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Neue Nationalzeitung · 1908-11-20 · Heft 46 (20.11.1908) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 46 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. „Neue National Zeitung" Nr. 4b\ Schreiben die beiden St<iclti>«i>< has und dm l'ascha aus <K r l'mgegend von Marrakesoh wo es viel.' Israeliten gibt habe kommen lassen, um ihnen in Gegenwart des Herrn Gore >s eindringlich zu empfehlen, sie sollten tun. was irgend in ihrer Macht steht, dass die Juden nicht ferner misshatulelt würden und dass nichts zu ihrem Nachteil geschehe. Auch habe i' h den Paschas die Schulen, ihre Lehrer und ihre Zöglinge empfohlen. Zum Schluss w iederhole ieh: Ich bin ein Freund d r Wahrheit und ein Freund der Gleichberechtigung Aller Wir sind voller Ergebenheit für alle Kuropaer. ganz besondeis tür unsere lieben Nachbarn, die Franzosen. Ich muss Ihnen noch sagen, dass Seine Majestät, unser erhabener Sultan Abdul Haiid, voll gütiger Gesinnung ist für alle Welt, dass er das Wohl Aller von Herzen wünscht, und dass Alles, was die Zeitungen in anderer Richtung über ihn erzählt 'haben, von Grund aus falsch ist. Genehmigen Sie. hochverehrter Herr Präsident, die Versicherung meiner Hochachtung. S i M a d a n i Ii 1 m e z u a r E 1 G ] a u i, G r o s s w f s i r." Russland. Eine jüdische Handelsschule. Warschau. Am 14. November feierte man hier inner grosser Beteiligung der intelligenten jüdischen Kreise und der Pädagogen aller Schattierungen die Eröffnung . ines neuen Schulinstituts, und zwar einer a c h t k 1 a s s i g e n 3 ü d i s c h e n Handelsschule. Der T\ pus einer 'Handelsschule ist in Polen nicht neu Das Neue daran ist, — und dies auch nur für Warschau —, die Tatsache, dass es eine jüdische Handelsschule ist. d. h. dass sie nur für j ü d i s c h e Schüler bestimmt ist. Solche Schulen existieren bereits seit einiger Zeit in verschiedenen Städten Russlands, wie in St. Petersburg, Odessa. Minsk. Kown o; sie verdanken ihr Entstehen den jahrelangen heissen Bemühungen der russischen Juden, einen Ausweg aus der für jüdische Schulkinder unhaltbaren Situation zu schaffen l ud da die russische Regierung die für jüdische Kinder bestehende Prozentnorm in absehbarer Zeit abzuschaffen nicht gewillt ist. so gewährte sie den Juden die Erlaubnis, aus privaten Mittel n jüdische Schulen zu errichten. Solche Handelsschulen oder ähnliche Gymnasien unterscheiden sich von den christlichen, was den l'ntcrricht anbelangt, dadurch, dass sie ausser dem üblichen Programm, noch die Ii e b r ä i s c Ii e S p r a c h e. j ü d i s c h e L i t e r a t u r und Geschichte obligatorisch einführen und dass sie statt Samstag den l'ntcrricht am Sonntag aussetzen Es versteht sich, dass diese Schulen den Stolz der russischen Juden bedeuten, dickem Opfer, kein Geld scheuen, um diese nationalen Güter zu behüten und zu fördern. Leider weist die Ges<iii< hte dieser Schulen ein getreuliches Abbild der im l 'nterrichlsministe» ium jeweilig vorherrschenden Strömung auf. und je nachdem man den Juden mehr oder weniger freundlich gesinnt ist, erhalten diese Schulen die sogenannten „Rechte", oder sie werden ihnen verweigert, ja manchmal entzogen; eine Tatsache, die bei der aussergesetzlichen Lage der Juden in Russland von grösster Bedeutung ist. Die neue Handelsschule in Warschau beginnt ihre Tätigkeit unter sehr günstigen Auspizien: die bis jetzt eröffneten ersten vier Klassen sind bereits seit einiger Zeit vollständig besetzt, und wenn die innere Leitung der äusseren Einrichtung in hygienischer und pädagogischer Richtung entsprechen wird, so wird man von einer mustergültigen Schule sprechen können. G5Meitf&2=UNö VSReiNSNMRRitWW Sarajewo. Am vorletzten Samstag abends wurde im hiesigen Verein ,,B e n e Zion" die diesjährige Wintersaison, mit einem sehr interessanten Vortiagsabeud eiött'net. Diese; seit mehreren Jahren bestehende, nunmehr neu organisierte Verein, dessen Leitung durchwegs jugendliehe Kräfte unter dem Präsidium des Herrn Merkler übernommen haben, beabsichtigt, solche Vortrags- und Diskussionsabende zu veranstalten, was in den interessierten Kreisen lebhaften Anklang finden wird. Der Abend wurde mit der ..Zionshymne" eingeleitet, welche ein Teil des Tainburasenkorps des spaniolischen Vereines .,La Lyra" prächtig vortrug. Sodann begrüsstc Präses Merkler die Versammlung, dankte für das zahlreiche Erscheinen und verlas einen nunmehr zur Versendung gelangenden Aufruf an die gesamte hierländige Judenschaft, welcher in überzeugender Weise und bei sachlicher Ausführung zum Beitritte einlädt Nun folgten zwei Referate: ..Di' neuesten Ereignisse und der Zionismus" und ,,Tolstoi und der Zionismus" von Herrn Chaim W e i t z n e r. Das zahlreiche Auditorium brachte diesen beiden, ausserordentlich interessanten Vortragen das grösste Interesse entgegen und lohnte den Redner mit stürmischem Beifall Enter den viceln Anwesenden sahen wir Herrn Rabbiner Dr. W e s z e 1. den Vizepräsidenten der österreichisch-ungarischen Kultusgemeinde Horn Jiernardo Klein, den Kassier dieser Gemeinde Herrn Königsberger. dann Vci einsdeputationen der ,,La Gloria", des ,,Sclbstbiklungsvei eines", der;)La Lyra" und des ..Achdus" m AUEN *'3i;;iil;S Ein Pfarrer als Kauf er e'ner Synagoge. Pfarrer Urban in S o d o w, Kreis Lublinitz, hat die zum Abbruch bestimmte Synagoge in Czieschowa, einen mehrere hundert Jahre alten Holzbau, käuflich erworben. Nachdem die Regierung ihre Genehmigung erteilt hat, ist das Gebäude nunmehr durch die drei Vorsteher, Aufrichtig (Koschentin), Fuss (jetzt Bauthen) und Hermann Brauer (Woischnik), von dem Amtsgericht Lublinitz aufgelassen worden. Pfarrer Urban lässt das Gebäude nioht abbrechen, er hat es nur zu dem Zwecke erworben, um es als altes Baudenkmal zu erhalten. Nicht allein das, er hat die der Ausbesserung bedürftige Synagoge renovieren lassen und sie der Synagogen-Gemeinde für den Bedarf zur Verfügung gestellt. Ferner hat Pfarrer Urban den genannten drei Vertretern der Synagogen-Gemeinde versprochen, bei einem etwaigen Wegzug von Sodow oder beim Verkauf der Synagoge dafür Sorge zu tragen, dass die Synagoge niemals profanen Zwecken preisgegeben wird, sondern solange als möglich ihrer Bestimmung erhalten bleiben soll. Das ist doch für die jüdisohen Gemeinden Oberschlesiens sehr beschämend. Nathanlel Levi, der jüngst in seinem Wohnorte St. Kilda (Victoria), 78 Jahre alt, verschied, war der angesehenste Jade Australiens. Er wurde in Liverpool geboren und war ein Schulkamerad Lord Swaythlings, des Führers der englischen orthodoxen Juden. 1860 wurde er in das Pariam e n t zu Victoria gewählt; er war der erste Jude, der diesem Parlamente und später beiden Kammern der gesetzgebenden Körperschaft angehörte. Der König von England verlieh ihm auf Lebenszeit den Titel „Honorable". Er betätigte sich lebhaft in verschiedenen jüdischen Körperschaften. Die Juden in Italien. Die Juden sitzen in Italien lediglich in den grossen Städten: Born 7121, Turin 2828, Florenz 2776, Livorno 2487, Venedig 2474, Mailand 1022, ausserdem Mantua, Verona, Ancona usw. Auf dem flachen Lande und in kleineren Orten ist der Jude eine Seltenheit. Als besonderes Charakteristikum der italienischen Juden erwähnt Michels in einer Studie ihre ungewöhnliche Mobilität: Die letzte Volkszählung hat festgestellt, das nur 61,5% der jüdischen Bevölkerung in derselben Gemeinde geboren waren, in der sie zurzeit ansässig sind. Noch vor wenigen Jahrzehnten war ganz Süditalien so gut wie frei von jüdischen Einwohnern: heute hat die schnell vor sich gehende kapitalistische Entwicklung in Italien die Juden auch naoh Süditalien verpflanzt. Uebrigens hat in Süditalien weder vor

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