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Neue Nationalzeitung · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 1 Zionismus steht er abwehrend gegenüber, schwört auf Freiheit und Deutschtum.) „Geehrte Herrschaften! Gestatten Sie, daß auch ich meine Meinung kurz zum Ausdrucke bringe und gleich im Vorhinein sage: Ich bin für keinen der Vorschläge, die wir soeben gehört haben. Was sollen uns, in dieser Zeit, die nationalen Feiern? Und was wollen Sie mit der Hofschauspielerin? Die Armen müssen unterstüzt werden. Dagegen können wir nichts tun. Darum veranstalten wir eine Art Christbaumfeier den Christbaum lassen wir meinetwegen weg, damit wir niemand in seinen sogenannten nationalen Gefühlen verletzen. Aber lassen Sie mich mit dem nationalen Judentum aus. Was bedeutet dies für uns moderne Menschen, die wir an deutschen Hochschulen studieren? Wollen Sie uns ins Ghetto zurückstoßen? Chanukka, oder wie dies Fest sonst heißt, gehört doch der Vergangenheit an, wir aber leben in der Gegenwart und auf keiner einsamen Insel. Machen wir es, wie unsere anderen Mitbürger in dieser Zeit. Versammeln wir die Kinder in einem Saale, beschenken wir sie mit Backwerk, warmen Strümpfen, Stritzeln und Kleidern und daran kann sich ein Tänzchen für die jüngere Welt schließen. Alles, nur nichts spezifischjüdisches. Deutsche sind wir und wollen es bleiben." Der ältere Herr: „Ihr Großvater, der noch Chanukkalichtlein zündete, hätte Sie nicht hören dürfen." Alle lächeln verstohlen, nur der Student nicht. Das Mitglied des Mädchenkomitees. (Scheitelfrisur, bleich, feines Direktoirekostüme) schwärmt für moderne Literatur, besucht alle Operettenpremieren, kokettiert mit der Frauenrechtsfrage. „Ich möchte einen Ausgleich schaffen. Vereinigen wir also den Vortrag der Hofschauspielerin mit der Beteilung der Armen und dem Tanze der jungen Welt. So kommt Jeder und Jede auf die Kosten. Das nationale Moment möchte ich auch nicht betonen. Wir sind und bleiben moderne Menschen. Was hat unser Verein mit Chanukka, oder wie das Ding heißt, zu tun?" Die Präsidentin: „Wir sind freilich ein jüdischer Verein, insoferne wir nur jüdische Mitglieder besitzen, aber auch ich bin gegen eine Schaustellung des Judentums, wie man dies heute in manchen Kreisen so sehr liebt." (Schluß folgt). lilferatur Dr. Gqyro Schwarz: Beiträge zur Geschiebte der joden in Kroatien. Agram 1908. Vorliegende Beiträge sind in dem soeben erschienenen Hefte der Mitteilungen des kgl. kroatisch-slavonisch-dalmatinischen Landesarchives erschienen. In der Ginleitung schildert der Verfasser die Lage der ersten jüdischen Ansiedlungen in Kroatien. Gin Patent Kaiser Josefs gestattet den Juden die angehemmte und schrankenlose Einwanderung in Kroatien, während ein diesbezügliches Gesetz vom Jahre 1791 den Juden insoferne einige Einschränkungen auferlegt, als es ihnen verwehrt, die königlichen Fre^ädte zu besiedeln, aber die bereits daselbst ansässig sind, dürfen a'V: weiterhin ungestört in ihrem Wohnort verbleiben. Der Verfasser hebt besonders die Tatsache mit Nachdruck hervor, daß sich anfänglich seitens der eingeborenen Kaufmannschaft wohl eine gewisse Gegnerschaft gegen die neu angekommenen Konkurrenten, die sich ausschließlich mit Kleinhandel und dem Ilausiergewerbe befaßten, geltend machte, daß aber anderseits alle sonstigen Schichten der kroatischen Bevölkerungskreise, wie nicht minder die geistlichen und weltlichen Behörden des Landes sich den neuen jüdischen Ankömmlingen gegenüber, tolerant, ja liebevoll verhielten. Die Quellen für eine Geschichte der Juden in Kroatien sind sehr spärlich. Als solche gibt der Verfasser an: 1. Die Städte- und Gespanschaftsarchive; die Archive der kgl. Landesregierung und der jüdischen Kultusgemeinden. 2. Die Grabsteine der jüdischen Friedhöfe, beziehungsweise die jüdischen Grabinschriften. Nebensächlich wären noch die Aussagen alter jüdischer Einwohner in Betracht zu ziehen, als Ergänzungen der schriftlichen Dokumente. Es sei mir demgegenüber gestattet, zu bemerken, daß die Archive der Ordensgeistlichkeit, besonders die der Frauziskanerklöster sehr viel historisches Quellenmaterial zu einer Geschichte der Juden in Kroatien und Slavonieu liefern könnten. Da ihre Vorstände in unserem Lande ihre Archive zu wissenschaftlichen Zwecken mit der größten Liberalität Forschern zur Verfügung stellen, so würde es für die besagte jüdische Geschichtsforschung von nicht zu unterschätzendem Werte sein, von ihrer Liebenswürdigkeit den erwünschten Gebrauch zu machen. Herr Prof. Dr. Schwarz bedient sich auch der von ihm namhaft gemachten Geschichtsquellen und bespricht im vorliegenden Hefte vornehmlich die ersten jüdischen Ansiedlungen in Pozega und Karlstadt (Karlovac). Die in deutscher Sprache verfaßte Eingabe der Karlstädter »Handels- und Gewerbeleute« an den damaligen Banus von Kroatien, Baron Vlasits, welche vom 31. Juli 1838 datiert ist und die von verleumderischen Ausfällen gegen die Juden geradezu strotzt, erhärtet nur die Behauptung Dr. Schwarzs, daß nur wirtschaftlicher Konkurrenzneid einiger durch den gewerblichen Fleiß der Juden sich in ihrem geschäftlichen Fortschritt beeinträchtigt fühlender christlicher Kaufleute Stimmung gegen die Ansiedlung der Juden in den kroatischen Städten zu machen suchte. Das Gros der kroatischen Bevölkerung, der bäuerlichen, ländlichen sowohl, wie der städtischen, lebte mit den Juden nach wie vor in brüderlicher Eintracht und Harmonie. Gott sei Dank ist dieser friedliche Zustand und dieses brüderliche Verhältnis zwischen Juden und Christen in unserem Lande, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, bis auf den heutigen Tag unverändert geblieben. Zu wünschen wäre, daß Herr Prof. Dr. Schwarz eine umfassendere Geschichse der Juden herausgebe. Virovitica. Rabbiner Dr. Kaufmann. Ilofizen. Austro-Americana, Triest. 33 Ozeandampfer. 33 Ozeandampfer. Regelmäßiger Passagier- und Warendienst zwischen Triest, dem Mittelmeere und Amerika. Nächste Abfahrten von Triest in den Passagierlinien: 14. Jänner: Dampfer »Martha Washington« nach New-York über Patras. Palermo; 23. Jänner: Dampfer »Alice« nach New-York über Patras, Palermo; 27. Jänner: Dampfer »Francesca« nach Bnenos-Aires über Almeria, Cadix, Las Palmos, Rio de Janeiro, Santos. Auskünfte bei der Direktion Triest, Via Molin piecolo 2 (Telegrammadresse: Cosulicb Triest), bei den Generalagenten Schenker # Co.» Wien, I. Neuthorgasse 17 und bei allen anderen.

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