Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 47 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. .Neue National-Zeitung" JMr. 47 Schreibweise und die lichtvolle Darstellung des Verfassers machen sein W erk auch /u einem gonussreichen. Vii<n itica Ral)biner Dr. K a u t ni a n n. ^eitschriftemRundschati. Eine jndischp Wochenschrift in Tunis. Auch in die Judenheit von Tunis kommt nun allmählich neues Leben. Am 5. November erschien hier die erste Nummer einer jüdische n Wochenschrift „Le Defenseur". die das Organ der Juden in Tunis sein will. Man nuiss nun unter den Tuden von Tunis zwei Kategorien unterscheiden, erstens: die eigentlichen tunesischen Juden, die l"ntertanen des I>ey sind, und die entschieden in einer weit schlechteren Lage1 als die übrigen tunesischen Bürger leben, zweitens die europäischen Juden, die gleichviel, ob sie in Tunis geboren oder erst später eingewandert sind, offiziell den verschiedenen europäischen Nationalitäten, Franzosen, Italienern, Engländern zugerechnet werden, und die alle Rechte gemessen, die den anderen Bürgern der betreffenden Nationalitäten zukommen. Die neue Wochenschrift „L e Defense u r" will sowohl das Organ der tunesischen wie der in Tunis lebenden europäischen Juden sein. Für die tunesischen Juden wird „Le Defenseur" das Kampforgan zur Erlangung ihrer Bürgerrechte sein und für die europäischen Juden ein Blatt zur Verteidigung des Judentunis gegen die üblichen Angriffe, an denen es natürlich auch in Tunis nicht fehlt. Im Direktionskomitec des neuen Blattes sind Juden beider Kategorien vertreten. Es besteht aus den Herren Nissim Haddad. Rafael Seeinania, Vio«>r Seialom, Alfred Valens:. — Die \ niiegende erste Nummer einhält eine Anzahl recht temperamentvoll und mutig geschriebener Artikel. Der Programmartikel, der den Titel des Blattes führt, enthält scharfe Angriffe geu,<-;i die ungerechte „Rechtspflege" des Dar-el-Bey und eine Kritik d'T ..Emsc'iuldigungsvorscjiläge". die Herr de. Dia'ious den tun. -:-ch n | iden -muht Inf •. in einem weiteren Artikel von .Niaicel ('auwei „11 taut <|ue!an France sache . . <jiricht der Verfasser die Hoffnung aus, dass dafranzösische' Volk midi die Befreiung der Juden von Tunis durchsetzen werde und schliesst mit dem Satze: ,,Lpeuplc f'MU'.ais a demoli d'autres bastilles." * „Der jüdische Handwerkei". In Berlin erscheint seit kurzem unter diesem Titel ein Mo n atshlntt, das als Organ des ..Vereins selbständige r H a n d w e r k e r jüdischen Ol a u b e n s"' von diesem Verein herausgegeben wird. Der Verein, der seit etwa 15 fahren besteht, hat den Zweck, das Handwerk unter den Juden zu fördern durch clen steten und regen Austausch der Erfahrungen, dun Ii Bekämpfung der leider bestehenden Vorurteile gegen Handwerk und jüdische Handwerker, durch Einwirkung an massgebenden Stellen bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen tunlichst jüdische Handwerker zum Mitbewerb heranzuziehen, durch Förderung und Unterstützung aller Vereinigungen, die sich die Hebung des Handwerks zur Aufgabe gemacht haben, durch Gewährung von Darlehen an Mitglieder etc. Zur nachdrücklichen Enterstützung aller Programmpunkte hat der Verein das genannte Blatt gegründet, und er hofft, damit dem jüdischen Handwerkerstande ein Organ geschaffen zu haben, in dem dieser seine Wünsche und Hoffnungen zum Ausdruck bringen kann. Angesichts der Tatsache, dass es in Berlin allein ungefähr 2000 selbständige jüdische Handwerker gibt, die sich zum Teil in nicht gerade guten Verhältnissen befinden, kann man dem Unternehmen besten Erfolg wünschen. Sefardim und Aschkenasim. Die in Agram erscheinende jüdischnationale Monatsschrift „Zidowska Smotra" appelliert in ihrer letzten Nummer an die Aschkenasim und Sefardim in Bosnien, doch ihre Gegensätze zurückzustellen und sich miteinander zu verbinden. „Die Tage und Sachlage in Bosnien", lesen wir, „sind bitter ernst! Jede Schwächung der eigenen Kraft durch inneren Unfrieden würde und müsste sich bitter rächen. Wir beschwören daher Sefardim und Askensim ganz besonders des derzeitigen Momentes eingedenk zu sein. Werden sie sich noch weiter in einem fort zerfleischen, so wird es wohl noch um vieles leichter sein, sie übersehen und vergessen zu wollen! . _ Da^ aber darf nicht zugelassen werden. Das zu verhindern, gibt es nur ein .Mittel: ob Sefarde oder Askenase, alles was lüde heisst und in Bosnien lebt, muss sich geeint aneinander schliessen. Nur wenn unsere Brüder vereint und geschlossen dastehen, werden sie nicht mit leeren Händen ausgehen. Dies wohl zu erwägen empfehlen wir dringendst. Zu hart träfe die Verantwortung diejenigen, die dessen nicht eingedenk, die Bedeutung und die Tragweite des heutigen Momentes übersehen oder unterschätzen würden. J. K. Die Afghanen halten sich für Nachkommen der verlorenen Stamme Israels. In der ,.Kalkutta-Review" wird darauf aufmerksam gemacht. Die gewöhnlichen Namen der Afghanen sind hebräisch: Vussuf .Joseph', Yakub Jakob; und Ishak (Isaak). Die modernen Afghanen nennen sich noch heutigen Tages „Kinder Israels". Die jüdische Geschichte widerspricht der Tradition der .Afghanen nicht. Diese erzählt, dass die zehn verloren gegangenen Stämme nach Medien und Mesopotamien auswanderten und anderthalb Jahre auf der Wanderung waren, bis sie in ein Land kamen ,,Azorat!i" geheissen. Wenn Azorath wirklich Afghanistan bedeutet, so erklärt sich mancherlei. Die Juden sollen nach der Sage auf dem Berg Takht- Suleimann (Sitz Saloim» längst ansä>sig gewesen sein, ehe der Muhammedanismus aufkam. Ein grosser Teil der Afghanen soll seit undenklichen Zeilen den Namen Vusufzais, d. h. Nachkommen Josephs, d. h. der Stämme Ephraim und Manasse, führen. Viele uralte afghanische Sitten weisen zudem auf israelitischen Ursprung hin. So das Gebot, die Witwe des verstorbenen Bruders zu heirai"n, und die Steinigung als Todesstrafe. Viele Inschriften in Afghanistan lassen sich gar nicht anders erklären, als wenn man sie ins Hebräische übersetzt. vs olkswirtschaftliches. Fusion Unionbank — Intern. Elektrizitäts-Gesellschaft. V<»m 20. X o \ einher 1. J. beginnt der l'mlaus« h der Aktien. und zwar für je eine Intern. Elektr.-Aktie i1 - l'nionh.ink-Aktien oder K 600.— bar für jede Intern. Klektr.-Aktie. Drucl<feriiei*-fierichti§uii§. soll 1 der richti Xotb ■ he .Personal Nachrichten'" der vorigen Nummer ni: Isidor (nicht Adolf) Kaufmann. Ein Probe-Abonnement für den Monat Dezember! Näheres am Umschlag, Seite 2. In den nächsten Nummern gelangen nebst den bereits angezeigten Artikeln über Dr. Chizanowlcz (mit Porträt) und Balsehemtow (mit Porträt) noch zt Veröffentlichung: Eine hochinteressante Konferenz zwischen dem amerikanischen Millionär Daniel Gaggenhelm and Israel langwill ftber die Frage: Dürfen Juden und Christen heiraten? Diesen Artikel widmen wir den Kultusvorstehern David von Gntmann, Wilhelm Kaffner and Dr. Benjamin Rappaport. Von den In unserer Mappe befindlichen Feuilletons heben wir besonders das vom geistreichsten hebräischen Schriftsteller Rasslands, David Frischmann, betitelt: „Die Seeionwanderung des Rabeis" hervor. Wegen der Haldigangsdepatatlon der österreichischen Kultusgemeinden erscheint diese Nummer um einen Tag später.