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Neue Nationalzeitung · 1908-12-04 · Heft 48 (4.12.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 48 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48. „Neue Natiönal-Zeitung" seinem mächtigen Tenor triumphierte. Mit Rezitationen Ginzkeyscher Gedichte, unter welchen die Augustm-Ballade besonders wirkte, kam Frl. Elsa Galafres. Trau Hilgermann, holte sich vielen Beifall durch den Vortrag einiger Kinderlirdcr von W. S t e k e 1. Nach einer J'ause folgte nun ein Tan/fest, welches bis in die frühen Morgenstunden währte. ■m WCIttEiLEN Prediger Dr. Cylkow in Warschau ist am letzten Dienstagim Alter von 67 Jahren gestorben. Der Verstorbene war <iin geborener Warschauer und der Sohn eines Talmudlehrers., von dem er die jüdischwissenschaftliche Ausbildung erhielt. Er hat seine philosophischen Studien in Berlin absolviert und dann in Halle promoviert. Im Jahre 1863, als Prediger Dr. Jastrow wegen Teilnahme an dem polnischen Aufstande verbannt wurde, erhielt Doktor Cylkow diese Stelle. Kr predigte bis 1887 deutsch, seitdem aber polnisch. Er war ein eifriger Vertreter der polnisch-assimilatorischen Richtung. Von seinen Arbeiten ist besonders hervorzuheben die gelungene polnische Ucbersetzung der Bibel. Der nächste Zionistenkongress, im Jahre i9°9soll in Hamburg stattfinden. ' Im Berliner zionistischen Partei-Organ beantragt bereits Dr. E. Auerbach, den letzten Absatz des Basier Programmen zu streichen und dadurch der neuen politischen Lage in der Türkei Rechnung zu tragen. Der zu streichende Satz lautet : (Zur Erreichung dieses Zweckes nimmt der Kongress folgende Mittel in Aussicht:) 4. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Rcgieiungszustimmungen, welche nötig sind, um das Ziel des Zionismus zj. erreichen. Türkische Parlamentswahien. In Smyrna wurde unter anderen ein Jude, Maxi iah, ins Parlament gewählt. In Konstantinopcl hat der jüdische Kandidat Faraggi die meisten Aussichten. In Saloniki ist ebenfalls ein Jude, Rechtsanwalt Caraszo, gewählt. Jüdische Einwanderung in New-York im Oktober. Im Mo:rit Oktober sind 1947 jüdische Einwanderer gegen 5901 im Oktober 1907 in New-York gelandet, darunter: 1 503 aus Russland, 224 aus Oesterreich, 101 aus U n g a r n, 64 aus Rumänien tisw. Von den Neuangekommenen sind 1537 in New- York selbst verbliebe 1. während die übrigen 574 sich nach verschiedenen anderen Städten der Vereinigten Staaten begaben. Verurteilung der „Poale-Zion." Vor kurzer Zeit fand im Warschauer Kriegsgericht der Prozess der sozialdemokratischen „Arbeiterpartei Poa 1 e Zion" statt. Angeklagt, waren: G. Sonntag, Sch. Turzawski, M. N-ra'iau*, J. Zajontschkowski und der Soldat Sch. Babicki; alle waren beschuldigt der Partei Poale-Zion anzugehören, welche die gewaltsame Niederreissnng der in Russland existierenden Staatsform bezweckt, wobei die Partei über '"Waffenlager verfügte und die Bevölkerung mit Steuern belastete, die sie zu Gunsten der Organisation verwendete. Laut Anklage stand Sonntag an der Spitze der Organisation und übte den Mitgliedern das Schiessen aus .Revolvern ein. Das Warschauer Kreisgericht verurteilte den Angeklagten Sonntag zu 6 Jahren Zwangsarbeit, Babicki, Zajontschkowski und Rauff zu je 4 Jahren und Turzawski zu 2 Jahren und 8 Monaten Zwangsarbeit. Kutschinski und Neuhaus bekamen als Minderjährige je drei Jahre Gefängnisstrafe. Das Hauptkriegsgericht hat die Kassationsanklage abgelehnt und das Urteil des Warschauer Kriegsgerichte! bestätigt. Die Militärdienstpflicht der Juden in der Türkei. Der Chaoham Baschi von Konstantinopel wurde dieser Tage einer Konferenz des Justizministers und Ministers für Kultus zugezogen, in welcher dem Chacham die offizielle Mitteilung gemacht wurde, dass dia Regierung gleich nach Eröffnung des Parlaments einen Gesetzentwurf über die Militärdienstpflicht der Nichtmohammedaner vorlegen werde. Da diesem Gesetze das Prinzip zugrunde liegt, dass von der aktiven Dienstpflicht die Geistlichen aller Konfessionen befreit sind, wurde der Chacham Baschi aufgefordert, so rasch als möglich die Namen derjenigen Rabbiner bekannt zu geben, die dem Rabbinatskörper der türkischen Hauptstadt angehören. Mathias Bersohn, der am 20. November im hohen Alter, 82 Jahre alt, in Warschau gestorben ist, war der Senior der nun im Niedergange befindlichen Assimilanten-Generatiou. Er war dem Berufe nach ein sehr reicher Zuckerfabrikant, doch hat er sich mit Vorliebe archäologischen Studien gewidmet. Von seinen auf das Judentum bezüglichen Schriften sind zu nennen: Tobias Kohn, der Arzt (Krakau 1872), Metryka Koronna (Krakau 1880), Maroin Teofil Polak (Warschau 188ü). Über die Holzsynagogen in Russisch-Polen (ebendaselbst 1902), Biographien der berühmten jüdischen Gelehrten in Polen (Warschau 1907). Der Verstorbene erfreute sich in der polnischen Gesellschaft wegen seiner assimilatorischen Bestrebungen einer sehr grossen Verehrung und wurde von der Wissenschaftlichen Gesellschaft in Posen zum Mitglied, sowie von der Krakauer Akademie der Wissenschaften zum Korrespondenten ernannt. Dr. Wilhelm Freiherr von Landau ist am 19. November, 60 Jahre alt, an den Folgen einer Darmoperation in Berlin gestorben. Ein Sohn des 1883 verstorbenen Geheimen Kommerzienrates Jakob L a 11 d a u, widmete er sich anfänglich dem kaufmännischen Beruf, wandte sich dann aber vorzugsweise wissenschaftlichen Bestrebungen, vor allem archäologischen und ethnographischen Forschungen zu. Er unternahm ausgedehnte Reisen in fast allen Erdteilen; konzentrierte aber später sein Interesse vorzugsweise auf die Orientforschung, namentlich auf die Erforschung der alten vorderasiatischen Kulturen. Lebhaften Anteil nahm er hier besonders an den Arbeiten Professor Hugo Wincklers, den er vielfach bei seinen Bestrebungen förderte und mit dem er unter anderem die „Vorderasiatische Gesellschaft" begründete. Er selbst hat ausser einer Reihe von ,,Beiträgen zur Altertumskunde des Orients" ein grösseres Werk über phönizische Inschriften und verschiedene Aufsätze in der von Winckler herausgegebenen Zeitschrift ,,Ex Oriente lux" veröffentlicht. Ausser der Vorderasiatischen Gesellschaft gehörte er auch der Deutsch-Asiatischen Gesellschaft, der Deutschen Kolonialgesellschaft, dem Verein für schlesische Altertumskunde und anderen als gern gesehenes und förderndes Mitglied an. Die Gesellschaft für Völker- und Erdkunde in Stettin zählte ihn zu ihren Ehrenmitgliedern. Der frühe Heimgang des menschenfreundlichen und bescheidenen Mannes, der seine reichen .Mittel opferbereit in den Dienst idealer /wecke stellte, und der auch ein g 1 a u b e n s t r e u e r | u d e war, wird über den engeren Kreis seiner Angehörigen und Freunde hinaus aufrichtige Teilnahme erwecken.

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