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Neue Nationalzeitung · 1908-11-06 · Heft 44 (6.11.1908) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 44 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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„Neue National-Zeituiig" wo andere Menschen schliefen, die fieberhafte Arbeit verliess, dann war er heimgekommen durch den stinkenden Hof und in dem dunklen Kabinet von 6 : 7 Fuss in einen unruhigen Schlaf gefallen. 371.000 solcher Kabinette gibt e.s in der Stadt; und das war sein Heim. „Luft — Luft, gebt mir Luft." So rief er in seinem jiddischen Dialekt, den er allein beherrschte. In seinem Elend hatte er die Krankheit eher als die Sprache des Landes erworben. Die Schwitzhöhle und das Kabinett hatten ihn krank gemacht. Sein geschwächter Körper konnte keinen W iderstand mehr leisten, die Krankheit kam und griff rasch um sich. Noch den ganzen Winter hindurch hatte er an seiner Maschine in der Schwitzhöhle gesessen, hatte die 'Kleider, die er nähte — fieberisch, abgerackert, angstgepeitscht — angesteckt, nur um Nahrung und Kohlen kaufen zu können, nur um seinen Haushalt aufrecht zu erhalten. Und jnun am letzten Tage seines Elends hatte or wohl "zehnmal seinem "Bruder zugeflüstert, er möge für das Weib und die drei kleinen Kinder sorgen. Der Kampf ist nun zu Ende. Die Familie ist zerstört. Das gedämpfte (U-flüster ist allmählich verstummt. ..Luft -~ Luft — gebt mir Luft!" Da> i.->t der Ruf von Tausenden. L. Zeitschriften-Rundschau. „Israel" Ton Henry Bernstein. Wir haben unlängst über die Aufführung des Drama „Israel" referiert, welches eine Attraktion des „TheiUre R6jane" in Paris bildet. Der Dichter hat über Ersuchen des „Matiit" in diesem Blatte die Idee seines Dramas mit folgenden Worten geschildert: „Ich werde von „Israel" sprechen, und zwar — welche Ironie! — gerade in der Minute, wo das Stück aufgehört hat, mir zu gehören, wo ich von ihm abhänge, seine Gnade anflehe, ihm unterjocht bin, mit Zittern auf das Werk blicke, welches unbewuspten Schrittes der Bühne, der unbekannten Menge entgegengebt. Man gestatte mir eine vorläufige Erklärung: Ich bin sehr zufrieden, dass ich Jude bin. Ich sage nicht, dass ich stolz darauf bin. Es hat mir immer lächerlich geschienen, sich mit einem Geschehnisse zu brüsten, das so unwillkürlich ist, wie die Geburt . . . Ab r, enfin! ich bin sehr zufrieden. Ich habe die starke Emplindune, dass ich den Ueberschuss geheimen Lebens, das man Temperament nennt, und welches den Künstler ausmacht, zum grossen Teile meiner Herkunft verdanke. Und diese nicht zu lieben, wäre undankbar und feige! Nicht wahr? Ich liefere dieses Gefühlsbekenntnis ohne die geringste verletzende Absiebt. Welchen rechtschaffenen, unparteiischen Menschen könnte ich damit auch verletzen? Ich erkenne jedem Menschen, welchen Stammes immer, das Recht zu, sich seiner Abstammung zu freuen, und ich kann die Wesen nur in dem Masse schätzen, als sie nichts von sich selbst verleugnen .. . Ich habe mit den Antisemiten nur soviel gemein, dass ich — noch gründlicher als sie selbst es tun — jenen Juden verachte, der um Verzeihung dafür bittet, dass er Jude ist, dessen jede Attitüde, jede Anspielung, jede Bewunderung, jede Beziehung eine niedrige verhüllte Entschuldigung ist. Und die entsetzliche Scham, an der ein Mann von Herz sterben zu müssen glaubte und die der jüdische Snob auf allen Etappen seines unterwürfigen Lebens geduldig über sich ergehen lässt, hat mich immer entzückt, gleichsam als meine eigene Rache. Dies vorausgeschickt, muss ich sagen, dass „Israel" weder eine Revanche, noch eine Apologie ist. In Wahrheit ist es mir unmöglich, ein Werk zu begreifen, welches die Ueberlegenheit von dem oder jenem beweisen will... Der Künstler in mir bäumt sich auf bei dem einfachen Gedanken an ein Stück, welches verhüllt oder lärmend diese oder jene Wahrheit beweist Ich fühle mich vollkommen unfähig, etwas anderes auf die Bühne zu bringen, als ein wenig Menschlichkeit, und zwar verwirrt, zitternd, blutig . . . Ich sehe sie so — es ist nicht meine Schuld! Ein Stück Ton mir, wenn es parteiisch wäre, wäre aas eben dem Grunde noch mehr als verfehlt. Ich denke, dass der dramatische Dichter nie mehr inspiriert ist, als wenn er, seiner eigenen Persönlichkeit folgend, bis an die Grenze des menschlichen Gewissens gelangt. Er tritt dann — leider immer schnell genug — in den Nebel der unausgesprochenen Gefühle .. . Die Antworten, die diesen Visionen entspriessen, sind das Subtilste, das Stärkste und das Unbesiegbarste an uns selbst, und das sind die einzigen Allgemeinheiten, vor denen ich mich beuge. Es ist kaum nötig, die Folgerung abzuleiten, dass dieses leidenschaftliche Eindringen in die Seele jeder einzelnen Persönlichkeit den Schriftsteller geradezu zwingt, vollkommen gerecht zu bleiben. In „Israel" ist der Konflikt, den ich vorführe, ein schrecklicher und unauslöschlicher Hass sowie unzerstörbare Vorurteile treiben ihn bis zum Morde. Es ist möglich, dass die Heftigkeit dieses erbarmungslosen Zweikampfes bei dem Einen und dem Anderen den Zorn heraufbeschwört, aber ich möchte sehen, welche Partei sich meines Stückes als Waffe bedienen könnte. Die Tragödie, welche das Ensemble der Mme. Rejane dem Publikum vorführen wird, und zwar in glanzvoller Ausstattung, ist vom Anfang bis zu Ende aufs peinlichste unparteiisch, ohne dass ich zu diesem Zwecke eine andere Anstrengung gemacht hätte, als die, das Stück zu schreiben." * Erstes hebräisches Tageblatt in Palästina. Seit Rosch-Haschana erscheint Ben Jchuda'.« Organ ..Haz'wi" als T n g c 1> 1 a t t. Schon in eleu letzton Wochen des verflossenen Jahres, als durch Verkündigung der Verfassung die I'ressfreiheit eingeführt wurde, wurde das Blatt viermal \v ö c Ii e n t I i c Ii 1 zweimal als Haschka/a und zweimal als Haz'wi) herausgegeben. Die Zeitung hat eine Beilage in französischer und arabischer Sprache mit wichtigen Telegrammen und Lokalnachrichten. * Das soeben erschienene X. Heft der Monatsschrift „Palästina" weist folgenden Inhalt auf : Dr. Franz Oppenheimer: Zur Theorie der Kolonisation. — Abraham Kanter: Aussichten und Aufgaben der Arbeittrgenossenschaftsbewegung in Palästina. — Prof. G. Schweinfurth: Die Kultur des Urweizens von Palästina. — Pastor O. Eberhard: Die kolonisatorische Arbeit in Palästina. — Die Cbaluka. — Missionstätigkeit des Franziskaner-Ordens. — Aus den Hauptstädten. — Aus den Kolonien. — Aus der Türkei. — Allerlei. ßrietyasten der Redaktion. Kl. in Pi'sen. Wir empfehlen Ihnen noch das Buch von Dr. Solowej'schik „Le Proletariat meconnu". — Ein Abonnent. Die Adresse der Exportakademie ist: Wien, IX., Berggasse 16. — Salomon B. in L. Die gewünschten drei Nummern sind bereits vorige Woche an Sie abgegangen. — Dr. Gr. Ihr Artikel ist bereits gesetzt und erscheint demnächst. JtfOTIZEN. Georg Engel, der bekannte Romancier und erfolgreiche Dramatiker, Verfasser der vielgelesenen und glänzend besprochenen Romane ,,D r Reiter .auf dein Regenbogen" und. ..Hann Klüth. der Philosoph*", die zusammen in kurzer Zeit gegen 30 Auflagen •erlebien. i-: seit kurzem mit seinen Werken in den Verlag der C" o n c o r d i a Deuts c h c Verl a g s - A ns t a 1 t, Hermann Hhboek, Berlin W. 30, übergegangen. KLEINER ANZEIGER. Anstand, isr. Fräulein, der bess. dien. Klasse, 26 Jahre alt, mit einig. 100 K, sucht auf diesem Wege sich zu verheiraten. Witwer nicht ausgeschlossen. Unter „Ernstgemeint" postl. 2. Bezirk, Stephaniestrasse. Suche für meine gut häuslich erzogene Tochter, Isr., pensionst*., Beamten oder Geschäftsmann. Selbe ist von angenehm. A.enis. und hat 10.000 K Mitgift. Unter „Nur gegen Soheln", postl. 6. Bezirk, Gnmpendorferstrasse. Suche für 2 hübsche intell., sehr haaslich erzogene Mädchen, 28 J. alt, Isr., mit 8000 K und 6000 K Mitgift, pass. Bewerber. Witwer mit Sind nicht ansgesehl. Antr. unt. „ J. 8000 n. E, 6000« postl. Teplitz-Sohönau, nur gegen Schein. Fescher, blonder 26jähriger Israelit wünscht zwecks Geschäftsübernabme Heirat. (Mitgift sirka 5000 bis 600U K ) Unter „Nicht anonym" postlagernd 14. Bezirk, Ponthongasse. Nur gegen Schein. NjNF*'* Ueber vielfachen Wunsch unserer Leser haben wir uns entschlossen, in der „NEUEN NATIONAL-ZEITUNG" einen pp KLEINEN ANZEIGER *Wm zu eröffnen. In demselben gelangen Heirats- und Verlobungsanzeigen, sowie Heiratsannonzen zur Veröffentlichung. Da sich die „NEUE NATIONAL-ZEITUNG« infolge ihrer grossen Verbreitung in jüdischen Familien für derartige Inserate besonders eignet, haben wir für dieselben (in obiger Grösse) einen Einheits tarif von 2 K bestimmt. Gefl. Mitteilungen bitten wir zu richten an die Adresse: „KLEINER ANZEIGER" der fieue Jiational-Zeitung Wien, 1. Bezirk, Zellnkagasse Nr, 11.

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