoch aufgerichtet und bleich da und lächelte in bitterem Trotz und mit einer abwehrenden Geste. Innerlich brannte jedoch in ihm ein heftiger Hass und er rüstete sich zum Kampfe. In der Synagoge wurde es einsam um ihn, und selbst in seinem eigenen Hause begegnete er wortkargen, scheuen und verschlossenen iWenschen. Er merkte es und schloss sich inniger an seine christlichen Freunde. Sie kamen in noch grösserer Anzahl als früher, die nun das Leben, die Freude und die Lust doppelt liebten, jetzt da der Tod auf allen Schwellen nockte. Und aus Josuas Haus drangen in die trauernde Stadt die Gesänge, sorgloses Lachen und die Töne klirrender Gläser. Und Eva war es, die die Herzen entzündete. Man warb um ihre Gunst in Liebesgedichten, wurden Spiele veranstaltet, so war sie die Königin und die Edelleute neigten sich vor ihr. Aber sie blieb kühl und wehrte ab. Zärtlich und stolz ruhte der Blick ihres Vaters auf ihr. Hinter aller Zurückhaltung und Kühle verbarg Eva ein mächtig loderndes Feuer und sie und Antonius gaben sich ganz einem sinnlosen Glück und einer Liebe ohne Rest hin. Demütig bat Antonius Josua Heiman um die Hand seiner Tochter. Dieser erschrak und war hart. Er hatte, seit der Gaon seine Bewerbung abgewiesen, daran gedacht, einen der reichen Kaufmannssöhne im Ausland in iein Haus zu führen. Er hatte einen Sohn, und es bildete dies lange eine ■» Schatten in seinem Leben. Er liebte sein Werk und es musste, da er in seinem Hause keinen Nachfolger wusste, vergehen und in die Brüche kommen, wenn er seine Augen schliessen wird. (Fortsetzung folgt.) Hochfeines natürliches Tafelwasser! "Üösterle ' NaTüriieher Sauerbrunn rehh-Je Mafron- Lithion Quelle. von Klösteile bei Karlsbad. — Ueberall zu haben. Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.