Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 50 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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„freue National-Zeitung6' Alles in allem hat die Tarnow er Kassa seit-ihrer Gründling bis zum Schlüsse des Rechnungsjahres 1907 655.589 K verliehen. W ährend (der gleichen Periode stieg die Höhe der Rückzahlungen auf (den Betrag von K 592.335,31. Tlumacz. (Jüd. Einwohner: 2097j Gründung: Oktober 1907. Trotz der überaus kurzen Dauer;des Bestandes dieser Kassa war es derselben doch schon möglich, 103 Vorschüsse im Gesamtbeträge von 20.450 K zu gewähren. Darauf w urden bereits bis (ami 31. 'Dezember 1907 2730 K zurückgezahlt. Bis zu diesem Tage belief sich die Mitgliederzahl ,auf vi20. Diese besassen 1150 Anteilscheine, die bis zum Betrage Von 9000 K bisher bezahlt waren. K 204,50 'wurden dem Reservefonds zugeschrieben. Zaleszczyki. (Jüd. Einwohner: 4786J Grün dang: Mal 1901. Die Gegend, für welche diese Kassa bestimmt ist, besitzt leider eine zu wenig dichte Be\ölkerung, als dass sie ihren Wirkungskreis weiter ausdehnen könnte. Trotzdem ist die Mitgliederanzahl von 437 auf 454 gestiege.i, in deren Besitz sich 1053 gänzlich bezahlte Anteilscheine befanden. Die Kassa hat im Laufe des (Jahres 361 Vorschüsse bewilligt, davon nur 30 in 9 benachbarten Ortschaften. Die verliehenen Summen sie schwankten zwischen 50 und 500 K beliefen sich im Ganzen auf 76.325 I* (gegen 326 Darlehen im Gesamtbetrage von 63.325 K im Jahre 119071. In der gleichen Zeit zahlten die Debitoren 70.374,50 K zurück. Seit dem Bestände der Kassa in'Zaleszczyki bis zum Ende des Jahres 1907 kamen .380.654 K zur Verleihung. Die Gesamt-Rüekz-ihlungen bis zu dieser Zeit beliefen sich auf K 337.260,60. Zloczow. (Jüd. Einwohner : \5401.; Gründung: Janaar 1905. Die Anzahl der Mitglieder dieser Kassa stieg im Jahre 1907 von 338 iaut 439, in deren Besitz sich 1099 vollständig bezahlte Anteilscheine befanden. Die Tätigkeit der Kassa nahm während des Jahres ihren regelmässigen Gang. Während des Rechnungsjahres 1907 bewilligte die Darlehenskassa 327 Vorschüsse - in einer Höhe von 50 bis 600 K .-- fini Gesamtwerte von 101.610 Kronen. Darauf wurden bis zum ,31. Dezember 1907 K 85.356,30 zurückbezahlt. Seit ihrem Bestände bis zum ^31. .Dezember 1907 hat die Zloczower Kassa im Ganzen 1229.052 K verliehen, worauf ihr in der gleic hen Zeit K 169.933,10 zurückgezahlt wurden. Die rächsie Nummer wird als separate Beilage ein Inhaltsverzeichnis für den Jahrgang 1908 t nthf.lt n. Wir machen darauf speziell alle jene P. T Abonnenten aufmerksam, die sich den Jahrgang bir.den lassen. Die Zukunft der ijuden in Russlatui. Ein Interview mit dem Reichsdumamitglied L. Nisselowitsch. Rechtsanwalt L. Nisselowitsch, einer der beiden jüdischen Abgeordneten der Keichsdumn, 'mit dessen sehr opTmistisch gefärbten Ansichten über die Lage der Juden in Russland unsere Leser vor mehreren Monaten bekannt wurden, nahm jüngst Gelegenheit, gegenüber dem Petersburger Korrespondenten des American Hebrew" die ^Erwartungen der russischen luden für die nächste Zeit in folgender Weise zu schildern: Die Judenfrage und die Duma. „Die gegenwärtige Stimmung will ich.durch eine Tatsache aus jüngster Zeit illustrieren: Als ich von meinen Sommerferien zurückkehrte, erzählten mir zwei taurische Deputierte, dass die Juden ihrer 'Provinz mit meiner Taktik einverstanden sind und die Aufrollung der Judenfrage in der Duma erwarten. Es gibt viele Deputierte, auch m den Parteien der Rechten, welche bereit wären, für idie Beseitigung des Ansiedlungsrayons zu stimmen. .Es wird aber dennoch unmöglich sein, einen die\Juden betreffenden Antrag während dieser Session durchzubringen. Die Duma hat für die Bevölkerung so wenig geleistet, dass ein Sturm der Entrüstung" entstehen würde, wenn sie sich entschliessen sollte, etwas für die Juden zutun. Erst L\vt nn irgend ei. e Reform \on allgemeinen Interesse beschlossen wiid, dann wäie die Zeit gekommen, das jüdische Problem auf «die Tagesordnung zu stellen. Dann wäre es notwendig, dasselbe im \Ycge der Duma an eine Kommission zuweisen zu lasse n, damit 1.1 dann bei der passendsten Gelegenheit auf die Tage.-ordnang gestellt werden könne." 1 „Glauben Sie nicht," fragte der Interviewer, „dass es sich empfehlen würde, die Judenfrage im Zusammenhange mit dem jüngsten Edikt betreffs der Schiih.orm für die jüdischen Studenten zur Behandlung zu bringen, und ist es wahr, dass Sie daran sind, eine solche Interpellation einzubringen?" „Ich bin lediglich Mitglied der von den Kadetten zur Prüfung der t niversitäts-Keglements eingesetzten Kommission. Diese wird sich auch mit der Frage zu beschäftigen haben, inwieweit das neue Edikt mit dem Gesetze kollidiert. Dann weinen wir erst zur Entscheidung kommen, ob eine Interpellation zu überreic hen sei." ' < „\\ ie erklären Sie sich xlenn che jüngsten Einschränkungs\orsehriften gegen die Juden?" „Ich sehe ihren Grund in der Alisstimmung 'der oberen Zehntausend darüber, dass Minister-Präsident Stolypin vor ungefähr zwei'Jahren in einem Zirkular den Juden gewisse privilegierte Wohnsitze ausserhalb des Ansiedelungsrayons eingeräumt hat. Dieses Zirkular wurde jüngst vom. 1 Senate einer Prüfung unterzogen und derselbe entschied, idass Stolypin nicht berechtigt gewesen sei, dasselbe za erlassen." Der AnsiedlungS-Rayon muss verschwinden. „Trotz dieser neuen Einschi anklingen bleibe ich bei meiner ursprünglichen Ansicht, dass die Bestrebungen der Juden in der nächsten Zeit \ er-