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Neue Nationalzeitung · 1909-01-29 · Heft 3 (29.1.1909) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 3 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NGOS MCiONAL-ZEiOJNG R£RflüS6gBER: Qrs.R.L«NOAÜ XI. JAHRGANG. WIEN, 29. JfiNNER 1909. Nr. 3. Die Krisis im Gemeindebund. Die „Hausjuden' gegen die jüdische Organisation. Dr. Alfred Stern hat jetzt bittere Tage. Das Ideal seines Alters, sich nach einem dem deutschen Liberalismus gewidmeten Leben die Aureole eines Begründers der jüdischen Gesamt* Organisation in Oesterreich aufs Haupt zu setzen, geht in die Brüche. Und seine besten Freunde sind es, die ihm den vollen Becher vom Munde reissen. Als am 28. Jänner 1898 die Statuten des „Allgemeinen Oesterreichisch-Israelitischen Bundes" mit trlass des Ministeriums des Innern „bescheinigt" wurden, da war es für jeden Kenner der Verhältnisse klar, dass dieselben ein Blatt Papier bleiben werden. Denn die Führung dieses Bundes lag in den Händen der Repräsentanten der Kahalwirtschaft, jener Männer, die an einem grossen Bedürfnis nach Reklame und einem unersättlichen Ehrgeiz krankten, ohne dass sie aber ein Verständnis für die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung und die Fähigkeit zur Verwirklichung der in den Statuten angeführten Zwecke hätten. Tatsächlich hat auch der Bund durch zehn Jahre nie ts geleistet. Er vegetierte. Höchst selten haben Sitzungen stattgefunden, die Vorstands-Mitglieder in der Provinz waren zur Untätigkeit verurteilt, und Herr Dr. Stern als Präsident hat sich damit begnügt, hie und da ein Zirkulär an die Gemeinden von sich zu geben. Wem konnte dieser Zustand angenehmer sein, als den galizischen „Hausjuden"? Sie durften nach wie vor die jüdische Bevölkerung Galiziens nach Herzenslust bevormunden, politisch ausbeuten und an den Polenklub verschachern — der Bund hat sie daran nicht gehindert. Ueberhaupt haben sich die Herrschaften gegenseitig ihre Kreise nicht gestört. Es herrschte ein rührendes Einvernehmen zwischen den Wiener Kahalmachern und den „Hausjuden". Getreu den Grundsätzen der internationalen Kourtoisie, wonach sich ein Staat in die inneren Verhältnisse des anderen Staates nicht einmengen dürfe, wurden die Ehrenämter in Wiener humanitären oder kulturellen Institutionen, wenn für dieselben galmsche Juden in Betracht kamen, mit Subjecten besetzt, die in den weitesten Kreisen des Landes die allgemeinste Verachtung gemessen. Wir nennen blos den „Hilfsverein für Galizien", die „Isr. theolog. Lehranstalt", „Israel. Allianz", „Bund" etc.Ueberall wurden sie herangezogen, denn sie hatten „die galizische Judenschaft im Sacke". Nun wird die Freundschaft zwischen Dr. Stern und den galizischen „Hausjuden" getrübt. Gerade in dem Momente, da Dr. Stern daran geht, endlich einmal etwas Positives zu schaffen. Die Wiener Judenschaft hat endlich Gelegenheit, die verhätschelten „Repräsentanten" der galizischen Judenschaft — von Dr. Sterns Gnaden — in ihrer ganz volksfeindlichen Brutalität kennen zu lernen. Der Bund wird lebendig. Im Jahre 1Q08 engagierte der Bund einen neuen Sekretär. Derselbe hatte die Pflicht, Ideen zu liefern, die wie ein neues Lebenselixier auf den Bund wirken sollten. Präsident und Sekretär bemühten sich krampfhaft, den Bund aus seinem Winterschlaf zu rütteln. Zu diesem Zwecke wurde für den 27. und 28. April 1908 nach Wien ein Bundestag einberufen, der gut besucht war. Was auf diesem Bundestage vor sich ging, ist aus unseren seinerzeitigen Berichten bekannt. Die Idee einer Gesamtorganisation aller jüdischen Gemeinden Oesterreichs beherrschte ihn. Der Bundestag endete aber mit einem Misston. Die Reibungen zwischen den Zionisten und Hausjuden aus Galizien kamen hier zum Ausbruche. Man merkte es, dass den Vertretern der grösseren galizischen Kanals die Anwesenheit zionistischer Repräsentanten von Kultusgemeinden ein Dorn, ja schon ein Balken im Auge war.

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