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Neue Nationalzeitung · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 „Neue National-Zeitung" Nr. 1 igkeiten für ihre sensationslüsternen Leser verzetteln. Man bedenke doch: Ks existiert ein jüdischer, ein jüdisch-nationaler Parlaments-Klub, und diese parlamentarische Repräsentanz des jüdischen Volkes hat weder ein nationales, noch ein politisches, noch ein volkswirtschaftliches Programm! Die ,,Neue National-Zeitung" will eine Lücke in der jüdischen Publizistik und Politik ausfüllen, indem sie sich fortan hauptsächlich mit dein sozialen und wirtschaftlichen Problem der jüdischen Bevölkerung zu beschäftigen beabsichtigt. Wir werden eine kleinere Anzahl von Nummern im Jahre herausgeben, aber wir werden dauernde geistige Werte für das Judentum schaffen. Wir bitten unsere langjährigen Freunde, uns ihre Anhänglichkeit auch weiter zu bewahren. Unsere Beweggründe sind nicht Geschäft und Gewinn, nicht Voiksverblendung und Partei- Fanatismus, sondern das Wohl unseres Volkes, seine höhere Kultur und seine bessere Zukunft. Die Redaktion. Der Südfsche Klub als „Sfaafsparfei\ Als die Reichsratsvvahlen vor zwei Jahren die Entstehung eines Jüdischen Klubs zur Folge hatten, da war es diese Zeitung, die von den jüdisch-nationalen Abgeordneten eine stramme oppositionelle Haltung verlangte. Da waren es die Herren Gabel und Stand, die sich ^vornehm« und „staatsmännisch" geberdeten, und gegen unseren „Radikalismus" Front machten. Seitdem scheint Herr Dr. Gabel selbst seine Anschauung geändert zu haben. Er hat an den jüngsten Abstimmungen über die Dringlichkeit des Budget-Provisoriums und der Ermächigungsvorlage, für welche die drei anderen Herren des Jüdischen Klubs gestimmt haben, garnicht teilgenommen. In einem Wiener jüdischen Blatte verlangt er „die rücksichtslose Opposition der Juden" und meint, daß die „Opposition selbst weniger Abgeordneter nicht immer aussichtslos" sei. Es freut mich, daß Herr Dr. Gabel endlich zu dieser richtigen Ansicht gelangt ist; er hat damit, wiewohl der Jüngste, einen richtigen politischen Instinkt bewiesen. Die Logik der anderen drei Herren kenne ich leider nicht, wäre aber sehr begierig, sie kennen zu lernen. Mögen die Herren doch sprechen, mögen sie jetzt, da sie von ihrem Klubgenossen desavouiert werden, die Gründe darlegen, warum sie trotz der politischen Entrechtung, die jede österreichische Regierung, ob Beamtenob Koalitions-Ministerium, den Juden zuteil werden läßt, ihre Stimmen, die Stimmen der jüdischen Bevölkerung, hergegeben haben, um der Regierung ein eminentes Vertrauensvotum zu schaffen. So lange aber die Herren nicht sprechen, muß angenommen werden, daß sie sich bei ihrer Abstimmung von anderen Momenten, als denen der gesunden politischen Logik und der jüdischen Interessen leiten ließen. Der Jüdische Klub als — Staatspartei! Wer hätte dies für möglich gehalten? Die jüdischen Wähler werden in Galizien schikaniert gestraft, in ihrer Existenz bedroht, weil sie jüdisch-national gestimmt haben. So wurde jüngst nach den bekannten Ereignissen von Ulaszkowce in Podkamien unter dem Vorwande, der Stadtring sei nicht gepflastert und davon werden die Pferde krank, die Abhaltung der Jahrmärkte verboten, damit die Juden, die Wähler Stands, ausgehungert werden. Stand und seine Kollegen schafften ihren Wählern Satisfaktion! Sie stimmten mit einer Unterwürfigkeit, die bisher den Moschkos nachgesagt wurde, für eine Regierung, die solche Mißstände duldet. Bei der Abstimmung über die Dringlichkeit der Ermächigungsvorlage hatte es der Jüdische Klub in der Hand, mit seinen vier Stimmen die Regierung zu stürzen; denn die Dringlichkeit wurde nur mit einer Stimme über die. Zweidrittelmajorität angenommen. Trotzdem haben drei Herren für das Kabinet Bienerth gestimmt. Was wurde ihnen dafür versprochen? Ich meine nicht, daß man ihnen persönliche Voi teile, etwa Portefeuilles oder dgl. in Aussicht gestellt hätte; aber was für einen Nutzen soll die jüdische Bevölkerung von dieser Abstimmung erlangen. Wird man denn so mir nichts dir nichts eine Staatspartei? Wenn man nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hat? Es scheint aber, daß die Herren des Jüdischen Klubs doch etwas zu verlieren haben: ihre Mandate. Die offiziöse Drohung mit der Parlamentsauflösung hat ihnen eine Schrecken eingejagt und sie nach Canossa getrieben. Möchten sie nicht auch dort bleiben? Der Jüdische Klub als Staatspartei hat seine politische Rolle ausgespielt. L. JOCOCOOCXOCOOOCOCOCO^ Das Abonnement beträgt: Für Oesterreich-Ungarn vierteljährig......K 2.— „ Ausland „ ......* 2.50 Näheres in der Abonnement-Einladung auf Seite 2 des Umschlages. )O0O0CXO0O0O0O0O0O0O0O0O0O0O0O0C50CCO0O0OC

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