Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 38 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. kommission" wieder ins Leben zu rufen. Die im Zusammenhange damit angeordneten, mehr oder minder geheim durchgeführten Vorberatungen zeigen schon, wessen sich die russischen Juden von einer solchen Rabbiner-Organisation zu versehen haben. Die sogenannten ..Kazjonni RabbinE, das sind von der Regierung eingesetzte ärarische Hüter des Mosaismus, die schon zufolge ihrer Erziehung und jetzigen Berufes vom Rabbinortum so weit entfernt sind, wie der Kirchturmwächter auf Sankt Stephan, überbieten sich in Liebedienerei für die Regierung und die wenigen freigewählten Rabbiner haben einen Zelotismus an den Tag gelegt, der nur beweist, wie fremd diese beruflichen Deuter des Gesetzes dem Volke sind und wie schlecht sie -ich auf die Auslegung der Regungen der jüdischen Volksseele verstehen. Hat doch die erst jungst stattgehabte Warschauer Rabbiner-Konferjuz nichts dringenderes zu tun gefunden., ais eine Eingabe an die Regierung zu beschhessep, in welcher die Enterdrückung aller Jargonblatter weg..-;-, ihrer zu UberaEn Haltung verlangt wird..... Dje Entrevue zwischen König Eduard von England mit Zar Nikolaus II. verdient hier nur insofern angeführt zu werden .jivon mancher, besonders englischer mvjj- «tii diese Monarrhenzusarnmenkunft Em anur.g'-.-r. hinsichtlich einer Hess' rung der Lage der Juden :r. Russland geknüpftwurden. Wohl ist der Zeicv-ur.. -Er ~.-u diesem historischen Ereignisse \ erfic.--er;. zu kurz, um feststellen zu können, ob .-;>!--!;-■ Kombinationen berechtigt \\aren oder nicht : waaber TwE-dien in Ru^sland sich ereignet hat. ist -i- In-rii :h ur du dazu .angetan, den Nutzen der Aus-nm-he Eduards mit Nikolaus tür •die Juden hoch m/u.-- iEm-n a.m allerwenigsten die gerade am S-mliHse unseres Kalenderjahrevom russischen Bildungsminister Jucus a non lucendo. Seh w a r t z geübte Praxis. durch welche der grösste Teil de;' r.uv. Studium .sich meldenden jüdischen Jugend von nahezu allen russischen. Mitte und Hochschuler. nu-gesciilos^en wurde. In Rumänien. Rumänien ist das Land mit d-m ..«. er-.' un-rheneu Ghetto". Ein Halbk:.ilturland mi? einem europäischen, modernen Könige auf dem Thronr . .".ehrend im innern des Leindes mittelalterliche PMgicn gefeiert werden, mit Ener Regierung, die die Punktationen de- Berliner Kongresses noch immer als einen Boiarenweeh-e! «m einen Juden betrachtet, der nicht eingelöst zu werden braucht. und mit einer Dichterkönigii., die sich der Gunst und Protektion aller Judenblatter '-i-freut und mit ihrem sü.-slich guten Herzen die um ihre Gunst buhlenden Juden aus dem Lande werfen: lässt, damit ihr Anblick nicht ihr königliches Herz breche. . . . In Rumänien Et es auch im abgelaufenen Jahre nicht besser geworden, eher schlechter. Ein dumpfer Fatalismus schwebt übr der rumänischen Juden frage. Escheint, d iss man sich in den sogenannten massgebenden jüdischen Kreisen damit abgefunden hat, dass rumänische Juder. in Rumänien als Fremde betrachtet werden, insofeme sie sich nicht ihre Naturalisierung erwuchern oder erkriechen. End die rumänische Regierung bekundet einen dämonischen Eifer in der Fabrikation von Fremdengesetzen, durch welche die Juden aus den Dörfern in die Städte und in der..'Städren aus allen menschlichen Berufen .-enkGi.gt, alEnählrb verkümmert und > er - Nr. 38. kommen an die Landesgrenze geschoben werdein, reif für die „Benei Berith" und die „Israelitische Allianz", die sich ihrer annehmen, um sie nach Argentinien öder Kanada zu bringen. Lautlos, schmachvoll lautlos geht dieser entwürdigende Prozess vor sich. . . . Das europäische Konzert ist für solchen Misston unempfindlich geworden: die jüdischen Hilfsorganisationen sind zu arm und der Zionismus rechnet nur mit Schekelzahlern. . . . Und in die sem ..verwunschenen Ghetto" gehen Hunderttausende unserer Stammesbruder körperlich, wirtschaftlich und moralisch zugrunde. In England erfreuen sich die luden, die daseibs-t naturalisiert sind, wohl der vollen i deiehberechtigung, hingegen hat das Land als jüdisches Einwanderung-land vollständig versagt. Das Fremdengesetz wurde in seiner verschärften Form gerade im letzten jähre mir aller Strenge gehandhabt und die .Zurückweisungen '.jüdischer Einwanderer haben in erschreckender Weise überhand genommen. V <u besonderer Bedeutung für die politische Entwickln,;g der Juden Englands war die Ersatzwald in Manchester, in welcher die Eiden sjeh zum erste.; Mai'- in England wähl politisch organisier»- haben und ein-u neuen Typus in der eng Iis. "he?-, Politik, das ]C\\ Eh V die jüdE, he Wahlsiimme. schufen, mit \\eEh--.-r man in Zukunft wird, rechnen müssen, trotzdem in de!' rn ss(.; waldreiche Stimmen laut wurden, -.veEhe muerpoütische ErwrC iien der iüdish«-n Wähler verurteilten. Als Gegenstück zum .. fewish Vom" -ei hier auh die wie ein schic hte!' und -dazu noch alter Wie:, die m viicsem lalire in Dublin .in- EEen gerufene .Judaeo- Irish Home Ruh- Association*' erwähn f. eine jüdische Gesellschufr, dpdigefährliche p.diti~Ee Spiel wagt, sich in den Streit zwischen England und fr- Er.d /u meng'-n und -ach auf '^eite der Iren zu sf'.-llen. Er wühnenswert i-r uo.jiu euts> die englischen; luden :n diesem Jahre das fuurzig;ahng" Jubiläum ihrer politischen Emmiziomr>r gefeiert haben. Auf che Kampf.- rwi-chcr. En Ziomsten und Terntona'isten. die nirgends heftig geführt werueii. ais li; England, die grosse prinzipielle Gesichtspunkte vermissen lassen und zumeist persönlichen Charakter tragen, soll hier nicht eingegangen In Deutschland hat der uididie Kulturkampf zwischen Orthodoxen und Reformern noch nicht sein Ende erreicht. Das ..Badische i iebetbuch'" bildet noch immer den Zankapfel, um den sich alles in Deutschland dreht. Die L ebersiedlung des zionistischen Zentralbureaus von Wien nach. Köln hat noch immer nicht jene nationalisierende W irkung auf die deutschen Juden geübt, die vem dieser Transferierung erwartet wurde. PolitEch begnügen sich die Juden um En kleinen Gnadenbrocken, die ihnen dm kaiserh die Huld in Form von Ernennungen e eines JuaEr pro Jahr zuwirft . Das Häuflein deutscher Juden ist nach wie vor unter den grösseren ' ü -, »ms itionem wde „Gemeindebund' , ..HiiEverein der deutschen Juden", ..Zentralverein". ..Zionistische 'üganis ntion'' und „Deutsches Bureau der A.-J.-C.*' verteilt. Dass die deutschen Juden luv ein gemeinsames innerpolitisches Vorgehen nicht : . f genug «{md, »-»mss ms dem resigr.Erier. Besch; us- V« BresE-ue'* e'i^r.istepd.'.g.^s gr'fol-* „Neue National-Zeitung"