Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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R&RftUSögBgR: ürs.R.LANDisu:: XI. ÜRHHGRHO. WIEN, 1. JÄNNER 1909. f4r. 1. jFln unsette Freunde und Iresen! Mit dieser Nummer eröffnen wir den elften Jahrgang unserer Zeitschrift. Gleichzeitig sehen wir uns veranlasst, dieselbe bis auf weiteres alle vierzehn Tage u. zw. jeden zweiten Freitag erscheinen zu lassen. Zu dieser Änderung haben uns folgende Erwägungen bestimmt: Es wird wohl jedem Kenner der jüdischen Pressverhältnisse gut bekannt sein, dass die Herausgabe eines unabhängigen und unparteiischen Organs, wie die ,,Neue National-Zeitung", welches sich weder von einer Kultusgemeinde pauschalieren noch von einer Partei aushalten lässt, namhafte materielle Opfer von den Eigentümern erfordert. Diese schweren Opfer haben sowohl die früheren, als auch der jetzige Herausgeber im jüdischen Interesse gebracht. Dadurch ist es ihnen gelungen, eine allgemeine freie Volkstribüne zu schaffen, von der ohne Rücksicht auf Cliquen, Parteien und persönliches Strebertum jede Corruption bekämpft, die politischen Rechte des jüdischen Volkes verteidigt und der wirtschaftlichen Selbsthilfe der breiten Volksschichten der Weg gewiesen wurde. Dieser Kampf war nicht vergeblich. Die Notwendigkeit einer Organisation, von der heute das Gros der jüdischen Bevölkerung durchdrungen ist, wurde in diesem Blatte zuerst propagiert; der jüdischen Politik in Österreich wurden hier zuerst die Ziele gesteckt. Der Kampf war nicht vergeblich, aber er war unzulänglich. Mit der Presse, den jüdischen Blättern allein, ist dem jüdischen Volke und insbesondere dem jüdischen Proletariate nicht zu helfen. Was können wir als Wegweiser, als Leuchtturm den Massen unserer Schiffbrüchigen nützen, wenn wir keine Lotsen haben, die durch die Brandung führen könnten und wenn sich die „Führer" selbst nicht klar sind, wo der rettende Hafen liegt. Es wird zu viel geschrieben, zu viel raisonniert, zu viel Kahal-Politik gemacht, zu viel kleinlicher Personenkultus getrieben. Dagegen werden die grossen Gesichtspunkte ausser Acht gelassen; an den Ausbau einer gesunden Mittelstandpolitik für den zusammenbrechenden jüdischen Handels- und Gewerbestand, an die Schaffung eines sozialpolitischen Programms für unsere hungernden und arbeitssuchenden Proletarier-Massen kann die jüdische Presse nicht denken, denn sie muss ihre Zeit mit dem Zusammensuchen von flüchtigen Tagesneu-