Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 39 (2.10.1908)
- Date
- 1908-10-02
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 39 sagte ihm, class Testamente niemals auf diese Art aufgesetzt würden. „Das macht nichts", r,agte Rosenheim. „Ich will das meinige ,so aufgesetzt haben. Uebrigens, warum kann ich ,die Namen nicht ebenso gut selbst einstellen, wie jemand anderer?" Der Advokat h:»tte keine Antwort. „Aber." erklärte er,\,Sie müssen einen Exekutor oder mehrere Exekutoren habc.i, und das Testament muss in (Gegenwart von Zeugen unterschrieben werden." „Ich werde Zeugen holen, wenn ich es unterzeichne'*, sagte Rosenheim. ,,Aber was ist 's mit diesen Exekutoren? Wozu sind die?" „Nun, die Exekutoren sind die Leute, die darauf sehen, dass Ihr Wille, wenn Sie tot sind, vollstreckt werde." ..Müssen sie bezahlt werden? Muss ich ihnen etwas hinterlassen?" „Nein. Das (iesetz bestimmt, dass sie einen gewissen Prozentsatz von dem Vermögen bekommen, wenn sie nicht schon vorher einwilligen, umsonst zu fungieren." Rosenheim klopfte ihm fröhlich auf die Schulter. „Gut!" rief er ,aus. ..Stellen Sie Herr.i Soundso als Exekutor ein. Stellen Sie zwei Herren Soundso ein. lud sagen Sie nichts, dass sie nicht bezahlt -werden: sie verdienen, etwas zu bekommen." Als Rosenheim schied, trug er das Konzept seines einfachen Testamenten in der Tasche. Ganz allein setzte er jin dieser Nacht das Formular des Testamentes in Lettern, liess die Namen unausgefüllt und druckte sorgfältig eine Kopie. Den Satz selbst verschloss er in seiner Kasse. Dann ging er fröhlich pfeifend zu Bett. Am nächsten Abend rief er in Fuchs' Kaffeehaus Rosnofsky, den Fleischhauer, und Fischlowitz, den Pelzhändler, beiseite. „Freunde." sagte er, ,,so lange ich euch kenne, ward Ihr gut zu mir. Sie, Fischlowitz, haben mir einmal ein Mittagessen gezahlt, und Sie, Rosnofsky, sendeten mir zweimal eine koschere Wurst als Geschenk. Die Zeit euerer Belohnung ist gekommen. Hier ist mein Testament. Fischlowitz hinterlasse ich ein Haus. Ein Haus für ein Mittagessen. Rosnofsky war zweimal gut zu mir. Alles, was ich sonst noch habe, wird ihm gehören, l ebrigens fühle ich mich nicht wohl. Ich trinke zu viel Portwein, und der Doktor sagt, das jst schlecht für mich. Aber wenn ich nicht mehr da bin, w -rdet Ihr euere Belohnung haben." (Fortsetzung folgt.) ©ie ^achtgeheriti. Von J. K o h n. Still liegt der Hof, die Eltern schliefen ein, In Nachbarhäusern ej Josch der letzte Schein; Doch allein sie wandelt sacht Durch die stiJJ-verklärte Nacht. Wohin, die zwinkernden Stern' nur wissen Bescheid . , . Schlaf durchzieht das Gefilde, schlummernd sio horchen im Schweigen, Wien Nachtmysteriuni gleitet zwischen Träumereigen. Allein sie wandert sacht Durch die stillverklärte Nacht . . . ü, Sterne, schützet die Maid! — Waldwärts im Tal still die Felsen steh'n. Schlaf versunken in Nacht gehüllt sie ruh'n; Was hat nun tönend die Stille durchzuckt, Dass plötzlich sie so sehr erschrickt? Erhaben Gestirn nur kündet der Welten Ewigkeit . . . Durch's Tal ein Zittern sich traget fort, Aufscheucht die Felsen vom Traum und festen Ort; Was hat nun tönend die Stille durchzuckt, Dass plötzlich sie so sehr erschrickt r O, Sterne, schützet die Maid! — Kein Zweig sich bewegt: Ruh' im dunklen Wald; Gewürm sich verkroch, der Vogel sich die Stimm' verhält; Es harret der Wald, Des Sturmes bald, Nicht wagt das Sternlicht zu verirren 'sich weit . . . Geheimnisvoll die Lüfte 'n Lispeln durchzuckt, Die Bäume plötzlich rauschen erschreckt; Der Sturm im Wald Verschlang alles bald . . . Die Sterne, nicht schützten die Maid! — Ich Hebe. . . Von J. K a t z e n c 1 s o h n. Ich liebe — und wisst ihr, was ich liebe? Der Abenddänimer Stille Träume: Die Stille — welch Friede erfüllet sie Fnd deren Träume — kennt ihr die? Fort sie zaubern und locken Zu .sich mein wundes Herz, I >as lieben vermag auch im Schmerz! Ich liebe — und wisst ihr, was ich liebe? Die mondlosen Himmel, Die bleiern grau. Welch reizende (Jede erfüllet sie Die schleichenden Wolken — kennt ihr die — Dräuende Zeichen der Trauer; ihr bitt'res Gift Sie träufeln in mein wundes Herz, Das lieben vermag auch im Schmerz! Ich liebe — und wisst ihr, was ich liebe? Ersteigen die Friedhofsmauer, Anrufen ohne Schauer, Den Todesengel in Lichtesschein, Der wandelt zwischen Gräberreih'n; Dann fragt' ich frei den Sensenmann: ..Zu mir wann kommst du — wann?" . . . iAus dem Hebräischen übertragen von, M. Hellerbach.) PcpsonalnachFichtcn. Herr Samuel J. Pollak, Lehrer an der städtischen Knabenschule, II., Kleine Sperlgasse 2, vollendet am 9. Oktober d. J. sein siebzigstes Lebensjahr. Herr Pollak steht seit r86i im Lehramte und wirkt seit 1S74 als städtischer Volksschullehrer sowie als israelitischer Religionslehrer an obengenannter Anstalt. Seit 1895 'st er Mitglied des Ortsschulrates im 2. Bezirke. Der Jubilar, dessen Gewissenhaftigkeit im Lehramte von den Schulbehörden wiederholt Anerkennung gefunden, erfreut sich infolge seines regen humanitären Wirkens allgemeiner Verehrung und zählt zu den populärsten Schulmännern Wiens. Von Seite zahlreicher Freunde und Kollegen, wie auch von seinen nach Tausenden zählenden Schülern sind dem verdienstvollen Jubilar ehrende Ovationen zugedacht. Sch. Eingesendet. Im 6. Bezirke, Stumpergasse 26. Tür 22, wohnt eine 76jährige. vollkommen'»alleinstehende, arbeitsunfähige Frau, die nicht nur buchstäblich hungert, sondern auch vor der Delogierung steht, da sie die Miete für ihre Schlafstelle in einer Küche nicht bezahlen kann. Um Spenden für die arme Frau wird gebeten. Die Administration der ,vNeuen National-Zeitung" ist bereit, dieselben anzunehmen und auszuweisen.