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Neue Nationalzeitung · 1909-01-15 · Heft 2 (15.1.1909) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 2 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NEUE WDDNGL-ZHCÜNG BSRAüSögBeR.' UrS.R.LNNONÜ XI. JflHRGAJSlC. WIEN, 15. JÄNNER 1909. jMt*. 2 Rias soll gmbeben? - 20.000 Juden werden brotlos! Vor Schluß der Redaktion erhalten wir von einer Persönlichkeit, die einmal in der jüdischen Öffentlichkeit eine hervorragende Rolle gespielt hat nachstehende Zuschrift, die wir unter Weglassung einiger an die persönliche Adresse unseres Herausgebers gerichteten Komplimente hiemit veröffentlichen. Wir behalten uns vor, auf die wertvollen Anregungen nächstens zurückzukommen. Dieser Brief lautet: Ich habe mit sehr großem Interesse Ihren Entschluß gelesen, Ihr Blatt künftighin in erster Linie den sozialen Problemen innerhalb der Judenheit zu widmen. Sie haben damit das Richtige getroffen. Mit Bangen sehe ich in den letzten Jahren, wie die Zahl der jüdischen Zeitungen immer mehr zunimmt, und mit denselben auch der Papierkrieg, der gehässige Kampf gegen einzelne Personen, deren Bedeutung maßlos überschätzt wird. Eine Don-Ouixoterie hat sich breit gemacht, es werden ganze Schlachten geführt gegen die Assimilation einerseits und gegen den Zionismus anderseits. Ich bin schon zu alt, um mich an diesen Kämpfen zu beteiligen, oder um meine Ueberzeugung zu ändern, die Sie in Ihrem Jargon die „Assimilation" nennen würden. Allein meine „Assimilation" stammt noch aus jener Zeit, wo für die Ueberzeugung und die Richtung der jüdischen Betätigung nicht persönliche Vorteile, nicht die Jagd nach Ehren und Würden, sondern das ehrliche Streben maßgebend war, die jüdische Bevölkerung von der geistigen Finsternis zu betreien, die unteren Klassen zum Handwerk zu erziehen und sie zu anständigen Bürgern zu machen. Die heutige Zeit verstehe ich nicht mehr. Heute wird um das allgemeine Wahlrecht für die Kultusgemeinden mit einem ganzen Arsenal gekämpft, man streitet darüber, ob Jüdisch oder Hebräisch als Xationalsprache zu aeeeptieren ist, wer eine Krone jährlich als Schekel bezahlt, ist ein guter Jude und wer dies nicht leistet, ist es nicht. Um die jüdische Bevölkerung selbst, um ihr geistiges und materielles Wohl, bekümmern sie sich aber beide nicht, die heutigen Assimilanten und die Zionisten. Die vierzehn Juden im Parlamente gehören fünf Parteien an. Was haben sie sammt und sonders in den zwei Jahren ihrer Mandatsdauer für die jüdische Bevölkerung geleistet? Nichts, gar nichts! Nehmen Sie die Besten darunter, die Herren des jüdischen Klubs! Wissen selbst diese Herren, was der Jüdischen Bevölkerung in wirtschaftlicher Beziehung nottut. wo und wie zu helfen ist? Ich verlange nicht, daß sie in der kurzen Zeit ihrer parlamentarischen Tätigkeit den Schutt von Jahrhunderten wegräumen, aber sie sollen doch wenigstens Sturm läuten, wenn die Gefahr herannaht, sie sollen auf die Barrikaden steigen und kämpfen, statt zu schlafen oder langatmige Reden zu halten. Die jüdische Bevölkerung Galiziens steht einer großen Gefahr. Im nächsten Jahr wird Propinationsgesetz erlöschen und mindestens 20.000 Juden werden brotlos. Es wäre wohl überflüssig, hier näher zu erörtern, daß in Galizien ein sehr großer Teil der jüdischen Bevölkerung vom Brantweinverschleiß elend das Dasein fristet. Es gehören hieher nicht blos die Brantweinhändler in den Städtchen und Dörfern, sondern vor das 34F~ Dieser Nummer ist das Inhaltsverzeichnis 1908 beigelegt.

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